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Sarner Kollegitheater pausiert für ein Jahr

2020 muss das Publikum aufs beliebte Kollegitheater verzichten. Die motivierte Truppe aber arbeitet im neuen Freifach «Theater» weiter.
Romano Cuonz
Die Macher des Sarner Kollegitheaters Mats Michel, Daniel Mattmann und Markus Bürgi (von links) überbrücken die Pause mit neuen Ideen.Bild: Romano Cuonz

Die Macher des Sarner Kollegitheaters Mats Michel, Daniel Mattmann und Markus Bürgi (von links) überbrücken die Pause mit neuen Ideen.Bild: Romano Cuonz

Wenn das Sarner Kollegitheater pausiert, fehlt im kleinen Kanton Obwalden ein wichtiges und vor allem traditionsreiches kulturelles Jahresereignis. 2020 ist dies nach zahlreichen fantastischen Produktionen der letzten Jahre wieder einmal der Fall. Den Entscheid hat das Leitungsteam gefasst und Regisseur Mats Michel begründet ihn so: «Der Hauptgrund ist, dass wir uns neu organisieren wollen und dabei einige Aufgaben, die wir bislang selber gemacht haben, an eine zusätzliche Person abgeben möchten. Leicht gefallen ist der Entscheid dem eingespielten Viererteam (Mats Michel, Regie, Markus Bürgi, Bühnenbild, Daniel Mattmann (ab 2020 Marcel Vogler) Musik, Lisbeth Schmid, Sprechausbildung und Gesang) keineswegs. Eine Entlastung sei aber dringend nötig, sagt Michel. Bislang sei auch der aufwendige Produktionsbereich – abgesehen von der freiwilligen Hilfe einiger Kolleginnen und Kollegen – zu einem schönen Teil vom kreativen Team gestemmt worden.

Inzwischen konnte das Quartett, als Fünften im Bunde, den Geschichtslehrer Bernard Krummenacher für die «Produktionsleitung» gewinnen. Bühnenbildner Markus Bürgi ist glücklich. «Indem er uns den administrativen Teil abnimmt, können wir anderen bei nächsten Produktionen noch viel mehr Zeit in die kreative Arbeit investieren», stellt er fest. Rektor Patrick Meile unterstützt die neue Lösung voll und ganz. Dies zumal sie kostenneutral bleiben soll. Die bisherigen Pensen der Crew werden reduziert und auf mehr Köpfe verteilt. Als Rektor freut sich Meile, dass das Theater – ein Aushängeschild der Schule – nun noch breiter abgestützt ist. Leute in verschiedensten Bereichen zu integrieren sei ein erklärtes Ziel der Schule.

Einige Tränen flossen schon

Für die Leiterin und die Leiter war es keine einfache Aufgabe, den rund 30 Jugendlichen, die zur eingeschworenen Truppe des Kollegitheaters zählen, die Hiobsbotschaft zu vermitteln. «Als wir ihnen sagten, dass wir 2020 nicht vor Publikum spielen, waren die meisten enttäuscht, ja es floss auch die eine oder andere Träne», erzählt Mats Michel. Dafür, dass die Neuorganisation ihre Zeit braucht, hätten aber die meisten Verständnis gezeigt.

Immerhin: So ganz aus soll der Traum von den Brettern, die die Welt bedeuten, auch in diesem Jahr nicht sein. Vier Lehrpersonen bieten den Schülern nämlich neu das Freifach «Theater» an. Und dieses ist überaus attraktiv bestückt. So werden Schülerinnen und Schüler die Stücke «Der Besuch der alten Dame» (Luzern, Winterthur) und «Graf Öderland» (Basel) von Dürrenmatt und Frisch besuchen und darüber diskutieren. Auch will man gemeinsam verschiedene Stücke lesen und – wenn auch ohne Publikum hinter den Kulissen – einzelne Szenen proben und improvisieren. Ebenso wird die wichtige Gesangs- und Sprecharbeit mit Lisbeth Schmid weitergeführt. In Workshops sollen Bühnenbilder, Kostüme, Masken, aber auch Regie und Dramaturgie vertieft betrachtet werden und analysiert werden.

Und wer weiss: Vielleicht werden bei dieser Arbeit Figuren entwickelt, die in einem nächsten Stück auftreten. Ab Herbst 2020, das verspricht das neue Leitungsquintett hoch und heilig, soll wieder für eine Aufführung vor Publikum geprobt werden.

Daniel Mattmann legt den Taktstock nieder

(cuo) In den letzten Jahren war das Sarner Kollegitheater immer auch stark von eigenwillig ideenreicher Musik geprägt. Dass man sich sogar an Musicals heranwagen durfte, war wesentlich auch das Verdienst des Musiklehrers Daniel Mattmann und seiner Frau Lisbeth Schmid. Jetzt aber – nach der Begleitung von insgesamt 29 Produktionen – legt Daniel Mattmann im alten Gymnasium den Taktstock nieder. «Ich bin jetzt 61 und finde, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, diese Aufgabe einem jüngeren Kollegen zu übergeben», sagt Mattmann.

Über all die Jahre hat der Sachsler Theatermusik und Lieder komponiert, für das Niveau der Instrumentalisten adaptiert und arrangiert. Oft war die Musik nachgerade experimentell. «Diese Arbeit mit sehr motivierten Schülerinnen und Schülern – Instrumentalisten wie Vokal- Solisten – war etwas vom Wichtigsten für mich und auch ein Grund dafür, dass ich nie eine andere Stelle suchte», offenbart Mattmann.

Zwei der zahlreichen Highlights für ihn waren die Musicals «Alice im Wunderland» oder «Animal Farm» mit Musik von Richard Peaslee. Apropos Peaslee: Mit ihm hatte Mattmann ein schönes Erlebnis. «Auf meine E-Mail-Anfrage schickte mir der Amerikaner einen Klavierauszug mit der Bemerkung, ich könne damit machen, was ich wolle», erzählt Mattmann. «So etwas!» Nachfolger von Daniel Mattmann wird der Sachsler Marcel Vogler, der als Schulmusiker derzeit auch an einer Luzerner Mittelschule tätig ist.

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