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SC Hüetli Sachseln: «Ich habe es einfach gern, wenn es fröhlich ist»

Freitags nach der Arbeit trainieren Frauen und Männer vom SC Hüetli bei Pétanque Obwalden.
Marion Wannemacher
Mitglieder des SC Hüetli üben unter der Obhut von Trainer Renato Soldati (mit Hut).

Mitglieder des SC Hüetli üben unter der Obhut von Trainer Renato Soldati (mit Hut).

Einen offiziellen Preis hat Pétanque Obwalden nie erhalten, doch was der Verein seit mehr als drei Jahren leistet, ist gelebte Integration. «Sie wollen trainieren, sie haben Ballgefühl, aber viele Sportarten sind für sie körperlich zu anspruchsvoll», erkannte Anita Regli, Teamleiterin bei der Stiftung Rütimattli. So kam sie auf Boule und fragte beim Klub an, ob Mitglieder des SC Hüetli nicht bei Pétanque Obwalden spielen könnten. Der Verein schrieb 2016 einen Kurs aus, aus Kursteilnehmern wurden Vereinsmitglieder.

Renato Soldati trainiert die Personen mit einer Behinderung seitdem freitagabends von Frühjahr bis Herbst, Anita Regli steht ihm auf dem Platz zur Seite. Lange überlegt hat er nicht, als die Anfrage kam. «Ich habe 20 Jahre lang im Fussball jemanden mit Trisomie 21 trainiert, der als siebenjähriger Bub zu mir kam. Ich wusste, ich kann es gut mit ihm.»

Verständliche Ansagen sind gefragt

Ein Augenschein zeigt: Käthi, Florian, Erika, Michaela, Silvia und Walter richten sich auf dem Bouleplatz ein. Gespielt wird immer im gleichen Dreierteam. Im einstündigen Training reicht es meistens für zwei Spiele, wer zuerst 13 Punkte erreicht, hat gewonnen. Weil auf dem grossen Platz zwischen dem Vereinslokal des FC Sarnen und dem Kinderspielplatz eine Veranstaltung stattfindet, weicht die Gruppe auf den kleineren an der Seite aus. Aus diesem Grund fällt heute auch das Training für die übrigen Vereinsmitglieder aus. Pétanque Obwalden hat 60 Mitglieder, davon ein Drittel aktive.

«Denkt dran, hier ist der Untergrund gröber, die Kugeln zu rollen wird nicht gut funktionieren. Ihr müsst sie ein bisschen weiter schiessen.» Soldati redet klar und verständlich mit den Spielern. «Cochonnet» heisst bei ihm einfach «Zielkugel», auch den Fachausdruck für den hohen Bogenwurf, «Haute-Portée», hat er im Training mit ihnen aus seinem Wortschatz gestrichen. Erika Zumstein aus Team 1 wirft die Zielkugel. Die landet nach neun der zwölf Meter langen Bahn. Danach ist Silvia Kiser aus Team 2 dran. Die erste Kugel misslingt ihr, sie macht ihrem Unmut mit einem ärgerlichen Laut Luft, die nächste fliegt optimal. Freude, Ärger werden direkt und leidenschaftlich zum Ausdruck gebracht.

Die Zielkugel wird jetzt verdeckt von Kugeln, das macht es schwierig fürs gegnerische Team. In der nächsten Runde liegen zwei Kugeln in ähnlicher Distanz zur Zielkugel. «Welche liegt besser?», will der Trainer wissen. Distanzen abzuschätzen, fällt seinen Spielern häufig schwer. Renato Soldati steht vor dem Wurf in Zielnähe und zeigt mit den Füssen an, wo die Kugel idealerweise landen sollte. Die Teams liegen fast gleich auf. Am Schluss fehlen Team 2 zwei Punkte. Die Freude beim Gewinnerteam ist gross.

«Hier auf diesem öffentlichen Platz werden sie wahrgenommen, beim Pétanque passiert die viel zitierte Integration», freut sich Anita Regli für ihre Schützlinge.«Ich kann hier meine Energie im Spiel einsetzen», erklärt Silvia Kiser, warum sie so gern freitags nach der Arbeit hier her kommt. «Es ist toll hier», pflichtet ihr Teamkollege Walter Durrer bei, «die Stimmung, die Freundschaft, die Freude, das Spiel, der Coach», präzisiert er. Der Höhepunkt des Jahres sei für ihn der Turniersieg gewesen.

Spass kommt an erster Stelle

Gewinnen will jeder gern, klar. Dass seine Spieler aber nicht zu viel Druck vertragen, war auch für den Trainer ein Lernprozess. «Dann geht gar nichts mehr», weiss er. Deshalb schätzten alle Freundschaftsturniere. Gespielt wird gegen Personen mit Beeinträchtigungen. In Montreux reichte es heuer erstmals fürs Siegertreppchen. «Wir werden immer besser», freut sich der Trainer. Trotzdem: Für alle kommt der Spass an erster Stelle. «Ich habe es einfach gern, wenn es fröhlich ist», sagt Soldati.

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