Obwaldner Maturanden trafen sich mit Bildungsdirektor Christian Schäli zur Aussprache

Maturanden der Kantonsschule Obwalden kritisieren in einem offenen Brief an der Durchführung der Maturaprüfungen. Obwohl die Regierung an ihrem Entscheid festhält, sprechen die Schüler von einem «offenen und ehrlichen» Gespräch.

Martin Uebelhart
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Zwei Maturandinnen und zwei Maturanden der Kantonsschule Obwalden hatten am Montagnachmittag eine Aussprache mit Bildungs- und Kulturdirektor Christian Schäli. Zuvor hatten sie in einem Brief an ihn ihrem Unmut darüber Luft gemacht, dass der Regierungsrat an den schriftlichen Maturaprüfungen festhält, trotz des Einflusses der Coronakrise. In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, hatten sie dargelegt, dass triftige Gründe gegen die geplante Durchführung der Maturaprüfungen sprächen, insbesondere aus Überlegungen der rechtsgleichen Behandlung der Maturandinnen und Maturanden und der Vergleichbarkeit der Maturitätsabschlüsse in anderen Kantonen.

Sie führten auch gesundheitliche Gründe ins Feld. Die Maturitätsprüfungen würden jeweils vier Stunden dauern. Maturandinnen und Maturanden aber auch Aufsichtspersonen und weitere Kontaktpersonen könnten sich in der Folge unwissentlich und ohne Symptome mit Covid-19 anstecken. «Wir waren positiv überrascht über das offene und ehrliche Gespräch, da man uns bis anhin ignoriert oder mit undankbaren Antworten abgewimmelt hatte», sagt einer der Maturanden auf Anfrage stellvertretend für die Gruppe. Die vier möchten nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen.

Schüler bemängeln Qualität des Fernunterrichts

An der Entscheidung, die schriftlichen Maturaprüfungen durchzuführen, habe das Treffen nichts geändert, auch wenn sie mit einem letzten Schimmer Hoffnung darauf zu dem Gespräch gegangen seien. Der Regierungsrat habe seinen Entscheid den Maturanden gegenüber vor allem dadurch erklärt, dass ihnen ein ordentlicher Abschluss ermöglicht werde soll und er der Überzeugung sei, dass ihnen dies in Zukunft entgegenkommen werde. Allerdings habe Christian Schäli ihre Sorgen und Ängste ernst genommen. Unter anderem hatten die Schülerinnen und Schüler auch Kritik an der Qualität des Fernunterrichts geübt. An anderen Schulen seien die Lehrer in einem Chat-Programm online gewesen. In Sarnen hätten sie die Aufträge am Sonntagabend per Mail erhalten und je nach Lehrperson lange auf Antworten auf Fragen warten müssen.

Bildungs- und Kulturdirektor Christian Schäli

Bildungs- und Kulturdirektor Christian Schäli

Bild: Corinne Glanzmann

«Wir sind mit einem besseren Gefühl aus dem Gespräch gegangen», hält der Sprecher der Maturanden weiter fest. «Christian Schäli begegnete uns sehr sympathisch und wir konnten in einer offenen und transparenten Diskussion unsere Standpunkte darlegen.» Sie wüssten nun etwas besser, wie die Prüfungen abliefen. Sie seien nun beruhigter als zuvor und hätten durch das Garantieren von Christian Schäli Vertrauen darauf, dass die Prüfungen fair durchgeführt würden.

Ehrlicher und konstruktiver Austausch

Christian Schäli spricht von einem sehr ehrlichen und konstruktiven Austausch mit den Maturandinnen und Maturanden. «Sie haben mir Ängste und Bedenken dargelegt», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. «Ich habe ihnen die Gründe für den Entscheid der Regierung aufgezeigt.» Sie hätten ihre Argumente vorgebracht. «Diese sind bekannt und auch nachvollziehbar», so der Bildungs- und Kulturdirektor weiter. Es gebe gute Gründe dafür die Prüfungen durchzuführen und gute Gründe dagegen, hält er fest. Es sei ein Abwägen gewesen, auch mit den übrigen Regierungen der Zentralschweiz. Schäli ist auch überzeugt, dass alle Schulen in dieser ausserordentlichen Lage ihr Bestes gegeben hätten. Es ei eine Herausforderung gewesen, innert kurzer Zeit ein digitales System heraufzufahren.

«Ich habe den Schülerinnen und Schülern einen fairen Ablauf der Prüfungen und eine faire Bewertung in Aussicht gestellt.» Am Ende habe er versucht, ihnen mitzugeben, motiviert auf die Prüfungen hinzuarbeiten, hält Christian Schäli fest.

SP Obwalden übt Kritik an Regierung

Zum Thema geäussert hat sich gestern in einem offenen Brief an Christian Schäli auch Suzanne Kristiansen, die Präsidentin der SP Obwalden. Die Vorbereitungsphase auf diese Maturität sei situationsbedingt alles andere als optimal gewesen. Gemeinsames Studium und sich gegenseitig zu unterstützen sei nur in reduziertem Masse möglich gewesen. Kritik übt sie daran, dass die schriftlichen Prüfungen in diesem Jahr gleich hoch wie die Leistungsnotenwährend der Semester gewertet würden und somit einen höhren Stellenwert als üblich erhielten. Eine Korrektur dieses Entscheids sei dringend angezeigt. Sich nur auf «das Augenmass bei Härtefällen» zu verlassen, genüge nicht.