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Die Sarner Familie Kollros hält zusammen

Wie Claudia Kollros mit ihrer Familie Muttertag feiert, ist wohl eine ihrer geringeren Sorgen. Mattia, ihr jüngster Sohn, hat gesundheitliche Probleme. Die meiste Zeit ist der Säugling im Spital.
Marion Wannemacher
Familie Kollros beim Giessen der Setzlinge: Vater Severin und Mutter Claudia Kollros, Marlon im weissen ­T-Shirt und Elio. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 7. Mai 2018))

Familie Kollros beim Giessen der Setzlinge: Vater Severin und Mutter Claudia Kollros, Marlon im weissen ­T-Shirt und Elio. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 7. Mai 2018))

Wenn Mattia wieder mal im Kinderspital Luzern ist, verbreitet sich das unter Ärzten und Pflegepersonal wie ein Lauffeuer. Der Säugling ist acht Monate alt und «Stammgast» im Spital. Bislang war er nur kurze Episoden in seinem Leben daheim bei seiner Familie in Sarnen. Das Schicksal des herzigen Babys berührt viele. Mattia hat Trisomie 21 (auch als Down-Syndrom bekannt) und kam als Frühchen auf die Welt. Bereits hat er acht schwere Operationen durchstehen müssen. Die Folgen eines Darminfekts mit Blutvergiftung, ein Loch im Zwerchfell, zwei Mal ein künstlicher Darmausgang und zwei Lungenentzündungen haben ihm das Leben schwer gemacht. «Drei Mal wussten wir nicht, wie es ausgeht für ihn», erzählt seine Mutter Claudia Kollros.

Brüder kennen Notfallszenario bereits

«Wenn er daheim ist, rechnen wir ständig mit allem», beschreibt Ehemann Severin seine Gefühle. «Du bist auf Nadeln, wenn er nicht trinkt, wie er sollte.» Nach der fünften grossen Darm-OP habe ein Arzt ihnen klargemacht, dass eine weitere nicht mehr möglich sei. Mattia überstand dann doch noch eine sechste.

Elio (4), der Älteste, weiss bereits, was im Fall eines Notfalls in seine Tasche für die Übernachtung beim Grosi kommt, auch Marlon (2 1/2) kennt das Notfallszenario bereits aus Erfahrung. «Marlons Geburtstag konnten wir bis nachmittags um vier feiern, dann mussten wir Hals über Kopf ins Spital, weil Mattia eine zweite Notfall-OP hatte», erzählt Claudia Kollros. Die Familie hält zusammen. Einfach ist es für die fünf trotzdem nicht. Kurz nachdem Claudia Kollros bei einer ­Ultraschalluntersuchung erfuhr, dass Mattia eventuell Trisomie 21 hat, wurde Severin, der als Marketingleiter bei einem Luzerner Unternehmen tätig war, arbeitslos. Die Nachricht von der Trisomie 21 sei zuerst ein Schock gewesen. «Du machst alle Emotionen durch, es ist eine Achterbahn von Wut, Ärger, Hilflosigkeit, Hoffnung und Zuversicht, Vertrauen und Freude, wenn du die Angst loslassen kannst», erzählt die gebürtige Alpnacherin. Aus ihr spricht die tiefe Mutterliebe zu ihrem Jüngsten.

Über 2200 Leser verfolgen ihren Blog

Irgendwann schlugen ihr Freunde vor, einen Blog zu schreiben. Das Schreiben half ihr, sich die Gefühle von der Seele zu schreiben. Über 2200 Leser verfolgen Claudias Einträge. «Wow, super, wie ihr das macht», hört die 40-Jährige immer wieder. Fremde sprechen sie auf der Strasse an, weil sie sie wiedererkennen. Manchmal melden sich auch Mütter mit ähnlichem Schicksal. Viele nehmen Anteil. Manche helfen gar: Bereits zwei Mal spendete jemand der jungen Familie Geld. Eine Mutter bot an, Elio und Marlon zu hüten, wenn Claudia Kollros jeden zweiten Tag ins Spital zu Mattia fährt. Mittlerweile springt der Entlastungsdienst des Roten Kreuzes ein.

Am Freitag hatte die ausgebildete Primarlehrerin ihren vierzigsten Geburtstag. Ob sie feiern könnte, wusste sie einen Tag vorher noch nicht. Auch nicht, was am Muttertag sein würde. Kommt Mattia heim oder muss er noch im Spital bleiben? «Wenn er heimkommt, darf uns ohnehin niemand besuchen», weiss sie. Wichtig sei ihr das nicht. «Wir geniessen es, zusammen zu sein, wenn er kommt», sagt sie.

Es stehen noch ganz andere Fragen für die Zukunft an. «Was Angst macht, ist das Finanzielle. Wir brauchen ein Auto, in das drei Kindersitze passen», nennt die Familienfrau ein Beispiel. Severin Kollross nimmt zurzeit an einem Weiterbildungsprogramm des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums teil. Er sucht eine Stelle in einem Dienstleistungsunternehmen im Bereich Marketing und Verkauf, möglichst nahe von zu Hause.

Viele Fragezeichen stehen vor der Familie. «Wir wissen nicht, wann er laufen kann oder wann er essen kann. Wir überlegen nicht mehr, was ist wann. Mattia hat uns voll ins Jetzt geholt», erzählt Claudia Kollros. Was sind ihre Wünsche für die Zukunft? «Dass wir einfach als Familie in einer Leichtigkeit unterwegs sein können und voller Freude Tag um Tag erleben können.»

PS: Mattia Kollros konnte am Donnerstag nach Hause. Die Familie hofft, dass er nun bei ihnen bleiben kann.

Hinweis

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