Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Schlittel-Selbstversuch auf Melchsee-Frutt: «Bärti» fährt im Hinterkopf mit

Der neue Lernschlittelweg auf der Frutt – nach Angaben der Sportbahnen der erste in der Schweiz – ist relativ einfach gestaltet, dafür aber effektiv in seinen Botschaften. Das zeigt ein Selbstversuch im Obwaldner Skigebiet.
Oliver Mattmann
Autor Oliver Mattmann testet vor Ort, ob die Anweisungen auf den Plakaten taugen. (Bild: Dominik Wunderli (Melchsee-Frutt, 24. Januar 2019))

Autor Oliver Mattmann testet vor Ort, ob die Anweisungen auf den Plakaten taugen. (Bild: Dominik Wunderli (Melchsee-Frutt, 24. Januar 2019))

Raus aus der Gondelbahn und rein ins Schlittelvergnügen – ohne Rücksicht auf Verluste und mit möglichst hohen Tempi. Schliesslich wollte man sich gegenüber den Kollegen keine Blösse geben und nicht als Letzter unten ankommen. So etwa lässt sich der Fahrstil des Autors dieses Artikels umschreiben, als er im jugendlichen Alter war und dem Eindruck schinden mehr Gewicht schenkte als den Gefahren auf der Piste.

Inzwischen sind einige Jahre ins Land gezogen. In Sachen Gefahren hat sich die Wahrnehmung deutlich verschoben, das Schlitteln ist inzwischen weit in den Hintergrund gerückt. Gar soweit, dass er es verlernt hat? Als der Schreiberling vom Lernschlittelweg auf Melchsee-Frutt hört, reizt es ihn, zu testen, wie es nach dieser langen Abstinenz um sein Können auf dem Holzgefährt steht. Also unternimmt er einen Selbstversuch, mietet einen Schlitten, reist mit der Gondel aufs tief verschneite Hochplateau und macht sich bei besten Bedingungen auf zum Lernparcours.

In der Kürze liegt die Würze – auch bei der Testpiste

Die Sportbahnen Melchsee-Frutt beanspruchen für sich, die ersten zu sein, die einen solchen Lernschlittelweg anbieten. Wer nun aber denkt, dass dies ein Kurs beachtlicher Länge mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen ist, mit Instruktoren, die korrigieren und Tipps geben, oder gar mit modernen, interaktiven Elementen, der erzeugt ein falsches Bild im Kopf. Der Autor räumt ein, dass es ihm ähnlich ergangen ist. Zumindest hat er eine etwas längere Test-Piste als die 100 Meter und mehr als eineinhalb Kurven erwartet.

Am Wegrand machen vier Blachen auf die Ausrüstung mit wintertauglichen Kleidern und Schuhen, Helm und Skibrille, das Steuern nach links und rechts sowie das Bremsen aufmerksam. «Bärti» heisst die Figur, die darauf vorzeigt, wie es richtig geht, die dazugehörenden Anweisungen sind auch in englischer Sprache gedruckt. Das tönt alles recht einfach, ist es auch, hat damit den Vorteil, dass alle es kapieren und trotz der Plakate nicht den Blick für die Piste verlieren. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dass der Lernparcours nicht zu lang und zu schwierig ist. Sonst hätten vor allem verunsicherte Anfänger Mühe, die Anweisungen genau zu beachten – abgesehen vom Marsch zurück an den Start, wer die Übung wiederholen will.

Lernparcours trägt erste Früchte

Selbst wenn der Autor etwas andere Erwartungen hatte, sinnvoll ist der Lernparcours, zu dem auch ein Video mit «Bärti» beim Ausgang der Bergstation gehört, allemal. Man darf nicht vergessen, dass sich ausländische Gäste in den Wintersportdestinationen tummeln, die noch nie im Leben Schnee gesehen haben, geschweige denn auf einem Schlitten gesessen sind. Der Lerneffekt dürfte also spielen – was im Sinne der Beratungsstelle für Unfallverhütung ist. Auf Schweizer Pisten kommt es jährlich zu rund 7'000 Unfällen beim Schlitteln. Dies dürfte auch mit dem kleinen Boom zusammenhängen, den die Sportart derzeit erfährt.

Daniel Dommann, Geschäftsleiter der Sportbahnen Melchsee-Frutt, bestätigt: «Die Zahl der Schlittler hat in den letzten Jahren markant zugenommen.» Dabei sei erstaunlich, dass vermehrt Gäste kommen, die sich mit den Bedingungen auf dem Berg wenig bis gar nicht auskennen. In dieser Hinsicht habe der Lernparcours bereits einen Erfolg erzielt, ist er überzeugt. «Uns fällt speziell auf, dass sich die Ausrüstung und Bekleidung der Schlittler schon nach wenigen Wochen verbessert haben.» Aber auch zu den restlichen Plakaten habe man positive Rückmeldungen erhalten. «Die einfachen Botschaften scheinen anzukommen», so Dommann. Das kann Eveline Blank aus Sarnen, die an diesem sonnigen Vormittag ebenfalls mit dem Schlitten unterwegs ist, nur unterstreichen: «Für Leute, die sonst nie Schlittenfahren, ist es eine gute Sache, vor allem heute, wenn es so schnell ist. Sie erhalten in kurzer Zeit Tricks, wie man sich beim Lenken und Bremsen verhalten sollte.» Sagt es und braust davon.

Nach kundenfreundlicher Lösung gesucht

Angesprochen auf die Einfachheit des Lernparcours sagt Daniel Dommann: «Bereits vorhandenes Anschauungsmaterial kam meist extrem umfangreich und langatmig daher. Dies wollten wir kundenfreundlicher gestalten.» Ein früherer Versuch mit Schlittelkursen habe das Kundeninteresse nicht wecken können. Dies muss aber nicht heissen, dass der aktuelle Lernschlittelweg das Ei des Kolumbus ist. «Es handelt sich um eine Versuchseinrichtung. Die Erfahrungen, die wir in diesem Winter gewinnen, werden wir in den weiteren Ausbau stecken.»

Zur Frage, ob sich dank des Lernparcours die Unfallzahlen auf der Frutt reduziert haben, sagt Dommann: «Dazu können wir derzeit keine seriöse Aussage machen.» Er weiss aber, dass sich Gäste teils überschätzen und das Gefühl haben, es gehe von selbst. «Dass zur sicheren Fahrt die Beherrschung des Gerätes dazugehört, fällt vielen erst auf, wenn das Tempo zu hoch oder der Kurvenradius sehr eng ist.» Habe mit der Sensibilisierung der Schlittler nur ein Unfall verhindert werden können, so habe sich das Engagement bereits gelohnt.

Doch wie hat der Schreiberling nach seinem Selbstversuch im Lernparcours die anschliessende, acht Kilometer lange Schlittelstrecke zur Stöckalp gemeistert? Er erhielt die Bestätigung, dass die Piste sehr schnell war. Dennoch schaffte er es ins Ziel, ohne einmal den Schnee zu küssen oder in eine brenzlige Situation zu geraten. Auch wenn er unterwegs nichts davon bemerkte: «Bärti» dürfte im Hinterkopf mitgefahren sein und dazu beigetragen haben, bei anspruchsvollen Passagen noch eine Schippe «Vorsicht» mehr draufzulegen, ohne dass dies den herrlichen Schlittelspass getrübt hat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.