Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schnapsbrennerei in Lungern: Hochsaison für Hochprozentiges

Die reiche Obsternte führt in den Schweizer Destillerien zu einer massiv höheren Produktion. Auch in der Lohnbrennerei Schallberger herrscht momentan Hochbetrieb.
Philipp Unterschütz
Helen und Hansruedi Schallberger an der Destillationsanlage. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Helen und Hansruedi Schallberger an der Destillationsanlage. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Die Witterung war nahezu ideal – die Obstbäume lieferten dieses Jahr eine reiche Ernte. Früchte in Massen zum frischen Verzehr, für Konfitüre, zum Kochen, Einlegen, Dörren oder Einmachen. Aber auch bestens geeignet für einen hochprozentigen Edelbrand.

So freuen sich auch Helen (41) und Hansruedi (45) Schallberger aus Lungern über wesentlich mehr Arbeit in ihrer Lohnbrennerei. Gebrannt wird ausschliesslich auf ihrem Hof. «Normalerweise etwa drei Monate von Januar bis März – diese ‹Saison› wird aber gegen fünf Monate dauern», sagt Hansruedi Schallberger. Destilliert das Ehepaar in durchschnittlichen Jahren rund 1000 Liter Spirituosen, rechnen sie diesmal mit 1500 bis 2000 Litern – hauptsächlich Äpfel/Birnen-Träsch, Zwetschgen und Pflümli oder Chrüter.

Ohne gute Maische kein guter Schnaps

Wie es der Name «Lohnbrennerei» schon sagt, brennen Schallbergers für acht Franken pro Liter hauptsächlich für Dritte: Über 90 Prozent ihrer gut 50 Stammkunden sind Landwirte aus Lungern, aber auch immer mehr Private sind dabei. Denn Schnaps selber zu brennen, ist in der Schweiz verboten. Die einzige Möglichkeit sind also vom Bund konzessionierte Brennereien, wie sie Schallbergers betreiben. «Schon mein Grossvater und mein Vater brannten Spirituosen, damals aber noch in viel kleineren Mengen, weil früher viele Landwirte noch eigene kleine Brennereien hatten», erzählt Hansruedi Schallberger. In den vergangenen Jahren habe die Nachfrage stark zugenommen, zudem sei es auch von den gesetzlichen Grundlagen her seit etwa 10 Jahren einfacher geworden, eine konzessionierte Destillerie zu betreiben. Die Schwierigkeit liege darin, dass es fast unmöglich sei, vom Bund eine neue Konzession zu bekommen.

Helen Schallberger misst den Alkoholgehalt eines Destillats. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Helen Schallberger misst den Alkoholgehalt eines Destillats. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Am Brennhafen steht hauptsächlich Helen Schallberger, die im Landwirtschaftszentrum Flawil eigens das Ausbildungsmodul Brennerei abgeschlossen hat. «Da konnte auch ich einiges von ihr lernen», sagt ihr Mann Hansruedi, der das Handwerk von seinem Vater gelernt hat. Zum Beispiel über die richtige Herstellung der Maische, also die in einem Fass für drei bis acht Wochen vergärten Früchte. «Nur aus guter Maische gibt es auch ein gutes Destillat», betont Helen Schallberger. «Wenn diese nicht gut ist, kriegt auch der beste Brenner keinen guten Schnaps hin.» Die Früchte müssen voll ausgereift, frisch und sauber sein – beste Qualität halt. Entscheidend für die Qualität des Destillats sei letztlich sein Aroma. «Man muss mindestens sagen können, von welcher Frucht es stammt. Noch besser ist es, wenn man beispielsweise bei Äpfeln sogar die Sorte riechen kann», ergänzt Hansruedi.

Ins Cheli gehören 65 Volumenprozent

Bei der Brennerei Schallberger liegt also ein grosser Teil der Verantwortung für die Qualität des Produktes beim Kunden, der die Maische selber herstellen muss. «Wichtig ist, dass nachher beim Brennen Vorlauf und Nachlauf sauber getrennt werden», erklärt Helen Schallberger und bestätigt, dass sie sich als Brennmeisterin bei einem Obstbrand nur bedingt einbringen könne. «Beim Chrüter ist das anders, da kann man wirklich ganz eigene Kräuter-Mischungen entwickeln.» Und da hätte sie schon ihre Geheimnisse.

Momentan investiert Helen Schallberger rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit in die Destillerie. Das Brennen ist für die Familie aber «nur» ein Nebenverdienst, hauptsächlich betreiben sie Milchwirtschaft mit Aufzucht. Pro Tag sind bis zu fünf Brennvorgänge möglich, die jeweils etwa 90 Minuten dauern, die Destillate haben je nach Sorte bis 65 Volumenprozent Alkoholgehalt. Schnäpse im Laden haben in der Regel einen Gehalt von 42 Volumenprozent. «Für ein ‹Cheli› (Kaffee-Schnaps) nimmt man hier in der Regel 65-prozentigen Schnaps, das gibt ein besseres Aroma», begründet Hansruedi Schallberger, warum die meisten Kunden darauf verzichten, «ihren» Alkoholgehalt heruntersetzen zu lassen.

Helen und Hansruedi Schallberger beim Abfüllen von frisch gebranntem Träsch. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Helen und Hansruedi Schallberger beim Abfüllen von frisch gebranntem Träsch. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Produktion soll ausgebaut werden

Zu den Aufgaben der Brenner gehört es auch, akribisch genau der eidgenössischen Zollverwaltung zu melden, für wen wie viel Alkohol mit welchem Gehalt gebrannt wurde. Die Zollverwaltung treibt dann die entsprechenden Steuern direkt bei den Kunden ein. Und manchmal erscheinen ihre Kontrolleure auch unangemeldet bei Schallbergers und prüfen, ob alles seine Richtigkeit hat.

Die eigenen Produkte der Schallbergers werden von Hand etikettiert. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Die eigenen Produkte der Schallbergers werden von Hand etikettiert. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 4. Dezember 2018)

Momentan liege Chrüter und Honig-Chrüter im Trend. Sehr gefragt sei aber auch Gin. Diese Produkte will das Ehepaar deshalb weiter fördern, die Produktion soll generell erhöht werden. «Unser Ziel ist ein neuer Viehstall und dann im alten Stall die Destillerie zu vergrössern», verrät Hansruedi Schallberger. Weil das Vieh momentan an drei Orten stationiert sei, sei man nachher viel effizienter und könne mehr Zeit in die Brennerei investieren. Dann kann sich Brennmeisterin Helen vermehrt ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Chrüter, widmen, weitere Liköre kreieren und einen eigenen Gin entwickeln.

Infos über die Lohnbrennerei Schallberger und Verkauf unter: 079 400 63 89.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.