Schneedruck war zu gross für den Mast

Panoramawelt-Chef Paul Niederberger trifft keine Schuld, dass sein Mast in Schräglage geraten ist. Dies sagt ein Experte des Bundes.

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Panoramawelt-Chef Paul Niederberger begutachtet den herausgerissenen Masten. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Panoramawelt-Chef Paul Niederberger begutachtet den herausgerissenen Masten. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Experten der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) reisten am Dienstag nach Lungern-Schönbüel, um den havarierten Seilbahnmast näher unter die Lupe zu nehmen. Dies bestätigte Sust-Untersuchungsleiter Philippe Thürler auf Anfrage.

Freischaufeln wäre «aussichtslos»

Über die ersten Untersuchungsergebnisse wird sich Panoramawelt-Chef Paul Niederberger freuen. «So wie es aussieht, trifft den Betreiber keine Schuld», sagt Thürler gegenüber der Neuen Obwaldner Zeitung. Oberhalb des Masts, der in Schräglage geraten war, habe man enorme Schneehöhen von bis zu acht Metern gemessen. Auf einer Breite von rund 70 Metern sei zudem eine Abrissstelle zu erkennen. «Daraus resultierte ein aussergewöhnlich hoher Schneedruck auf den Mast», sagt Philippe Thürler. Zwar haben Bahnbetreiber die Auflage, ihre Bahnmasten ab einer gewissen Schneehöhe vom Druck zu befreien. Oberhalb des Masts Nummer 17 sei das Gelände aber so steil, dass an den Einsatz eines Pistenfahrzeugs nicht zu denken sei, wie Thürler sagt. Hätte Paul Niederberger selbst zur Schaufel greifen sollen? «Aussichtslos – bei diesen Schneemengen kommt man da nirgends hin», sagt Thürler. Ob der aufgeweichte Untergrund für das Unglück (mit-)verantwortlich war, wie Niederberger nach dem Unglück erklärt hatte, könne man jetzt noch nicht sagen.

In Kritik geraten war Paul Niederberger auch deshalb, weil er am Tag des Unglücks einen Nothalt der Seilbahn überbrückt hatte und die (leere) Bahn weiterlaufen liess. «Diese Überbrückung war nicht dafür verantwortlich, dass der Mast in Schräglage geriet», sagt Thürler. «Das war wohl Zufall.» Gewissheit habe man aber erst mit dem Untersuchungsbericht. Um diesen erstellen zu können, brauche es Expertisen. Einige Untersuchungen können gemäss Thürler erst nach der Schneeschmelze vorgenommen werden. Der Bericht sei frühestens in vier bis fünf Monaten zu erwarten. Paul Niederberger will in zwei bis drei Wochen die Bahn wieder laufen lassen – ohne Mast Nummer 17 und mit 25 statt 100 Sesseln. Am Freitag werde er gemeinsam mit der Herstellerfirma Garaventa beim Bundesamt für Verkehr vorstellig werden, wie Niederberger auf Anfrage sagte.

Adrian Venetz