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Schüler dürfen in Engelberg wieder ans Handy

Engelberg ist die erste Gemeinde Obwaldens, wo Kinder ihre eigenen elektronischen Geräte in der Schule einsetzen dürfen.
Franziska Herger

Bis vor den Sommerferien waren Handys an der Gemeindeschule Engelberg, wie in vielen anderen Schulen auch, tabu. Doch wenn die Engelberger Kinder am Montag ein neues Schuljahr beginnen, dürfen sie neu nicht nur Handys, sondern auch eigene Tablets oder Laptops benutzen. Als erste Gemeinde in Obwalden führt Engelberg das «Bring your own device»-System ein (Deutsch: Bring dein eigenes Gerät mit).

«Es ist eine Realität, dass viele Kinder ab der dritten Klasse heute ein Handy, ein Tablet oder einen Laptop haben», begründet Schulleiter Joe Kretz. «Warum soll man die Vorteile der Geräte, die wir Erwachsenen täglich benutzen, nicht mutig einsetzen?»

Dass elektronische Geräte an der Schule nun wieder erlaubt sind, heisst aber nicht, dass es keine Regeln mehr gibt. Ganz im Gegenteil: Auf der Gemeindewebseite ist ein dreiseitiger Vertrag aufgeschaltet, den Eltern und Schüler nächste Woche zur Unterschrift erhalten. «Ich darf im Schulhaus nicht chatten, telefonieren oder gamen», heisst es da zum Beispiel. «Ich mache keine Fotos oder Filme von anderen Schülern oder Lehrpersonen» und «Ich melde mich auf dem Schulareal aus Sicherheitsgründen jederzeit beim Netzwerk der Gemeindeschule Engelberg an.»

Ein «Fall Schwyz» sollte ausgeschlossen sein

Denn dieses Netzwerk hat die Schule für 7000 Franken mit einer extra starken Firewall geschützt. Ein Fall wie in Schwyz, wo vergangenes Jahr ein 10-Jähriger einer Klassenkameradin auf dem Schulnetz pornografische Bilder gezeigt hatte, sollte sich also nicht ereignen, betont Joe Kretz. «Solche Websites und auch Bilder sind absolut gesperrt, wobei es keine 100-prozentige Sicherheit gibt.»

Fälle von Sexting (dem Versenden intimer Bilder) oder Mobbing über soziale Medien und Chats, die ursprünglich zum Handyverbot an den Gemeindeschulen geführt hatten, kämen zwar vereinzelt immer noch vor, so Kretz. «Aber nicht während der Schulzeit, weshalb die Eltern statt die Schule dafür verantwortlich sind.»

Denn ausserhalb des Unterrichts ist der Handygebrauch auf dem Schulareal nach wie vor verboten – inklusive Pausen. Die Lehrer sammeln die Geräte vor der Pause ein und schliessen sie im Schulzimmer ein. Das löse auch das Problem der Handyspiele, sagt Joe Kretz. «Es gab immer wieder Jugendliche, die das Gamen nicht im Griff hatten und kaum mehr mit ihren Mitschülern kommunizierten», erinnert er sich.

Wird heute ein Schüler beim Gamen erwischt, wird das Gerät 48 Stunden lang eingezogen. Hält sich ein Kind wiederholt nicht an die Regeln, werden die Eltern informiert. Sie bestimmen auch mit Kreuzchen im Vertrag, ob ihr Kind seine elektronischen Geräte überhaupt in die Schule mitnehmen darf. Denn die Volksschule soll unentgeltlich sein, wie das Bundesgericht auch bei den Schulreisen festgehalten hat. Dass die Kinder ihre eigenen Geräte mitbrächten, die sie auch bereits kennen, sei zwar ökonomisch zweckmässig, sagt Joe Kretz. «Die Schule bietet aber auch mehrere Computer pro Klassenzimmer sowie Tablets und Laptops, welche die Lehrperson reservieren kann.»

Wörtchen büffeln auf digitalem Lernprogramm

Den Lehrern ist es überlassen, ob und wie elektronische Geräte im Unterricht eingesetzt werden. «Das ist nicht anders als bei Schulbüchern», sagt der Schulleiter. In der Primarschule würden die Geräte wohl sporadisch benutzt werden, auf der Oberstufe häufiger.

Neben Internet-Suchmaschinen und Textverarbeitungsprogrammen können die Schüler dabei auch digitale Lernprogramme verwenden, etwa um Wörter im Französischunterricht zu üben. Finanziert werden die Programme, da es sich um Lehrmittel handelt, vom Kanton. Für die Schulgeräte ist die Gemeinde aufgekommen, «die jedes Jahr mehrere tausend Franken investiert, um den Gerätepark auf dem neuesten Stand zu halten», so Kretz.

Wie Eltern und Schüler auf das neue System reagieren werden, sei schwer abzuschätzen, sagt Joe Kretz. «Die einen werden es wohl gut finden, andere sind vielleicht dagegen. Aber wie gesagt: Wir zwingen niemanden, sein Handy oder sein Tablet in die Schule mitzunehmen.»

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