Schüler forschen auf der Tannalp in Eis und Schnee

Während einer Expedition campierten in den vergangenen Tagen Teams von Sekundarschülern auf der Tannalp. Dahinter steckt ein ambitioniertes Projekt einer Luzerner Privatschule.

Marion Wannemacher
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Im tiefen Schnee auf der Tannalp campierten zwei Expeditionsteams von Sekundarschülern der Luzerner Privatschule «Projektklasse». Bild: PD (15. Februar 2019)

Im tiefen Schnee auf der Tannalp campierten zwei Expeditionsteams von Sekundarschülern der Luzerner Privatschule «Projektklasse». Bild: PD (15. Februar 2019)

«Brennt die Erde?» Der Frage nach den Auswirkungen zum Thema Klimaerwärmung ging vom 11. bis 15. Februar eine Luzerner Privatschule nach. Involviert in das ambitionierte Projekt waren insgesamt 85 Schüler von der untersten Primar- bis zur obersten Sekundarklasse inklusive aller Lehrer und der Schulleitung. Von Montag bis Mittwoch und Mittwoch bis Freitag verbrachten zwei Expeditionsteams von insgesamt zwanzig 12- bis 16-Jährigen auf der Tannalp in einem Lager in Eis und Schnee.

«In der Nacht von Montag auf Dienstag hatten wir minus 14 Grad», berichtet Schulleiter Hansruedi Eberli. Dem Enthusiasmus der Schüler am Projekt konnten selbst die rauen Bedingungen nichts anhaben. Die Eindrücke werden den Jugendlichen vermutlich noch lange nachgehen. In Filmen dokumentierten sie den Aufbau des Lagers, das Kochen im Camp oder atemberaubende Touren mit dem Bergführer auf den Graustock oder den Rotsandnollen. Im Projekt zählte die Unterstützung untereinander: Logistikteams halfen der Expedition im Aufbau und Unterhalt des Lagers, Primarschüler bereiteten das Mittagessen in Form von Sandwiches zu, ein Küchenteam das Abendessen. Im Restaurant Tannalp konnten sich die Expeditionsteilnehmer beim Frühstück und auch am Abend aufwärmen, bevor sie im Zelt wieder in den Schlafsack krochen. Auch in der Schule war alles auf den Beinen. Täglich informierten Schülerteams in Radio- und Fernsehsendungen über den Projektstand. Mediamatiker posteten ausserdem regelmässig Beiträge in sozialen Medien.

Schüler lernen vor allem das Projektmanagement

Die Privatschule mit dem Namen «Projektklasse» erarbeitet mit den Schülern sechs Grossprojekte pro Jahr im Schnitt, jeder Schüler engagiert sich zudem noch in individuellen Projekten. Der Mensch werde im Lauf seines Lebens mit Zehntausenden von Projekten konfrontiert, wenn man Privatereignisse wie beispielsweise Hochzeiten mit einbeziehe, erklärt Hansruedi Eberli. «Projektmanagement ist also ein wichtiges Tool», steht für ihn fest. In der Schule können sich Schüler verschiedenen Arbeitsgemeinschaften wie Multimedia, Sport und Tanz und Musical einbringen.

Zustande gekommen sei das Projekt mit der Klimaforschung über das Praktikum einer Geografiestudentin der Uni Bern in der Schule, berichtet Schulleiter Eberli. Anstelle des von ihm verhassten üblichen Skitags habe man sich auf das aktuelle Projekt geeinigt. «Dazu gibt es ja unglaublich viele Thesen», so Eberli. «Was sagt die Wissenschaft dazu? Ist das alles ein Riesenproblem oder alles nur erfunden?» Die Schule beschloss, bei der Uni Bern anzuklopfen. Klimaforschungsteams in der Schule setzten sich während der Projektwoche mit Statements der Uni zur weltweiten Klimaerwärmung auseinander und nahmen dazu Stellung. «Ihr dürft auch emotional schaffen», hatte die Devise der Schulleitung gelautet. Was die ursprüngliche Fragestellung anbelangt, zieht Hansruedi Eberli sein ganz persönliches Fazit dieser speziellen Woche. «Es kommt überhaupt nicht darauf an, ob die Erde brennt oder nicht, es kommt darauf an, dass der Mensch ein besseres Verhältnis zur Natur bekommt. Es geht darum, besser mit den Ressourcen umzugehen.»

Die Expeditionsteams werden nach ihrer Zeit am Berg vom Naturerlebnis erzählen. «Sie haben die Natur von der gefährlichen Seite erlebt. Sie ist brutal und schön, aber auch gefährlich», so der Schulleiter. Wie habe einer der Schüler konstatiert: «Hier oben ist es nicht möglich zu streiten, da muss man am gleichen Strick ziehen.»

Für ihn als Pädagogen steht fest: «Wenn man Jugendliche fasziniert, sind das die verlässlichsten Partner, engagiert, ehrlich und loyal. Dann kann man die wahnsinnigsten Ideen realisieren.»

Weitere Informationen unter projektklasse.ch/newsblog.html