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Schulinsel Sarnen: Auffangbecken für aufgewühlte Kinder

Was vor zehn Jahren in Sarnen erfunden wurde, hat mittlerweile in 15 weiteren Schweizer Gemeinden Einzug gehalten. Schulinsel nennt sich das Angebot, das sich laut der Rektorin «auf alle Fälle gelohnt hat».
Patricia Helfenstein-Burch
Leiter Florian Wipfli mit Kindern auf der Schulinsel. (Bild: Patricia Helfenstein (Sarnen, 11. September))

Leiter Florian Wipfli mit Kindern auf der Schulinsel. (Bild: Patricia Helfenstein (Sarnen, 11. September))

Die Realität zeigt, dass einzelne Schülerinnen und Schüler, aus welchen Gründen auch immer, zeitweise nicht bereit oder nicht fähig sind, dem Unterricht zu folgen. Für diese Kinder suchten Béa Sager, Rektorin der Schule Sarnen, und ihr Team vor über zehn Jahren eine Lösung. Es entstand die Idee einer Auffanginsel – der Schulinsel. Dies war die Geburtsstunde eines Projektes, das in jeder Hinsicht Schule gemacht hat. «Es war uns von Anfang an ein grosses Anliegen, dass der Besuch der Schulinsel nicht eine Strafe ist», sagt Béa Sager im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei vielmehr ein Ort der Begegnung für Kinder und Jugendliche, die kurzfristig oder über eine befristete Zeit im Unterricht nicht tragbar sind, oder diesem nicht beiwohnen können.

In diesem Sinne werde die Schulinsel seit zehn Jahren rege genutzt. Pro Woche besuchen durchschnittlich 35 Schüler das Angebot. Die Gruppe ist bunt gemischt. Buben und Mädchen halten sich in etwa die Waage. Die Schulinsel steht allen offen, von Kindergarten bis Orientierungsstufe. Es gibt Schüler, die nur für eine oder mehrere Lektionen auf die Schulinsel gehen und es gibt solche, die bis zu sechs Wochen ganztags dort den Unterricht besuchen. Auch Schülerinnen und Schüler aus anderen Gemeinden haben schon davon profitiert.

Flexibilität ist gefragt

«Als der langjährige Schulinsel-Leiter Res Berchtold pensioniert wurde, suchten wir wieder ein Allroundtalent. Dieses haben wir in Florian Wipfli gefunden», so Béa Sager. Einfühlungsvermögen, Flexibilität und Vielseitigkeit seien Eigenschaften, die notwendig sind, um die Schulinsel führen zu können. Das aufgewühlte Kind, das zuerst seinen Frust abbauen muss, bis es sich wieder dem Unterrichtsfach widmen kann, wolle anders abgeholt werden als die Gruppe, die für ein Projekt im Fach «Freie Tätigkeit» die Infrastruktur der Schulinsel nutzt. Und die Erst- oder Zweitklässler, die zum Schachspiel auf die Schulinsel gehen, haben andere Bedürfnisse, als der Viertklässler, der dorthin geht, weil er wegen eines gebrochenen Fusses für ein paar Wochen den Turnunterricht nicht besuchen kann. «Ich liebe die Vielseitigkeit meines Berufes», so Wipfli. Und diese Freude überträgt sich auf die Kinder, die zu ihm kommen.

«In den letzten Jahren haben wir in Sarnen die Schulkultur sehr stark weiterentwickelt», ist Béa Sager überzeugt. Die Lehrpersonen würden geschult, schwierige Situationen zu meistern oder Konflikte in der Klasse aufzufangen. Dies befähige auch die Schülerinnen und Schüler. «Dadurch haben Eskalationen deutlich abgenommen», fügt Florian Wipfli an. Es kommen heute tendenziell weniger «Problemfälle» als früher auf die Schulinsel. Dafür nehmen mehr Schülerinnen und Schüler die Begabtenförderung oder Zusatzunterstützung in Anspruch.

Béa Sager blickt glücklich auf die vergangenen zehn Jahre Schulinsel zurück. «Dieses Angebot hat sich auf alle Fälle gelohnt. Das Befähigungsnetz, das damit aufgebaut werden konnte, ist für die Schule extrem wertvoll.» Das Pionierprojekt ist inzwischen schweizweit in über 15 weiteren Gemeinden eingeführt worden.

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