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Schwander Wespennest kommt ins Theater

Von einem Estrich in Stalden in den «Gedächtnispalast» nach Emmenbrücke: Das Wespennest, das letztes Jahr wegen seiner Grösse für Gesprächsstoff sorgte, wird nun sogar Blickfang im Theater.
Franziska Herger
Probe für «Gedächtnispalast» in Emmenbrücke. Im Hintergrund ist das Wespennest aus Stalden zu sehen. (Bild: Beat Allgaier/PD)

Probe für «Gedächtnispalast» in Emmenbrücke. Im Hintergrund ist das Wespennest aus Stalden zu sehen. (Bild: Beat Allgaier/PD)

Ein Meter lang, ein Meter im Durchmesser und noch im vergangenen Sommer Heim von bis zu 8000 surrenden Insekten: Das Wespennest, das bis letzten November im Estrich von Marie-Tehers Burch in Stalden hing, ist ein Prachtexemplar seiner Art. «Das musste ich gleich mit der Kamera festhalten, sonst glauben mir die Leute das nicht», sagte die Schwanderin damals unserer Zeitung. Dass der Bericht ein ganz neues Kapitel für das nun verlassene Nest einläuten würde, konnte sie da noch nicht ahnen.

Eigentlich hatte Burch das Nest behalten und in Schulklassen oder Altersheimen in Obwalden zeigen wollen. Doch dann kam der Anruf von den Machern des Theaterprojekts «Gedächtnispalast» in Emmenbrücke. «Als wir den Tipp bekamen, es sei ein grosses Wespennest in der Zeitung, wollten wir es unbedingt», sagt Bühnenbildnerin Ruth Mächler.

Ein Stück mit sechzig Szenen und einem Wespennest

Das Stück spielt in einer stillgelegten Spinnerei in der Viscosi-stadt. Der Zuschauer wandert auf fünf Stöcken durch zahlreiche Räume, wo Laien- und Profischauspieler 60 Szenen aus der Geschichte zweier Familien zeigen. In einem der Räume hängt nun das Wespennest aus Stalden, am Boden hat Ruth Mächler Gras gesät. «Es geht in dem Raum darum, dass die Natur eindringt in die Fabrik», so die Bühnenbildnerin. Sie habe sich dafür von Anfang an ein Wespennest gewünscht. «Ich hoffte auf etwas Fussballgrosses. Nie hätte ich gedacht, dass wir so ein Riesen-Nest fänden.» Sie habe denn auch ohne grosse Hoffnung bei Marie-Theres Burch angerufen. «Aber sie war sofort begeistert.»

Dass «ihr» Wespennest nun zur Installation wird, freut Burch. Immerhin ist es das Werk monatelanger Arbeit der Wespen, der die Schwanderin absichtlich nicht mit Gift ein Ende gesetzt hat. «Ich hoffe, dass sich die Theaterbesucher vielleicht auch fragen, wie man mit Insekten umgehen könnte, die meist als lästig gelten. Für mich ist das Nest ein Kunstwerk.»

Nach der Derniere geht das Nest zurück nach Stalden

Auch Ruth Mächler sagt, sie sei «total überwältigt» gewesen, als sie das Nest zum ersten Mal sah, nachdem zwei Helfer vom Theater es mit Draht, Karton und grösster Vorsicht aus Marie-Theres Burchs Estrich entfernt und nach Emmenbrücke gefahren hatten. «Es war ein Gefühl wie Weihnachten, der absolute Glücksfall.» Im «Naturraum» wurde extra der Balken aus dem «Heimat-Estrich» des Wespennests nachgebaut, damit es richtig zur Geltung kommt.

Doch auch dieses Kapitel in der Geschichte des Riesen-Nests ist vergänglich. Nach der letzten Vorstellung Ende Juni kommt es zurück nach Stalden. «Das war meine Bedingung», sagt Marie-Theres Burch. Allenfalls wird das Wespennest also doch noch von Obwaldner Senioren und Schülern bestaunt werden können, selbst wenn sie nicht extra ins Theater gehen.

Premiere ist am 26. April. Vorstellungen bis 29. Juni. Weitere Informationen im Internet zu finden unter www.gedaechtnispalast.ch

Die grosse Faszination

Im «Gedächtnispalast» spielen auch zwei Laien aus Nid- respektive Obwalden mit: die Sachslerin Marie-Katrin Spichtig und der Hergiswiler Josef Blättler. Ihn habe das Experimentelle an dem Theater gereizt, sagt alt Landrat Blättler. Er ist seit Jahren Laienschauspieler – aber der «Gedächtnispalast» sei «ganz anders als andere Theater. Wie es dann genau ist, wenn immer wieder neue Zuschauer in den Raum laufen, ob es einmal fünf sind und einmal hundert, ist noch völlig offen.» Jeder Darsteller spiele in rund fünf Szenen mit, die dreimal pro Abend wiederholt würden, erklärt Psychomotoriktherapeutin Spichtig. «Das zu koordinieren, ist momentan die grösste Schwierigkeit.» Die Proben begannen im August, wurden jedoch von November bis März unterbrochen. «Weil das riesige Fabrikgebäude unmöglich zu heizen ist», erklärt Blättler. Während der probefreien Zeit entstand das Bühnenbild, bei dem der 67-jährige pensionierte Schreiner tatkräftig mitarbeitete. «Wir haben Wände eingebaut, so kam ich um die Mithilfe beim Putzen herum», schmunzelt er. Jetzt, wo die Proben wieder laufen, fährt Marie-Katrin Spichtig mehrmals pro Woche zur Probe nach Emmenbrücke. «Je nach Verkehr geht das bis zu einer Stunde», erzählt die 41-Jährige. «Aber das Theater ist so eine einmalige Sache, dass ich und alle anderen auswärtigen Schauspieler das gerne in Kauf nehmen. Die Fabrik durch Theater und auch durch die kunstvollen Installationen von Ruth Mächler wiederzubeleben, ist faszinierend.»

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