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Schwangerschaftsabbrüche: Obwalden hat niedrige Quote

Flüeli-Ranft ist am Samstag Schauplatz für ein nationales Treffen von Abtreibungsgegnern. Bei Schwangerschaften gebe es keine 0815-, sondern nur massgeschneiderte Beratungen, sagt die Leiterin der Fachstelle für Lebensfragen im Interview.
Interview: Lea Kathriner
Eine schwangere Frau. (Bild: Manuela Jans)

Eine schwangere Frau. (Bild: Manuela Jans)

Am Samstag versammeln sich Abtreibungsgegner in Flüeli-Ranft. Beim Gebetsmarsch «Bäte fürs Läbe» setzen sie sich für eine Rückkehr «zum uneingeschränkten Recht auf Leben» ein (siehe Kasten). 2016 wurden schweizweit über 10000 Schwangerschaftsabbrüche registriert, in Obwalden waren es 23, in Nidwalden 32. Die Fachstelle für Lebensfragen (elbe) führt im Auftrag der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden unter anderem kostenlose Schwangerschaftsberatungen durch. Im vergangenen Jahr fanden 274 von 750 Beratungen zu diesem Thema statt. Elbe-Stellenleiterin Hildegard Pfäffli Murer verrät im Interview, was Sie von solchen Anlässen hält und welchen Leitsatz Sie bei Beratungsgesprächen anwendet.

Hildegard Pfäffli Murer, Sie beschäftigen sich täglich mit verschiedensten Fragen rund ums Leben. Was fasziniert Sie daran?

Es fasziniert mich, Menschen, die in ihrer psychischen oder sozialen Entwicklung blockiert sind, zu helfen, die Lebensfreude wieder zu wecken.

Es kommen auch werdende Eltern zu Ihnen, die wegen einer Konfliktschwangerschaft vor die Entscheidung gestellt werden, das Kind zu behalten oder aufzugeben. Was raten Sie diesen?

Wir begleiten die Frau oder das Paar in ihrer eigenen Entscheidungsfindung und berücksichtigen dazu die verschiedenen Aspekte. Oft kommt ein «riesiger Berg an Themen» zusammen, meist tauchen auch finanzielle und juristische Fragen auf. Ziel der Beratungen ist, dass die Entscheidung auch retrospektiv als die beste angesehen wird.

Hildegard Pfäffli Murer, Stellenleiterin elbe, Fachstelle für Lebensfragen für die Kantone Luzern, Nidwalden und Obwalden. (Bild: PD)

Hildegard Pfäffli Murer, Stellenleiterin elbe, Fachstelle für Lebensfragen für die Kantone Luzern, Nidwalden und Obwalden. (Bild: PD)

Nach welchem Leitsatz gehen Sie dabei vor?

Bei uns gibt es keine 0815-Beratungen, sie sind alle «massgeschneidert». Das Wichtigste ist für uns, dass wir auf die konkreten Anliegen eingehen und die Klientinnen dort abholen, wo sie stehen. Dabei sind uns nebst unserem fachlich fundierten Know-how natürlich auch Respekt und Wertschätzung gegenüber jeder Ratsuchenden sehr wichtig.

Wie fallen die Reaktionen auf Ihre Ratschläge aus?

Wie gesagt ist das genaue Zuhören sehr wichtig. Es ist nicht unsere Entscheidung, sondern wir begleiten die Betroffenen, damit sie ihre Entscheidung finden. Wir versuchen herauszufinden, was sie in genau diesem Moment brauchen. Oft ist es in solchen Situationen wichtig, dass wir signalisieren: «Wir sind da. Niemand ist alleine.» Häufig spüre ich auch Dankbarkeit. Betroffene berichten, die Beratung habe ihnen geholfen, ruhiger und geordneter zu werden und das Chaos im Kopf zu bändigen. Und falls es Rückmeldungen zu unserer Beratungsstelle gibt, so nehmen wir diese natürlich als konstruktives Feedback auf.

Wie gehen Sie mit dem Faktor «Zeit» um? Schwangerschaftsabbrüche sind nur bis zur 12. Woche möglich.

Der Erstkontakt findet per Telefon statt. Dann vereinbaren wir einen Beratungstermin innerhalb der nächsten 24 Arbeitsstunden. In Notlagen versuchen wir, so schnell wie möglich einen Termin zu finden, das kann unter Umständen auch am selben Nachmittag sein.

Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft und der Politik betreffend Regelungen zur Schwangerschaft?

Ich wünsche mir, dass alle Menschen Zugang zur sexuellen Gesundheitsförderung haben und dass die Prävention weiterhin einen grossen Stellenwert geniesst. Bei der Abstimmung 2002 hat das Volk die Fristenregelung (strafloser Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche; Anmerkung der Redaktion) mit 72 Prozent angenommen, was ich als deutliches Zeichen sehe, dass die Gesellschaft den Frauen das Recht auf freie Entscheidung einräumt. Seither haben die Schwangerschaftsabbrüche entgegen den Erwartungen übrigens nicht zugenommen, sondern sind laut Bundesamt für Statistik leicht abnehmend: 2016 kamen 6,3 Schwangerschaftsabbrüche auf 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren, bei Frauen zwischen 15 und 19 Jahren ist der Wert gar auf 3,5 gesunken im Vergleich zu 6 Abbrüchen im Jahr 2005. Die Schweiz hat weltweit eine der niedrigsten Quoten an Schwangerschaftsabbrüchen.

Wie stehen Sie persönlich zu Anlässen wie dem Gebetsmarsch «Bäte fürs Läbe» in Flüeli-Ranft?

Ich finde es wunderbar an unserer Demokratie, dass alle ihre Meinung kundtun können. Dies regt Diskussionen an. Was ich mir noch wünsche, ist, dass man unterschiedlichen Haltungen respektvoll begegnet.

Haben Sie Verständnis für die Ansichten von Abtreibungsgegnern?

Ich habe ein grosses Verständnis sowohl für Menschen, die gegen den Schwangerschaftsabbruch sind, wie auch für diejenigen, die sich dafür entscheiden. Denn: Ich mache die Erfahrung, dass keine Frau leichtfertig eine Entscheidung trifft, sondern das Thema mit grosser Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein angeht.

Hinweis: www.elbeluzern.ch

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