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Bei dieser Obwaldnerin fliesst der Schweiss in Strömen – trotz schwebender Anmut

Die Koffer sind gepackt: Morgen geht es für Lia Lütolf nach Paris. Die Hälfte ihrer obligatorischen Stage verbringt die Gymi-Schülerin aus Kerns an der Ballettschule der Pariser Oper. Doch einen Ausflug wird sie sich nicht entgehen lassen.
Marion Wannemacher
Ballettlehrer Miguel Steininger trainiert die Förderklasse, darunter auch die 16-jährige Lia Lütolf. (Bild: Marion Wannenmacher (Luzern, 28.Juni 2018))

Ballettlehrer Miguel Steininger trainiert die Förderklasse, darunter auch die 16-jährige Lia Lütolf. (Bild: Marion Wannenmacher (Luzern, 28.Juni 2018))

Von unten tönt der Lärm der Fussgängerzone aus der City schwach herauf. Im vierten Stock des Grendel 15 nahe beim Schwanenplatz herrscht höchste Konzentration. Lia, Emilia, Céline, Manuela und Norea aus der Förderklasse trainieren an der Stange zu klassischer Musik. Ballettlehrer Miguel Steininger räumt die Stangen an die Seite und zeigt einen «Grand Jeté», einen Sprung von einem Bein auf das andere mit ausgestreckten Beinen. «Ich will Riesen Jetés sehen», spornt er seine Schülerinnen an und spielt die Musik ab. Die Fünf springen in der Diagonale durch den Ballettsaal. Schwebende Anmut, obwohl der Schweiss in Strömen fliesst.

Die Hälfte des Aufenthalts verbringt sie in Paris

Für Lia ist es das zweitletzte Training vor den Ferien. Nach der Stunde verabschieden sich ihre Kolleginnen mit Umarmungen von ihr. Morgen, am Sonntag, wird sie mit dem TGV nach Paris fahren. Ihre Stage, den obligatorischen vierwöchigen Auslandsaufenthalt in einer französischsprachigen Region nach der vierten Gymiklasse, verbringt die Kantischülerin zur Hälfte in der französischen Hauptstadt.

Dort wird sie zwei Wochen an der Ecole de Danse de l’Opéra national, an der Ballettschule der Pariser Oper, trainieren. Danach geht es zwei Wochen zu einer Familie nach La Chaux-de-Fonds. Gegen rund 700 Bewerber aus der ganzen Welt musste sie sich durchsetzen. 206 Teilnehmer dürfen nun an die Sommerakademie in Paris.

«Audition» in Lugano bestanden

Eigentlich hatte Lia sogar die Wahl. Miguel Steininger und seine Frau Tuija, die sie seit sieben Jahren an der Ballettschule Attitude unterrichten, fuhren mit ihr und drei weiteren Kolleginnen zu einer «Audition» nach Lugano. Dabei ging es um die Möglichkeit, an der «Summer Intensiv Bolshoi Ballet Academy» in Moskau zu trainieren. Sowohl sie als auch Céline Kost, Manuela Eugster und Emilia Steininger bestanden. Nicht alle nehmen ihre Chance wahr, schon allein aus finanziellen Gründen.

Die 26-Jährige Manuela wird im Juli und August nach Moskau an die Sommerakademie gehen. Ihre Freude ist gross. «Ich habe erst spät mit Ballett angefangen, aber habe eine grosse Leidenschaft dafür», erzählt die Maschinenbau-Ingenieurin, die zurzeit ihren Doktortitel macht.

Lia ist, seit sie als Fünfjährige mit dem Tanzen angefangen hat, völlig begeistert vom Ballett. Unterdessen trainiert sie fünf bis sechs Mal in der Woche. «Es gefällt mir, dass ich in andere Rollen schlüpfen, meine Gefühle ausdrücken und sie so verarbeiten kann. Ausserdem fasziniert mich der sportliche Aspekt, dass ich mit dem Körper arbeiten kann.»

Von klein auf mit Fleiss und Leidenschaft dabei

Ihr Lehrer bezeichnet sie als beste Schülerin seiner Schule und zeigt auf ein Foto von einer Aufführung, die vor Jahren stattfand. Lia ist die Zweite von rechts. «Schon war sie diejenige mit dem höchsten Bein und korrekter Fusshaltung», sagt Steininger, der früher selbst Tänzer war und mit seiner Frau auf den Bühnen von Bern, Luzern, St. Gallen, Nürnberg, Münster und Bielefeld klassisches Ballett tanzte. «Von klein auf wollte Lia besser werden und bewies enormen Fleiss. Man sieht, dass sie von ganzem Herzen tanzt», lobt er die 16-Jährige und hebt ihre Ausstrahlung hervor, die selten sei und die sie schon als Kind geprägt habe.

Trainer: «Andere kochen auch nur mit Wasser»

Auch Miguel Steininger hat seine Erwartungen an Lias Training in Paris: «Es ist eine grosse Chance. Ich hoffe, dass sie sie nutzt und dass sie auf dem richtigen Weg ist und Selbstvertrauen in ihre Technik hat und den Lehrern gefallen wird.» Für sie sei es wichtig zu erkennen, «dass andere auch nur mit Wasser kochen und dass sie Spass hat, mit dem, was sie gelernt hat», betont er.

Natürlich freut sich Lia Lütolf auch auf Paris. Was wird sie sich nicht entgehen lassen? «Den Eiffelturm», sagt sie – und kommt dann schon wieder aufs Ballett: «Und ich freue mich auf die schöne Umgebung, ich werde es geniessen, in einer grossen Schule zu tanzen mit so vielen Studios.»

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