Kolumne

Schwein gehabt!?

In der Kolumne «Ich meinti» macht sich Otto Leuenberger Gedanken zur Symbolik zum Jahreswechsel.

Otto Leuenberger
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Otto Leuenberger.

Otto Leuenberger.

Bild: Corinne Glanzmann

Sind Sie gehüpft, gesprungen, gerutscht oder haben Sie möglicherweise verschlafen? Haben Sie die Schwelle bemerkt, die Kante, den Übergang? Wenn da nicht alte 1.-August-Böller und -Raketen entsorgt worden wären, die Glocken zu Mitternacht geläutet, die Tischbomben, Korken geknallt und der Schampus geschäumt hätte – ich hätte kaum etwas gespürt.

Und doch, das neue Jahr ist da! Die ultimative Grenzlinie zieht ja auch nur die Uhr. Zudem kommt es auf den Kalender an. Schon die Römer oder auch die frühen Christen haben da mit dem Umschalten gewerkelt. Nimmt man den julianischen Kalender oder den gregorianischen, verschiebt sich das Ganze je nach dem. Ganz zu schweigen von den Chinesen, die im Februar feiern. Eigentlich nicht so wichtig. Hauptsache es gibt halt eine Trennlinie.

Haben Sie losgelassen, das Alte entsorgt – das vergangene Jahr? Ja gar das ganze Jahrzehnt! Wie dem auch sei, das alte Jahr war gefühlt so aufregend wie noch keines zuvor und ist nun bereits Geschichte. Loslassen, hinter sich bringen und neu anfangen. Einen inneren und äussern Hausputz.

Die Tage mit Sylvester und dem Übergang ins neue Jahr sind so unterschiedlich aufgeladen. Ein Dunst und Schleier aus Horoskopen, Bleigiessen, versetzt mit Glückssymbolen und Talisfrauen (-männer), den Schweinchen, Käfern, Hufeisen, Kleeblättern, Kaminfegern. Dann all die Hellsehenden, Auguren, Sterngucker, Propheten mit ihrem Orakeln. Was wohl im neuen Jahr alles auf uns zukommen mag?

Es ist ein uralter und unbändiger Wunsch, die Zukunft zu erkennen und vor allem zu beeinflussen. Da zerdeppern Dänen Geschirr auf der Türschwelle, oder springen von Stühlen. In Griechenland beissen die Leute auf Münzen. In Städten umarmen sich um Mitternacht Wildfremde auf Plätzen und Brücken und prosten sich zu. Nicht wenige tragen in diesen Tagen rote Unterwäsche – übrigens kann es auch gelbe sein, die dann anstatt für Liebe, Leidenschaft und Romantik einfach für Wohlstand, Reichtum und Erfolg stehen soll. Und es geht natürlich immer um das habhafte G L Ü C K.

Vorsätze haben in diesen Tagen Hochkonjunktur. Mit guten Vorsätzen die eigenen menschlichen Schwächen überwinden und hinter sich lassen. Streben nach Veränderung. Gerne vergessen wir dabei grosszügig deren Halbwertszeiten. Warum auch nicht?

Überhaupt, wahres Glück ist auch Das-Vergessen-Können. Bei null anfangen, zu Neuem aufbrechen, im ganz persönlich Kleinen. So, als wäre nichts gewesen. Alles ist möglich, auch das Scheitern. Dann halt ein neuer Versuch, spätestens beim nächsten neuen Jahr. Toll, nicht. Das Leben, ein unendlich langer Fluss mit Kehren und Biegungen. Glücklich sein aus innerem, unerfindlichem Anlass – einfach so. Mehr sein als haben.

«Wenn das alte Jahr erfolgreich war, dann freu ich mich auf das neue. Und war es schlecht, dann erst recht», sinnierte der grosse Albert Einstein erfrischend naiv-lakonisch. Oder war es Galgenhumor? Jedenfalls eine klassische Win-win-Lage. Komme es, wie es wolle, es passt. «Es guets Neu’s» – und viel «Glücklich-Sein» im 2020.

Otto Leuenberger, ehem. Leiter Freizeitzentrum Obwalden und «Jungpensionär», aus Giswil äussert sich im «Ich meinti» abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.