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SCHWINGEN: Die Obwaldner schwingen obenaus

Gemessen an den Einwohnerzahlen hat der Kanton Obwalden am meisten Schwinger. Die Gründe für die Beliebtheit sind vielschichtig.
Schwingtraining zur Abendstunde: Der Obwaldner Toni Omlin (links) und der Nidwaldner Marcel Mathis (Mitte). (Bild Eveline Beerkircher)

Schwingtraining zur Abendstunde: Der Obwaldner Toni Omlin (links) und der Nidwaldner Marcel Mathis (Mitte). (Bild Eveline Beerkircher)

Es ist eine einfache Frage: In welchem Kanton gibt es am meisten Schwinger? Man muss kein Experte sein, um die richtige Antwort zu kennen: Bern. 658 Berner Aktivschwinger verzeichnet die Hilfskasse des Eidgenössischen Schwingerverbandes in ihrer Datenbank. Das ist mehr als ein Fünftel aller versicherten Schwinger. Der Bernisch Kantonale Schwingerverband (BKSV) ist der einzige Teilverband, der nur ein Kantonsgebiet umfasst. Die Begeisterung für den Schwingsport ist im Oberland, im Seeland, im Emmental gross.

Doch die Begeisterung, sie ist im Kanton Bern nicht flächendeckend. Schwingerkönig Matthias Sempach sagt: «Die Gesellschaft verändert sich. Das Angebot für Kinder ist heute sehr gross. Ein Bub muss fürs Schwingen geboren sein.» In den Städten wird kaum geschwungen. Einen Schwingklub sucht man in der Hauptstadt vergebens. Deswegen ist Schwingen gemessen an den Einwohnerzahlen in anderen Kantonen viel populärer, wie Berechnungen unserer Zeitung zeigen. Zählt man die Aktivschwinger pro 1000 Einwohner, schwingt der Kanton Obwalden oben aus, gefolgt von Appenzell Innerrhoden, Uri, Appenzell Ausserrhoden und Nidwalden. Bern ist «nur» auf dem 10. Rang klassiert – unmittelbar hinter Luzern. In Obwalden schwingen pro 1000 Einwohner 3,83 Personen. «Das Schwingen ist bei uns sehr verbreitet und kann auf einen grossen Anhang zählen», sagt André Kiser, Abteilungsleiter Sport des Kantons Obwalden.

Schwerer Stand in den Städten

Die Statistik zeigt, dass der Schwingsport vor allem in kleinen ländlichen Kantonen weit verbreitet ist. Das ist an und für sich keine Überraschung. «Schwingen ist auf dem Land entstanden und darum dort sehr verwurzelt», meint Paul Vogel, Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV). In sämtlichen grösseren Städten sind aktive Schwinger Mangelware. Auch in Luzern. Im Vorjahr haben die Schwingklubs Luzern und Umgebung sowie Rothenburg 2000 Flyer verschickt, um auf den jährlich stattfindenden eidgenössischen Schnuppertag aufmerksam zu machen und junge Buben und Mädchen für den Schwingsport zu begeistern. «Der Rücklauf aus der Stadt war bescheiden, dennoch werden wir die Aktion in diesem Jahr wiederholen», erzählt Bruno Odermatt, Präsident des SK Rothenburg.

In jeder Gemeinde ein Schwingklub

Zurück zu Obwalden. 140 Aktivschwinger sind in den sieben Sektionen tätig – fast doppelt so viele wie im Nachbarkanton Nidwalden. Thedy Waser, technischer Leiter des Innerschweizerischen Schwingerverbandes, erklärt: «In Nidwalden wäre das Einzugsgebiet zwar gross, aber wir hatten ein paar schwache Jahrgänge.» Die Popularität in Obwalden führt er zum einen auf Aushängeschilder wie Benji von Ah und Peter Imfeld zurück. Zum anderen auf das Nationalturnen, das etwa in Kerns stark verankert ist und das auch viele junge Männer zum Schwingen zieht. Obwalden ist zudem der einzige Kanton, in dem jede Gemeinde über einen eigenen Klub verfügt. Gerade für Schulkinder ist der Weg ins Training ein wichtiges Kriterium. Je kürzer, desto besser, desto eher bleiben sie dem Sport auch im Erwachsenenalter erhalten.

Laut André Kiser ist das Schwingen einer J + S-Studie zufolge in Obwalden bei Jugendlichen nach Fussball, Lagersport/Trekking und Leichtathletik der viertbeliebteste Sport.

Lob für den SK Rothenburg

Gute Nachwuchsarbeit wird aber nicht nur in Obwalden geleistet. Thedy Waser lobt etwa den Luzerner Kantonalverband, der gezielt Werbung für den Schwingsport macht und über gute Zahlen im Jungschwingerbereich verfügt, vor allem im Entlebuch. Paul Vogel hebt speziell den Schwingklub Rothenburg hervor: «Die Basis ist stark, weil man viel für den Klub unternommen hat und viele freiwillige Helfer anlocken konnte.» Im Jahr 2013 wurde in Rothenburg eine moderne Trainingshalle errichtet, der Nachwuchs aus der Umgebung ist zahlreich. «Es braucht Freiwillige, die sich für den Sport einsetzen», meint Vogel. «Unseren Nachwuchs generieren wir vor allem aus dem beliebten Piccolo-Schwingen für 4 bis 8-jährige Buben und Mädchen», sagt Bruno Odermatt.

Westschweiz am unteren Ende

Am unteren Ende des Rankings befinden sich etliche Kantone aus der Westschweiz. Ausgerechnet dort, in Estavayer, findet Ende August das Eidgenössische Schwingfest – der Höhepunkt der Saison – statt. Der ESV erhofft sich einiges vom Anlass. «Natürlich hoffen wir auf einen Aufschwung nach dem Eidgenössischen. Doch wir wissen auch, dass die Westschweiz nie das Zentrum des Schwingsports wird», sagt Paul Vogel. Die ländlichen Gebiete der Innerschweiz, der Nordostschweiz und des Kantons Bern – sie sind und bleiben die Hochburgen des Schwingsports.

CH_Schwinger

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