Schwingerkönigin Sonia Kälin erzählte in Giswil aus ihrem Leben

Am Frauenzmorgä des Frauenforums Obwalden gab Kälin Einblick in ihren Werdegang und ihre Zukunftspläne.

Birgit Scheidegger
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Sonia Kälin am Frauenzmorgä des Frauenforums Obwalden in Giswil. (Bild: Birgit Scheidegger, Giswil, 16. November 2019)

Sonia Kälin am Frauenzmorgä des Frauenforums Obwalden in Giswil. (Bild: Birgit Scheidegger, Giswil, 16. November 2019)

Nach einem reichhaltigen «Zmorgä» und einer kleinen musikalischen Einleitung erhielten die Frauen (und auch zwei Herren nahmen am Frauenzmorgä in Giswil teil) einen Einblick in einen Sport, den die meisten zwar kennen, aber mit der Männerwelt verbinden – das Schwingen.

Sonia Kälin, bestens bekannt als vierfache Schwingerkönigin und «Frau vom Donnschtig-Jass», wuchs in einer Schwingerfamilie auf. Als ihr Bruder mit dem Sport anfing, zog es die damals 16-Jährige ebenfalls ins Sägemehl. «Das Schwingen hat bei den Frauen allerdings nicht den gleichen Status wie bei den Männern», erklärte sie an dem Anlass des Frauenforums Obwalden am Samstag. «Kritische Stimmen gab es aber erst, als ich erfolgreich wurde.»

Sie will Frauenschwingen präsenter machen

Sonia Kälin liess sich davon nicht entmutigen – ganz im Gegenteil. Sie fand Sponsoren, die sie beim Schwingsport unterstützten, und schaffte es, 2012 erstmals Schwingerkönigin zu werden. «Damals glaubte ausser dem Schwinger Martin Grab niemand daran, dass ich den Titel holen könnte. Er hat mir gut zugeredet, Tipps gegeben und an mich geglaubt», betonte Kälin.

Zwei Jahre lang wurde Sonia Kälin dann jeweils Zweite, bevor sie sich 2015, 2016 und 2017 erneut als Königin feiern liess. Zuletzt sei sie jeweils mit viel Schmerz ins Sägemehl gestiegen. Deshalb entschied sich die 34-Jährige, die beim dritten Titel die Eringer-Kuh Nina gewann und mit nach Hause nahm, schweren Herzens für den Rücktritt vom aktiven Schwingsport. Heute gibt sie ihr Wissen als Trainerin den Jung- und Aktivschwingern weiter und versucht auch, das Frauenschwingen präsenter zu machen. «Wer einmal an einem Frauenschwingfest war, der kommt wieder», ist Sonia Kälin überzeugt. «Dort sieht man von sechsjährigen Mädchen bis zu erwachsenen Frauen alles im Sägemehl.»

Auf die Frage der Moderatorin Petra Rohrer-Stimming, was sie den kleinen Jung- und Aktivschwingern mit auf den Weg gebe, musste Sonia Kälin nicht lange überlegen. «Sie müssen Freude am Sport und an der Bewegung haben. Das Frauenschwingen steckt immer noch in den Kinderschuhen, gerade deshalb wäre es wichtig, dass die Mädchen mit den Buben trainieren können.» In manchen Vereinen funktioniere dies bereits gut.

«Ich habe viel erlebt, doch nicht gelebt»

Für sie selber hat der Sport auch heute noch eine grosse Bedeutung. Allerdings: «Ich habe in den Jahren viel erlebt, doch ich habe nicht gelebt. Heute versuche ich, alles bewusster zu machen. Spontan in die Natur rauszugehen oder mal mit einer Freundin einen Kaffee zu trinken.» Die Anfrage vom Fernsehen, ob sie die Rolle der Schiedsrichterin beim Donnschtig-Jass übernehmen wolle, kam für die Lehrerin, die gerade eine neue Klasse in Einsiedeln mit 22 Schülern übernommen hatte, zwar überraschend, aber es sei «eine sehr gute Erfahrung, dabei zu sein».

Und ein neues Projekt stehe auch an, wie die Schwingerkönigin am Frauenzmorgä lächelnd verriet. «Ich habe eine Theaterrolle in Zürich angenommen.» Im nächsten Jahr will Sonia Kälin allerdings etwas weniger arbeiten. «Dann habe ich mehr Zeit für meine Eringer-Kuh Nina, die bereits vier Kälbli geboren hat», lachte die engagierte Frau.