Seefeld Park Sarnen: Umsatzeinbussen von 20 Prozent

Der Rückblick auf die Saison fällt durchzogen aus – und eine Restaurant-Pächterin gibt einen Tipp, wo man noch baden kann.

Christian Tschümperlin
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Wo am Sonntag noch Kinder ihren letzten Sprung ins kalte Nass machten und Familien wie Pensionäre die letzten Sonnenstrahlen genossen, ist nun Ruhe eingekehrt. Ruhig ist es um das Schwimmbecken in der Badi Hergiswil geworden. Mit dem Bettag ist die Badesaison traditionell zu Ende und Bademeister Leander Walker ist dabei, die Anlage einzuwintern.

Bademeister Leander Walker demontiert die Überlaufbecken.

Bademeister Leander Walker demontiert die Überlaufbecken.

Christian Tschümperlin / Urner Zeitung

«Wir spülen gerade alle Chlorleitungen mit Wasser, damit sich über die kalte Jahreszeit kein Chlor darin festsetzt», sagt der 53-Jährige bei einem Besuch unserer Zeitung. Er steht vor dem 670'000 Liter grossen Schwimmbecken, das perspektivisch direkt in den See übergeht. «Das Wasser bleibt über den Winter im Becken drin», sagt er. Würde man das Wasser nicht drin lassen, wäre die Reinigung Anfang April wegen Blättern erschwert.

Trotz der warmen Herbsttage war es in Hergiswil kein Thema, die Badesaison zu verlängern. Der Wetterbericht hat Regen prognostiziert und «die grossen Massen kommen nicht mehr», so Walker.

Spitzen-Saison blieb wegen Lockdown aus

Der Hergiswiler blickt trotz der schwierigen Rahmenbedingungen auf eine gute Saison zurück: «Ohne Lockdown wäre es eine Spitzensaison geworden, nur schon dank des Wetters», sagt er.

Bademeister Leander Walker wintert die Badi in Hergiswil ein.

Bademeister Leander Walker wintert die Badi in Hergiswil ein.

Christian Tschümperlin / Urner Zeitung

Anfang Juni wurde das Freibad im Zuge einer ersten Coronamassnahmen-Lockerung mit einem Monat Verspätung eröffnet. Erst durfte sich eine Person auf 10 Quadratmetern im Wasser und auf der Wiese aufhalten, per 24. Juni mussten noch 5 Quadratmeter Abstand gehalten werden. «Theoretisch hätten wir nach der zweiten Lockerung 700 Gäste begrüssen dürfen», sagt er. Diese Zahl habe man aber nie erreicht. «Wir haben früher gestoppt.» Dabei hätten auch mal Badegäste draussen bleiben müssen. Der Hergiswiler berichtet:

«Wütend oder ausfällig wurde nie jemand, einige haben einfach gewartet.»

Summa summarum wurden die Abstandsregeln in der Badi eingehalten. «Ich ging nicht in die Kabine, um dies zu kontrollieren», sagt Walker mit einem Augenzwinkern. Man habe alle Sicherheitsvorkehrungen wie vorgeschrieben getroffen und an die Eigenverantwortung der Leute appelliert.

Betreten verboten, Platz gesperrt – Weisungen, die seit Sonntag auf Schildern bei den Wasseranlagen des Seefeld Park Sarnen anzutreffen sind. Wie in der Badi Hergiswil sind die Abschlussarbeiten auch in Sarnen in vollem Gang. Mülleimer werden geputzt, der Badebereich wird mit Sperrband abgeschirmt, Wasserpumpen werden ausgebaut und in Revision geschickt. «Wir haben drei Wasserkreisläufe einzuwintern», sagt Christoph Hess, Chefbademeister des Seefeld Park Sarnen. Der Horwer blickt auf eine Badesaison der besonderen Art zurück. «Wir mussten insgesamt drei Schutzkonzepte umsetzen.» Volle Auslastung gab es diese Saison nie, da viele der Stammgäste zu den Risikogruppen gehören.

Markus Wahrenberger ist mit den Abschlussarbeiten Ende der Badesaison im Seepark Sarnen beschäftigt.

Markus Wahrenberger ist mit den Abschlussarbeiten Ende der Badesaison im Seepark Sarnen beschäftigt.

Bild: Nino Gisler (21. September 2020)

Trotzdem spricht Hess von einer schönen Badesaison. So konnte eine Delfinrutschbahn in einem der Planschbecken eingeweiht werden. Zudem wurden einige Kaltwasserduschen umgebaut, sodass man neu auch warm duschen könne. Das Wetter spielte vielfach mit, die Besucher, welche in grosser Zahl aus der Westschweiz kamen, hielten sich gut an Abstands- und Hygieneregeln. Um dies aufrechtzuerhalten, wurde immer wieder folgender Slogan über die Lautsprecheranlagen kommuniziert: «Mit Abstand sind Sie die besten Gäste.»

Der Planschbecken mit neuer Delfinrutsche wurde saisonbedingt wieder geschlossen.

Der Planschbecken mit neuer Delfinrutsche wurde saisonbedingt wieder geschlossen.

Bild: Nino Gisler (Sarnen, 21. September 2020)
Christoph Hess, Chefbademeister Seefeld Park Sarnen

Christoph Hess,
Chefbademeister Seefeld Park Sarnen

Nino Gisler (Sarnen, 21. September 2020)

Christoph Hess spricht von drei Konstanten, die die vergangene Badesaison besonders geprägt haben:

«Verunsicherung, Veränderung, Anpassungen.»

Das Coronavirus hat für den Seefeld Park Sarnen auch finanzielle Auswirkungen: «Wir haben Umsatzeinbussen von 20 Prozent», so Betriebsleiter Adrian Barmettler. Dies hänge damit zusammen, dass diese Saison rund ein Drittel weniger Saisonkarten verkauft wurden. Dafür konnten mehr Einzeleintritte verzeichnet werden im Vergleich zum Vorjahr.

Gastro-Angestellte müssen «Polizist» spielen

Wer sich im See abkühlen will, kann dies noch bis Ende Monat im Sarnersee tun: Das Badibeizli von Sachseln hat noch offen und rausgestuhlt. «Wir hoffen noch auf ein paar schöne Tage», sagt Restaurant-Pächterin Heidi Moser.

Sie blickt auf ein gutes, aber auch auf ein schwieriges Jahr zurück. «Die Coronamassnahmen wurden mehrheitlich gut aufgenommen, wir mussten aber immer wieder Mahnungen im Restaurant aussprechen.» Das sei streng gewesen für das Personal. «Manchmal mussten wir ‹Polizist› spielen», sagt sie und lacht.

Dieses Jahr kamen viele Schweizer am Sarnersee vorbei. «Besonders den Westschweizern schien es hier zu gefallen», sagt Moser. Da sie selber in Biel aufgewachsen ist, konnte sie mit ihrem Französisch punkten. «Aus einem ‹C’est bon?› wurden oft spannende Konversationen.» Besonders gut seien die Hamburger bei den Gästen angekommen. Nun seien die Hamburger aber bereits fast ausgegangen.