Seeräuber gehen übers Nagelbrett

Der Seeguslerball mit Kindernachmittag gehört zu den bedeutenden Terminen der Alpnacher Dorffasnacht. Dem Ideenreichtum waren einmal mehr kaum Grenzen gesetzt.

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Am Kindernachmittag der Seegusler in Alpnach waren dieses Jahr Piraten im Mittelpunkt. Für Stimmung im Zelt sorgten unter anderem die einheimischen Städerschränzer. (Bild: Markus von Rotz / Neue OZ)

Am Kindernachmittag der Seegusler in Alpnach waren dieses Jahr Piraten im Mittelpunkt. Für Stimmung im Zelt sorgten unter anderem die einheimischen Städerschränzer. (Bild: Markus von Rotz / Neue OZ)

Bevor die Kinder und Jugendlichen im Ländlerzelt ihren Piratennachmittag in Angriff nahmen, brachten Tschyfärä-Zunftmeister Thomas II. und Philipp Küng, OK-Chef des Seeguslerballs, ihre verschiedenartigen Fasnachts-Mottos unter einen Hut. «Wasser bewegt», proklamierte die Zunft – und dazu gehört wohl Dauerregen, wie er bis Samstagmittag vom Himmel prasselte. «Was d Wält nid bruicht», lautete die Devise der Seegusler. «Auf Regen können wir während der Fasnacht verzichten», meinte Küng zur aktuellen Wetterlage. Der Zunftmeister war damit einverstanden – und ab sofort fiel Schnee anstelle von Regen.

Neues bei den Piraten

Die Filmmusik zu «Fluch der Karibik» (Pirates of the Caribbean) lockte junge und jüngste Seeräuber, ihre Bräute und die Eltern ins Festzelt. Dort wurden ihnen die unvermeidlichen Narben ins Gesicht geschminkt, sie bemalten ihre Piratenhüte selber mit Totenkopf, Säbel und Dolch, absolvierten Mutproben auf dem Nagelbrett und dem Scherbenteppich – oder sie vergnügten sich in der überall beliebten Hüpfburg.

In früheren Jahren war der Kindernachmittag jeweils von einer Karaoke-Show geprägt. Corinne Amstutz vom Seegusler-OK erklärte uns, weshalb damit Schluss ist: «Das ganze Jahr gibts laufend Casting-Shows am Fernsehen. Mit dem diesjährigen Nachmittagsprogramm probieren wir deshalb etwas Neues und geben uns Mühe, die Kinder aktiv und lustvoll am Geschehen zu beteiligen.» Corinne Amstutz ist sich eines gewissen Risikos bewusst, begründete aber die Tatsache, dass das Zelt nicht ganz voll war, auch mit dem zweifelhaften Wetter. Dieses wiederum mag für die Märchenerzählerin Jolanda Steiner von Vorteil gewesen sein. Sie hatte ein proppenvolles Haus.

Auf einem Rundgang mit Philipp Küng durchs Festgelände auf dem Schulhausareal wurde deutlich, dass die Seegusler mit zahlreichen Bars, Verpflegungsstätten und Freiluft-Arenen wiederum einen riesigen Aufwand betrieben. So setzte sich am Abend die Jugend im Rundzelt «Facebook» sinnigerweise mit der Thema «was d Wält nid bruicht» auseinander, während all jene, die etwas auf dem Kerbholz hatten, im «Beichtstuhl» Zuflucht nahmen. Weshalb sich die Bauernschaft im grossen Ländlerzelt namens «Manipuliert» auch entsprechend fühlen musste, bleibe dahingestellt.

Der Imbiss «Weight Watchers» war bestückt mit zahlreichen Fritteusen für kalorienarme Ernährung, und im Zelt «Eurovision Song Contest» war nicht die Heilsarmeeband angesagt, sondern die Wiesenberger jodelten aus den Boxen. «Blitzkasten» hiess eine radarbestückte Grossbar. Dort verheimlichten die Service-Polizisten keineswegs, dass es ihnen vor allem um die Einnahmen und nicht um die Verkehrssicherheit ging. Ein weiteres halbes Dutzend origineller Zufluchtsorte und eine tolle Liveband rundeten das immense Angebot des Seeguslerballs ab.

Seegusler müssen anpacken

«Wir erledigen grundsätzlich alle Aufbauarbeiten und den Festbetrieb mit den rund 40 Mitgliedern der Seegusler. Da gibt es solche, die eine Woche Urlaub nehmen, damit bis heute Abend alles bereit ist», bekräftigte Philipp Küng

Primus Camenzind