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Kolumne

Selfie

Otto Leuenberger schreibt in seinem «Ich meinti» über einen Ausflug in die Stadt Luzern.
Otto Leuenberger
Otto Leuenberger.

Otto Leuenberger.

Was für ein Herbst: Klarsicht, Wärme, keine Nässe weit und breit! Ab auf die Berge in die Natur. Aber auch genau richtig für einen Foxtrail in Luzern. Auf Neudeutsch, eine Fuchsjagd ganz ohne Flinte und Schuss. Rätsellösend, versteckt ausgelegte Spuren suchen und auf Entdeckungstour durch die Stadt streifen. Zusammen mit Freunden auf eine Jagd der veganen und vergnüglichen Art.

Es kommt schon ein bisschen ein Fieber auf. Vor allem sind da Wege, Pfade, Strassen, Orte, die wir bei einem alltäglichen Stadtbesuch nie und nimmer betreten, gesucht, ja gefunden hätten. So was wie ein neuer Blick, eine veränderte Wahrnehmung.

Gleich um die Ecke von Menschenströmen kann es ruhig, beschaulich werden. «Was, das ist die Töpfergasse?» Eigenartig, dieses Dach, dort die Schnörkel, da der Bach, ein rätselhaftes Haus, dort Inschriften, Hinweise auf berühmte Persönlichkeiten, auf längst Vergangenes. An der Kapellbrücke fallen mir die vielen überquellenden Blumentröge in einer unglaublichen Pracht auf. Ich wundere mich und staune über den liebevollen Aufwand. Unter den teils noch verkohlten Brückenbalken jene berühmten Schaubilder, die «Plakate» einer früheren Zeit mit Botschaften und Geschichten.

Am Holzgeländer bemerke ich erstmals dieses Gekritzel, die Einkerbungen von den unzähligen Leuten. Es sind Hinterlassenschaften in einer Art von Selbstvergewisserung: «Ich war hier!» Fast so, wie unsere vierbeinigen Freunde, die ihre Duftmarken setzen müssen.

In diesem etwas anderen Modus des Unterwegsseins fallen mir auch die vielen seltsamen Gestalten mit ihren vor sich hergetragenen Smartphones, Tablets auf. Manche haben diese gar auf Stäbe montiert, weit von sich gereckt. Es wird gefilmt, fotografiert und gar mit einem unsichtbaren Gegenüber parliert.

Die Leute wirken sonderbar abwesend. Wie auf der Jagd nach dem ultimativen Bild. Oder vielleicht besser, man will einfach nichts verpassen. Und, komme was da wolle, alles für die Ewigkeit festhalten. Mir kommt der Gedanke von einem riesigen Gesamtbild, wo ein einzelnes Pixel, wieder ein Foto ist und wo dieses wieder ... und so weiter.

Das Nonplusultra finde ich die Selfies. Gelächelte Selbstportraits aus Armlänge-Distanz. Auf sich selber fixierte Aufnahmen und mit der Sicherheit einer riesigen Upload-Cloud über sich. Dort, wo alles in Kürze abgelegt, verewigt und vor allem mit allen – Betonung auf alle – geteilt werden wird. Ich fotografiere mich, also bin ich. Und das dürfen dann ruhig alle erfahren. Ich komme in Versuchung, mit meinem Handy dagegen zu fotografieren. Wie einen Spiegel hinzuhalten und zu zeigen, wie wenig schmeichelhaft man wirken kann. Anderseits denke ich, gut so, nur Mut zu menschlichen Schwächen. Ja, so ein Foxtrail, so ein besonderer Herbsttag in der Stadt.

Der Oktober hat sich verabschiedet und ich freue mich auf die Zeit danach. Es wird kalt und die Hände stecken in Handschuhen, in Taschen. Die Nebelzeit verhüllt und packt alles schleierhaft, schemenhaft in Watte.

Mystischer Zauber kann sich ausbreiten. Was für einen Genuss diese unaufgeregtere Zeit doch anbietet: das Abspeichern, die wohlige Wärme, die leiseren Tage. Das Leben zieht sich ins Kopfkino zurück. Zeit für ein Innen-Selfie. Ganz für mich alleine. Wellness für Geist und Seele.

Otto Leuenberger, ehem. Leiter Freizeitzentrum Obwalden und «Jungpensionär», aus Giswil äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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