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SERIE: Ihm ist kein Gelände zu steil

Alle 4000er der Schweiz erklimmen – das ist ein Ziel von Josef Hess. Der Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt erklärt im Steilhang, wie Chefin Doris Leuthard tickt.
Niels Jost
Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt, Josef Hess, am Klettersteig Zittergrat beim Brunni oberhalb von Engelberg. (Bild Philipp Schmidli)

Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt, Josef Hess, am Klettersteig Zittergrat beim Brunni oberhalb von Engelberg. (Bild Philipp Schmidli)

Niels Jost

Ein kurzer Spaziergang wird das nicht. So viel steht schon bei der Anfrage an den Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt fest. «Es soll schon eine gehörige Wanderung werden», schlägt Josef Hess (55) am Telefon vor. Auf eine Bergtour oder auf einen der sechs Klettersteige in Engelberg solls gehen.

Gut 100 Meter hohe Felswand

So steigen wir an einem Sonntagmorgen in eines der ersten Bähnli zum Ristis ob Engelberg. Noch liegt die nordseitige Hälfte des Tals im Schatten, der wolkenlose Himmel lässt einen Prachtstag erwarten. Mit dem Sessellift gehts direkt weiter zur Brunnihütte, neben den Härzlisee. Dort leihen wir Helm und Klettergurt aus. Die Wanderung hat noch nicht einmal begonnen, und doch ist eines bereits sicher: Josef Hess, der gebürtige Engelberger, kennt sich aus hier oben. Herzlich wird er von den Angestellten gegrüsst. Schliesslich sitzt er seit 2010 im Verwaltungsrat der Brunni-Bahnen Engelberg AG.

Nach wenigen Schritten stehen wir bereits vor der imposanten Felswand. Geschätzte 100 Meter gehts hoch zum Zittergrat. Die Armierungseisen in der Senkrechten lassen erahnen, wohin der Weg führen soll. «Ich habe schon öfter Neulinge an einen Klettersteig mitgenommen», beruhigt Hess. Nach kurzer Einführung – es müsse immer einer der beiden Karabiner vom Klettergurt am Seil an der Wand befestigt sein – gehts los. Wir gewinnen schnell an Höhe: aushacken, einhacken, aufsteigen. Wir passieren die Hängebrücke und das Brunni­stöckli. Dort erreichen uns auch die wärmenden Sonnenstrahlen.

Bauten gegen Lawinen

Nach kurzer Trinkpause machen wir uns weiter auf zum Rigidalstock. Den Wanderweg dorthin verlassen wir aber schon nach wenigen Metern. Trittsicher schreitet Hess durchs Weidland; er will uns eines seiner Projekte zeigen: die Lawinenverbauung Rigidal. Erstellt wurden die Schneerechen von 1984 bis 2002, und sie haben sich seither schon mehrfach bewährt. Ab 1989 leitete Hess dieses Projekt, dazumal noch als Abteilungsleiter Naturgefahren und Kreisforstingenieur beim Kanton Obwalden. «Damals war ich im Sommer jede Woche mindestens einmal hier oben», erzählt Hess, der nur wenige hundert Meter unterhalb der Verbauungen am «Ende der Welt», im Horbis, auf einem Bauernhof aufgewachsen ist.

Die Verbauungen sind nur eines von vielen Projekten zum Schutz vor Naturgefahren, die Hess in seiner Tätigkeit beim Kanton realisierte. Zu seinen bekanntesten dürfte wohl der Hochwasserschutz an der Sarneraa gehören, der ihn zwischen 2005 und 2009 stark beschäftigte. Nach wie vor gehören Hochwasser zu den grössten Umweltgefahren in der Schweiz, gefolgt von Steinschlägen, Murgängen, heftigen Gewittern und Erdbeben. Zu seiner Arbeit beim Kanton sagt Hess weiter: «Stolz bin ich auf die Erstellung der kantonalen Gefahrenkarte. Um dafür Grundlagen zu sammeln, besuchte ich unzählige Male Bauern an exponierten Hängen, die mir über vergangene Murgänge oder Lawinen erzählten.» Aus diesen minutiös erstellten Berichten, ergänzt mit Berechnungen und Feldbeobachtungen, entstand die immer noch gültige Gefahrenkarte.

Gespräche mit Leuthard

Die Feldarbeit vermisse er bei seiner aktuellen Tätigkeit beim Bund als Leiter der Bereiche Wald und Gefahrenprävention schon ein bisschen, gesteht Hess. «Als Vizedirektor nehme ich an vielen Sitzungen mit anderen Ämtern, Parlamentariern oder auch mit Kantonen, Verbänden und Organisationen aus der Privatwirtschaft teil. Drei von fünf Arbeitstagen sind damit schon gefüllt.» Zurzeit beschäftigt ihn etwa der Bericht Naturgefahren, der demnächst an den Bundesrat ausgehändigt wird. Alle zwei bis vier Wochen tauscht er sich zudem mit seiner politischen Chefin aus, Bundesrätin Doris Leuthard. «Die Zusammenarbeit mit ihr ist angenehm. Sie ist eine disziplinierte Frau, kennt ihre Dossiers – und kann auch mal auf den Tisch hauen.» Per Du ist er mit der «Frau Bundesrätin» aber nicht, ebenso wenig mit anderen Bundesräten, mit denen Hess gelegentlich Kontakt hat. «Das ist üblich so. Innerhalb des Amtes pflege ich aber mit den meisten Mitarbeitern das Du.»

Dennoch: Hess, Chef von 150 Mitarbeitern, arbeitet eng und gerne mit den höchsten politischen Persönlichkeiten der Schweiz zusammen. Deren Politik könne und wolle er nicht beeinflussen, jedoch ist es ihm ein Anliegen, die Parlamentarier gut zu informieren und seine Dossiers mitzugestalten.

Geschäftlich nach China

Aus seinem Büro in Ittigen BE kommt Hess meist nur an offiziellen Anlässen. Ein solcher steht ihm gleich zwei Tage nach unserer Wanderung bevor: Mit einer Schweizer Delegation (inklusive Doris Leuthard) reist er nach China, um Hochwasser-Warnsysteme mit den dortigen Behörden zu besprechen – Hess’ Spezialgebiet. Dafür reiste er schon über ein Dutzend Mal ins Reich der Mitte. Auch Brasilien, Chile, die USA oder Japan durfte er bereits geschäftlich besuchen. «Ein Privileg», so Hess. Um alle Termine wahrnehmen zu können, schläft der Alpnacher unter der Woche oft in Bern. «Als ich 2009 zum Bund wechselte, war das schon eine gewisse Umstellung.» Das Familienleben habe zu Beginn etwas gelitten. Deshalb versucht der Vater einer Tochter (19) und eines Sohnes (12), in seiner Freizeit viel mit der Familie zu unternehmen, etwa in den Bergen.

Gipfel auf 2593 Metern

Auch den mittleren Teil unserer Wanderung, der bis zum finalen Aufstieg auf den Rigidalstock führt, hat er mit seiner Familie schon bestritten. Für uns heisst es dort wieder: Helm auf, einhacken, aufsteigen. Nach dem zweiten Klettersteig über Schwindel erregende Grate erreichen wir nach gut drei Stunden den Gipfel auf 2593 Metern über Meer. Der Ausblick ist atemberaubend.

Beim Mittagessen zeigt Hess auf die umliegenden Engelberger Gipfel – er hat jeden einzelnen selber schon mindestens einmal erklommen, kann jeden beim Namen nennen. Ein persönliches Ziel hat er aber doch noch: «Ich möchte alle 4000er der Schweiz besteigen.» Das dürfte dem 55-Jährigen kaum Mühe bereiten – schliesslich fehlt ihm nur noch einer der 48 Gipfel.

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