Sie brechen eine Lanze für die Zusammenarbeit der Obwaldner Skigebiete

Von einer Zusammenarbeit von Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg profitieren alle, waren sich die Teilnehmer an einer Podiumsdiskussion einig.

Matthias Piazza
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Sie diskutierten über das Potenzial einer Verbindung dreier Tourismusgebiete (von links): Niklaus Bleiker (Projektleiter der Machbarkeitsstudie), Hanspeter Wenger (Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg), Bettina Hübscher (Präsidentin der Verwaltungskommission der Sportbahnen Melchsee-Frutt) und Norbert Patt, CEO der Titlisbahnen.

Sie diskutierten über das Potenzial einer Verbindung dreier Tourismusgebiete (von links): Niklaus Bleiker (Projektleiter der Machbarkeitsstudie), Hanspeter Wenger (Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg), Bettina Hübscher (Präsidentin der Verwaltungskommission der Sportbahnen Melchsee-Frutt) und Norbert Patt, CEO der Titlisbahnen.

Bild: Matthias Piazza (Stöckalp, 14. August 2020)

Die Zukunft liegt in der Zusammenarbeit. Am Freitagabend im Sportcamp Melchtal in der Stöckalp herrschte bei den Verantwortlichen der drei Tourismusgebiete Engelberg-Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg in diesem Punkt Einigkeit. Eingeladen zur Diskussion hatte der Verein Forum Frutt. Niklaus Bleiker, der Projektleiter der neuen Machbarkeitsstudie über eine Verbindung der drei Gebiete, sprach von steigenden Zahlen. «Sowohl die Anzahl der Skifahrer pro Tag als auch die Logierzahlen würden bei einen Zusammenschluss steigen», ist der Obwaldner Altregierungsrat überzeugt. Diesen Effekt habe man auch beim Zusammenschluss der Skigebiete Arosa und Lenzerheide festgestellt. Mehrverkehr auf den Strassen und mehr Leute auf den Pisten seien deswegen nicht die logische Konsequenz. «Der Gast würde länger bleiben, aus Tages- würden Übernachtungsgäste.»

Vier-Seen-Wanderung als Beispiel

Bettina Hübscher, Präsidentin der Verwaltungskommission der Sportbahnen Melchsee-Frutt, warnte davor, sich auszuruhen, aufgrund der guten Lage, in der sich das Unternehmen zurzeit befinde. Den Herausforderungen wie Corona oder Klimawandel müsse man sich als Unternehmen eines wetterabhängigen Business stellen. «Wir müssen überlegen, in welche Richtung es künftig geht.» Eine Zusammenarbeit, unabhängig, in welcher Form, erachte sie als zukunftsträchtig. Als gelungenes Beispiel einer Verbindung erwähnte sie die Vier-Seen-Wanderung von Trübsee zur Melchsee-Frutt.

Norbert Patt, CEO der Titlisbahnen, ist überzeugt, dass der Zusammenschluss dem Gast einen echten Mehrwert biete, auch wenn die Studie nur eine Steigerung der Anzahl Skitage von 900'000 auf 970'000 pro Saison prognostiziere. «Wenn ich um 8.30 Uhr am Trübsee bin, auf der Frutt eine Stunde später meinen Kaffee und mein Gipfeli geniesse, und nach einem Abstecher auf den Hasliberg in der Jochpasshütte mir einen Kaffee Träsch gönne, habe ich doch einen unvergesslichen Tag erlebt.» Diese Angebotserweiterung würden viele Leute schätzen, die nicht 27-mal pro Tag dieselbe Piste hinunterfahren wollten.

Auch Hanspeter Wenger, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg, sieht im Zusammenschluss einen Gewinn. «Kleine Skigebiete müssen bekannter werden. Als wunderbares Familienskigebiet brauchen wir junge Leute.» Das könne man mit einem Zusammenschluss der drei Gebiete mit einem ähnlichen Gästesegment erreichen. «Zusammen ist man immer stärker. Es geht ums Überleben in der Zukunft.»

Offene Fragen zum Verkehr

Aus den Reihen der rund 80 Zuhörer tauchten auch Fragen auf, die sich um ökologische Aspekte drehten. Bis Ende Jahr soll gemäss Niklaus Bleiker ein Verkehrskonzept vorliegen. Er könne sich für das Gebiet Melchsee-Frutt etwa ein Park-and-Ride-Konzept vorstellen. Das müsse man aber vertiefter anschauen. Ein Zuhörer wollte wissen, ob es verhältnismässig sei, für eine gut dreimonatige Wintersaison Anlagen zu bauen, von der die Wanderer im Sommer nichts hätten, ausser, dass sie unter Seilen hindurchmarschieren müssten. Das sei verhältnismässig, entgegnete Niklaus Bleiker, zumal ein Wintertourist mehr ausgebe als ein Sommertourist.

Angaben zu Kosten einer solchen Verbindung könne man zu einem solch frühen Zeitpunkt nicht machen. Jetzt liege erst eine Machbarkeitsstudie vor. In einem weiteren Schritt gelte es abzuklären, wer dieser drei Bergbahn-Unternehmen überhaupt verbindlich für einen Zusammenschluss bereit wäre. Dann würden mögliche Verbindungen unter die Lupe genommen und die Kosten geschätzt. «Vorher macht es gar keinen Sinn, über Kosten zu diskutieren», hielt Niklaus Bleiker fest.

Umweltschutzorganisationen waren aussen vor

Die Studie hatte im Vorfeld kritische Stimmen aus Umweltschutzkreisen auf den Plan gerufen. Die bescheidene Wertschöpfung könne die Naturzerstörung nicht schönreden. Vertreter solcher Kreise fehlten an der Podiumsdiskussion am Freitagabend. Moderator Dominic Dillier begründete dies zu Beginn der Diskussionsrunde damit, dass es keinen Sinn mache, solche Vertreter einzuladen, wenn es noch gar nicht um ein konkretes Projekt gehe, sondern erst die Studie diskutiert würde.

«Uns ging es darum, den verschiedenen Playern eine neutrale Plattform zu bieten, um anstehende Entwicklungen zu diskutieren. Das ist uns gelungen», sagte am Rande der Veranstaltung Walter Ettlin, Präsident des Vereins Forum Frutt. Der Verein selber wolle keine Position zur Frage eines allfälligen Zusammenschlusses beziehen.

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