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Interview

Obwaldner Staatsanwältin hat keine Angst vor heissen Eisen

Oberstaatsanwältin Esther Omlin ermittelt neu im Bündner Baukartellfall – trotz Aktenbergen im eigenen Kanton. Warum die Übernahme des skandalträchtigen Mandats für Obwalden gar eine Entlastung bedeuten könnte, erklärt die Sarnerin im Interview.
Franziska Herger
Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Polizeigebäude Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 29. Mai 2018))

Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Polizeigebäude Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 29. Mai 2018))

Die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin nimmt sich eines skandalträchtigen Falles an: Die 43-jährige Sarnerin wird als ausserordentliche Staatsanwältin die Verhaftung des Bündner Baukartell-Whistleblowers Adam Quadroni untersuchen, teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden vor kurzem mit (wir berichteten). Quadroni wirft der Polizei, unter anderem, brutales Vorgehen vor.

Es ist nicht Esther Omlins erster ausserkantonaler Fall, der Schlagzeilen macht: 2013 führte sie etwa in Zürich die Strafuntersuchung gegen Oberstaatsanwalt Martin Bürgisser, dem der damalige Nationalrat Christoph Blocher im Fall Hildebrand Amtsgeheimnisverletzung vorwarf. Und 2015 untersuchte sie, ob die Staatsanwaltschaft Aargau sich im Fall zwischen Greenpeace und den Kernkraftwerken Gösgen und Leibstadt der Amtsgeheimnisverletzung schuldig gemacht hatte.

Die Staatsanwaltschaft Graubünden bezeichnet Omlin denn auch als «erfahrene Fachperson und im Umgang mit komplexen ausserkantonalen Straffällen routiniert». Esther Omlin erzählt, warum ihr trotzdem jeder neue Fall Respekt einflösst und was ihr neues Mandat für die viel beschäftigte Obwaldner Staatsanwaltschaft bedeutet.

Esther Omlin, Sie haben ein viel beachtetes ausserordentliches Mandat übernommen. Eher Würde oder eher Bürde?

Das ist schwer zu sagen. Natürlich freut es mich, dass ich angefragt wurde. Ich gehe zudem davon aus, dass die Bearbeitung der beiden Anzeigen rund um die Verhaftung von Adam Quadroni nicht allzu aufwendig wird. Aber klar, ein Fall kann immer intensiver werden, als man denkt. Wie intensiv, ist jedoch erst klar, wenn ich in den nächsten Wochen die Akten erhalte.

Haben Sie gezögert, das Mandat anzunehmen?

Nicht lange. Da es hier um meine Amtsführung geht, kann ich solche Anfragen entscheiden, ohne die Einwilligung des Obergerichts oder der Justizdirektion einholen zu müssen. Ich weiss, wie mühsam es ist, wenn man einen ausserordentlichen Staatsanwalt sucht und nur Absagen erhält. Zudem untersuche ich nur allfällige Amtsdelikte im Rahmen der Verhaftung, also etwa Amtsmissbrauch oder ungetreue Amtsführung. Solche Delikte behandle ich schon seit Jahren immer wieder für andere Kantone. Wenn es geheissen hätte, ich solle das ganze Kartell untersuchen, hätte ich abgelehnt. Das wäre bei der Belastung unserer Staatsanwaltschaft unmöglich gewesen und hätte auch in der Freizeit nicht mehr Platz gefunden.

Sie sprechen es an – die Obwaldner Staatsanwaltschaft ist überlastet, wie dies auch der neuste Amtsbericht über die Rechtspflege wieder aufzeigt. Was bedeutet Ihr Mandat für den Betrieb in Obwalden?

Vom Aufwand her sollte es ein Nullsummenspiel werden, denn wir können der Staatsanwaltschaft Graubünden im gleichen Ausmass Fälle abgeben. Momentan laufen dazu Verhandlungen. Es handelt sich um Fälle im Wirtschaftsbereich mit einem Bezug zu Graubünden – völlig unspektakulär, aber zeitaufwendig. Für die Staatsanwaltschaft Obwalden ergibt sich also keine Mehrbelastung, sondern allenfalls sogar ein Gewinn – obwohl der Aufwand im Baukartellfall wie gesagt noch schwer abzuschätzen ist.

Die von Ihnen geführte Untersuchung hat das Potenzial, allfällige Verbandelungen zwischen Elementen der Bündner Polizei und dem Baukartell aufzudecken. Haben Sie keinen Respekt vor solch heissen Eisen?

Doch, aber ich habe vor jedem Fall Respekt, auch vor den Obwaldner Fällen. Egal, ob ein Fall gross und medienträchtig ist, jeder hat etwas Komplexes und mit jedem sind Schicksale verbunden. Aber dieser Respekt ist kein Grund, den Fall weiterzureichen wie eine heisse Kartoffel. Wenn man einen Fall machen kann, besteht durchaus eine gewisse Verpflichtung, ihn auch anzunehmen, ob er einem nun viel Freude bereitet oder nicht.

Werden Sie die Untersuchung in Graubünden führen?

Nein, den grössten Teil werde ich wohl von Obwalden aus machen. Gerade die Befragungen sollten nicht in Graubünden stattfinden, denn es geht ja bei der ausserordentlichen Untersuchung um Unbefangenheit und Unabhängigkeit. Die Betroffenen sind zudem vielleicht ganz froh, aus dem Kanton herauszukommen (lacht).

Neben Ihrer läuft noch eine weitere Untersuchung zu der Verhaftung, geführt vom ehemaligen leitenden Oberstaatsanwalt aus Zürich, Andreas Brunner. Gibt es da Überlappungen?

Nein, Andreas Brunner wird die administrative Untersuchung leiten, die Verhaftung also polizei-, staatsanwaltschafts- und regierungsintern aufarbeiten. Ich konzentriere mich auf allfällige Verstösse gegen das Strafgesetz. Ich kenne Andreas Brunner gut, er hat mich in Zürich im Fall Blocher beigezogen. Eine gewisse Zusammenarbeit wird sicher stattfinden.

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