Sie setzte zu Höhenflügen an

Auch ohne echtes Leichtathletikstadion gehörte Kläri Ulrich in den Siebzigern zu den Besten in der Schweiz. Nur eines blieb ihr verwehrt: ein Wurf über 50 Meter.

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Kläri Ulrich im Tenü des Turnvereins Sarnen. (Bild: PD)

Kläri Ulrich im Tenü des Turnvereins Sarnen. (Bild: PD)

Der 11. Juli 1973: Im Münchner Olympiastadion springt der Amerikaner Dwight Stones im Rahmen des Leichtathletik-Länderkampfes Deutschland - USA - Schweiz mit 2,31 Metern Weltrekord im Hochsprung. Riesiger Applaus brandet unter den 30 000 Zuschauern auf. Offenbar eine elektrisierende Stimmung, denn daneben bereitete sich die junge Obwaldner Speerwerferin Kläri Ulrich auf ihren nächsten Versuch vor. Sie erinnert sich: «Ich nahm Anlauf und warf den Speer auf meine neue persönliche Bestweite von 45,14 Metern. Das war das Highlight in meiner Leichtathletik-Karriere.»

Toleranter Arbeitgeber

Kläri Ulrich wurde am 7. April 1953 im Sarner Unterdorf als jüngstes von sechs Geschwistern geboren. Nach den Schuljahren in Sarnen folgte ein Welschlandaufenthalt. Danach arbeitete Ulrich bei der Landenbergdruckerei auf dem Büro. An den Wettkämpfen wurde sie immer wieder als Klara Ulrich angesagt. Sie lacht heute, wenn sie daran zurückdenkt: «Immer wieder musste ich kämpfen, dass ich richtig angesprochen wurde.»

Bei der Landenbergdruckerei hatte Kläri Ulrich in Kurt Rogger einen toleranten Chef, der sie damals für die Wettkämpfe und Trainingslager immer grosszügig von der Arbeit gehen liess.

Mädchen zogen den Kopf ein

Als 1967 der Damenturnverein Sarnen eine Leichtathletikriege gründete, fiel dem damaligen Riegenleiter Heinrich Baumeler beim Völkerball auf, dass Kläri Ulrich einen harten Ball hatte und ihre Kameradinnen jeweils den Kopf einzogen. Baumeler war sich sicher, dass er aus ihr eine Speerwerferin machen könnte. Nach dem Welschlandaufenthalt begannen die beiden bewusst zu trainieren. Bereits 1970 gelang der Obwaldnerin der Durchbruch an die nationale Spitze.

Im jugendlichen Alter von 17 Jahren wurde sie Schweizer Meisterin. Dank dieser tollen Leistung folgten vom Leichtathletikverband Aufgebote in die Nationalmannschaft der Junioren und Aktiven. Den Einstand im Nationaltrikot gab sie in Fribourg, gegen Dänemark. Da ihre Ellenbogenverletzung sich immer mehr bemerkbar machte, erfolgte 1971 eine Operation.

Überraschender 5. Rang

Die Jahre 1973 und 1974, die erfolgreichsten ihrer Karriere, wurden belohnt mit Reisen quer durch Europa. Die Europacup-Wettkämpfe in Rijeka, im Olympiastadion München und am Europacup-Halbfinal-Wettkampf in Bukarest gehörten zu den Höhepunkten. In Bukarest überraschte sie die Fachwelt mit einem 5. Rang im Weltklassefeld. Auf die damalige Weltrekordhalterin und Olympiasiegerin, Ruth Fuchs aus Ostdeutschland, verlor sie knappe 10 Meter. 1974 gelang Kläri Ulrich nach dem Start im Europacup in Syracusa, den Länderkämpfen gegen Österreich in Innsbruck und gegen Dänemark in Genf, die erfolgreiche Schweizer-Meister-Titelverteidigung in Zürich.

Vom Kampfrichter aberkannt

Der Start in die Saison 1975 erfolgte mit einem Paukenschlag. Am Eröffnungsmeeting in Aarau warf die Obwaldnerin mit 48,52 Metern Schweizer Rekord. Mit total drei SchweizerMeister-Titeln, 13 Länderkampf-Einsätzen und Starts an internationalen Meetings im Ausland beendete Kläri Ulrich Ende 1975 ihre erfolgreiche Leichtathletik-Karriere.

Ein gültiger Wettkampfwurf über 50 Meter wurde ihr in ihrer Karriere verwehrt. An den Schweizer Meisterschaften 1974 warf sie deutlich über 50 Meter. Der Kampfrichter war aber schlecht postiert und taxierte ihren Wurf als ungültig, obwohl mehrere Fachleute gegenteiliger Meinung waren. Bescheiden sagt die Sarnerin: «Kampfrichter-entscheide sind immer gültig, das muss man akzeptieren.» Zu ihren grössten Förderern zählt sie Heinrich Baumeler und den ehemaligen Schweizer Spitzen-Speerwerfer Urs von Wartburg, die sie über die gesamte Sportkarriere betreuten.

Heute lebt sie in Steinhausen

Nach Beendigung der Sportlaufbahn heiratete Kläri Ulrich Franz Häfliger und verlegte ihren Wohnsitz in den Kanton Zug, wo sie heute noch in Steinhausen an schöner Wohnlage lebt. Auch sind ihre beiden Kinder Marco (35 Jahre) und Jeanine (32 Jahre) heute nicht mehr so oft zu Hause. In der Freizeit bewegt sie sich gerne in der Natur und verfolgt das Sportgeschehen immer noch intensiv.

Franz Hess

Kläri Ulrich präsentiert ein Poster von sich. (Bild: PD)

Kläri Ulrich präsentiert ein Poster von sich. (Bild: PD)