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Alpnacher Korporation trug Jahrhunderte «Sorg zu Hab und Guäd»

Vor genau 650 Jahren haben sich die Kilchgenossen von der letzten Erbin der Freiherren von Wolhusen losgekauft. Zum Jubiläum liess die Korporation als Nachfolgerin dieses Ereignis in einem Szenenspiel in die Erinnerung holen.
Romano Cuonz
Ein geschichtliches Szenenspiel zeichnet die Entstehung der Korporation Alpnach nach. (Bilder: Romano Cuonz (Alpnach, 7. Juni 2018))

Ein geschichtliches Szenenspiel zeichnet die Entstehung der Korporation Alpnach nach. (Bilder: Romano Cuonz (Alpnach, 7. Juni 2018))

«Miär Chilchgnossä vo Alpnach wärdid das Guäd mit vil Erfurcht und grosser Wirdä verwalte und gschtaltä», versprach vor ganz genau 650 Jahren Arnold von Omisried der Gräfin Margareta von Strassberg, Freifrau von Wolhusen. Und genau dieselben Worte wiederholt im Szenenspiel vor Schlosshof und St. Michaelskapelle der Korporationsbürger Andreas Langensand. Das ganz Besondere daran: Noch heute bewirtschaftet er die «Kleinmatt», jenen Hof also, der damals «Omisried» hiess und um den es in der sogenannten «Loskauf-Urkunde» unter anderem ging. Überhaupt achtet Oski Langensand als Autor des Stücks darauf, dass in Akteurinnen und Akteure mit alten Korporationsgeschlechtern wie eben Langensand, von Atzigen, Wallimann oder Hug auf der Freilichtbühne agieren.

Autor führt durchs Stück als «Schlosshofsepp»

Höchst interessant zu wissen ist auch, wie das Drehbuch zum historischen Szenenspiel unter dem Titel «Dr Loos-Chaif» zustande gekommen ist. Zugrunde liegt ihm tatsächlich die Original-Loskaufurkunde von 1368. Glücklicherweise wird diese noch immer im Obwaldner Staatsarchiv aufbewahrt. Zurzeit allerdings kann man sie samt Original Kaufquittung im Schlosshof Alpnach besichtigen. Gemeinsam mit dem Historiker und Übersetzer Roland Sigrist lässt Oski Langensand deren Inhalt aufleben. Mit gleich sechs Sprechrollen verleiht er ihm farbige Konturen und eine markige Sprache. Ja, der Autor, der auch Regie führt, schlüpft gleich selber in eine Rolle, mimt den Abwart «Schlosshofsepp» und führt das Publikum so als Erzähler aus heutiger Perspektive durchs und mitten ins höchst historische Geschehen.

Ein wunderschönes Bild an diesem lauen Abend. Der Alpnacher Schlosshof und die kleine Kapelle daneben ragen in den teils wolkigen Himmel. Und plötzlich erscheint der Abwart Schlosshofsepp. Aufgeregt ist er wie selten. So richtig geschäftig. Denn: «Präzyys hit vor 650 Jaar hend sich Chilcher vom Hochadel vo der letschte Gräfin z Wolhuse loskaift!» Damals habe Alpnach ganz anders ausgesehen: bis zum Mueterschwandenberg Feuchtgebiete und Sümpfe. Zum Pilatus und zum Guber hin dichter Wald, dazwischen einzelne Höfe. Besitzer der Güter waren Adlige von Strassberg zu Wolhusen. Weil diese zusehends mehr in Geldnöte gerieten, ergriffen einige Alpnacher Kilchgenossen die Gelegenheit beim Schopf ... die beredte, mit wilder Gestik illustrierte Schilderung des Erzählers bricht jäh ab. Ciril Spichtig in mittelalterlicher Montur sorgt für einen Trommelwirbel. Aus den Fenstern des Schlosshofes lässt die Clairongarde fanfarenhafte Klänge erschallen.

Der Junker führt die sichtlich nicht mehr so gesunde Gräfin zum Verhandlungstisch.

Der Junker führt die sichtlich nicht mehr so gesunde Gräfin zum Verhandlungstisch.

Die beiden Alpnacher Bauern (Andreas Langensand und Simon Niederberger) – im Hirthemd, barfuss und mit «Tschifärä» am Rücken – bleiben erstaunt stehen, schauen zu, wie die edle Gesellschaft, mit der sie einen Handel abschliessen wollen, aufmarschiert: Gräfin Margareta von Strassberg (Susanne Wallimann), Junker Walter Von Grünenberg (Martin Hug), Vogt Hermann Wisse zu Wolhusen (Jörg Wallimann) und dem Schreiber (Marco von Atzigen) samt Pergament, Tintenfass und Federkiel. Und jetzt, wie die Bauern zu Tisch gebeten werden, spielt sich der alte Handel nochmals ab. Getreu der Überlieferung, ausgeschmückt mit dem einen oder andern Gag. Eben alles so, wie es sich tatsächlich abgespielt haben könnte

Zuschauer wurden zu Zeugen ernannt

Der Höhepunkt des Szenenspiels unter freiem Himme: Der «Schlosshofsepp» ruft das ganze Publikum – und einzelne Zuschauer gar namentlich – als Zeugen des Handels auf: «Ich habe euch ja gesagt, dass ihr ein wichtiges Amt habt. Mitgegangen, mitgefangen!» Und so sind denn die vielen Zuschauer ganz Ohr, wenn die Alpnacher «Chilcher» der hochadligen Gesellschaft mit einer echten Gräfin an der Spitze ein paar Hektaren Land für alle Zeiten abkaufen und dies feierlich besiegeln. Dass die Korporation Alpnach dieses Erbe bis heute – genau wie die beiden Bauern es vor 650 Jahren hochheilig versprachen – mit viel Ehrfurcht und grosser Würde verwaltet, belegte am Schluss der spannenden Geschichtsstunde ihr Präsident Walter Hug. Und er lud alle zum Apéro und dazu ein, die Geburtsstunde mit der Korporation dieses Wochenende nochmals aufleben zu lassen und so richtig zu feiern.

Der Vogt Hermann Wisse (Jörg Wallimann) präsentiert die eben unterzeichnete Urkunde, links von ihm der Schreiber (Marco von Atzigen).

Der Vogt Hermann Wisse (Jörg Wallimann) präsentiert die eben unterzeichnete Urkunde, links von ihm der Schreiber (Marco von Atzigen).

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