SKI ALPIN: Es fehlt wenig zum grossen Ziel

Priska Nufer gelingt in dieser Saison ein Quantensprung. Ausreichend Motivation für die 24-jährige Speed-Spezialistin aus Alpnach, die Messlatte in Zukunft deutlich nach oben zu korrigieren.

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Kämpft verbissen um den Anschluss an die Weltspitze: Priska Nufer aus Alpnach. (Bild: Jonathan Hayward/Keystone (Lake Louis, 4. Dezember 2016))

Kämpft verbissen um den Anschluss an die Weltspitze: Priska Nufer aus Alpnach. (Bild: Jonathan Hayward/Keystone (Lake Louis, 4. Dezember 2016))

Roland Bucher

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Wer in diesen Tagen mit Priska Nufer per WhatsApp in Kontakt tritt, sieht die junge Alpnacher Skirennfahrerin auf dem Profilbild gemütlich bei einem Austritt auf dem Pferd. «Nein, nein», sagt die Obwaldnerin mit einem Lachen, «ich habe das Metier nicht gewechselt. Aber die letzten Tage in Zauchensee waren wettermässig derart unbeständig, dass wir den Trainingsalltag auflockern mussten, um die gute Laune im Team hoch zu halten.»

Gemütlich mit dem Ross über die Weiden zu traben, nein, sagt Nufer, das verschiebe sie auf später. Ihr aktueller Ritt auf den Speed-Ski soll die Obwaldnerin so schnell als möglich an die Weltspitze führen. «Ich weiss, dass ich das Rüstzeug dazu besitze», meint die 24-Jährige selbstbewusst. Recht hat die 1,63 Meter grosse und 64 Kilogramm schwere B-Kader-Fahrerin von Swiss-Ski durchaus: Mitte Dezember gelang ihr in Val d’Isere mit Rang 12 im Super-G das mit Abstand beste Ergebnis ihrer bisherigen Weltcup-Karriere, die mittlerweile nun doch schon vier Jahre dauert. In Anbetracht des 16. Platzes in der Abfahrt von Lake Louis wird im Skiclub Alpnach von einem Quantensprung gesprochen. «Das waren jene Resultate, die ich so dringend gebraucht habe, um definitiv zu spüren, dass ich auf dem richtigen Weg bin», bilanziert Nufer den bisherigen Saison­verlauf.

Verletzungspech in der Vorsaison

Der Weg, der für die ehrgeizige junge Frau stets nach oben zeigte, bekam im Frühwinter 2015 Gräben und Furchen. Beim Abfahrtstraining in Val d’Isere erlitt sie bei einem Sturz schwere Prellungen im Brustbereich, brach sich das Nasenbein und renkte sich das Schlüsselbein aus. «Die Verletzungen waren schmerzhaft, aber nicht von arger Natur», beschwichtigt Nufer, «aber die Blockade war nicht so einfach aus dem Hinterkopf zu verdrängen.»

Spätestens beim Weltcup- Final auf Lenzerheide bewies sie indes mit guten Leistungen, dass sie sich nicht unterkriegen lässt. «Ich wusste, dass ich einen neuen Anlauf nehmen werde und mir alle Möglichkeiten offenliegen.» Und so ist es: 54 Weltcup-Punkte hat die Obwaldnerin in dieser Saison bereits auf ihrem Konto verbuchen können. Wichtiger ist: «Ich kann in den Trainings im Quervergleich mit Corinne Suter abschätzen, dass mir wenig fehlt, um mein grosses Saisonziel zu knacken.» Und das ist eine Rangierung in den Top Ten.

Sie, die an der Sportmittelschule in Engelberg das KV absolvierte und von Didier Cuche schwärmt («Er hat immer ein gutes Wort auf Lager – auch für uns junge Fahrerinnen»), zeichnete ihre ersten Spuren am Fusse des Pilatus in Alpnach in den Schnee: «Skifahren war bei uns Familiensache.» Peter, der Papa, war als Langläufer und Alpiner auf der Mörlialp eine feste Grösse, die Mama stand mit heissem Tee am Pistenrand. «Ich hatte früh den Ehrgeiz, mindestens gleich schnell wie meine Geschwister die Hänge runterzuflitzen.»

Immer mit beiden Beinen auf dem Boden

So drängte sich die wagemutige Alpnacherin bald für höhere Aufgaben auf, kletterte die Kader­hierarchien hoch, ohne jemals abzuheben: Sie lebe nicht in einer Fantasiewelt, betont Priska Nufer. Das Motto, das sie durch Karriere und Leben begleite, heisst: «Hiä ond jetzt.» Ausgedeutscht: einfach und bodenständig, erpicht darauf, das, was sie an sportlichem Talent geschenkt bekommen hat, optimal zu verwerten. Und präzis formuliert: «Im Weltcup einmal aufs Podest fahren.» Podestplätze? «Ja», gesteht sie, «irgendeinmal will ich aufs Podest. Ernten, wofür ich hart arbeite und kämpfe. Und es wäre fantastisch, einmal einen grossen Titel holen zu können.» Zukunftsmusik eben. «Wenn meine Karriere einmal beendet ist, will ich sagen können: Priska, du hast das Beste aus dir herausgeholt.» So, wie es sich für eine Sportlerin eben gehört, die aus kräftig-knorrigem Obwaldner Holz geschnitzt ist.