SKI FREESTYLE: Die Sturheit ist sein goldener Weg

Als Junior war Fabian Bösch ein erfolgreicher Slalomfahrer. Dass der Engelberger jetzt WM-Gold im Slopestyle gewinnt, erstaunt ihn selber.

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Bereits als dreijähriger Knirps hüpfte er durch den Schnee. (Bild: pd)

Bereits als dreijähriger Knirps hüpfte er durch den Schnee. (Bild: pd)

Der junge Engelberger feiert seine Goldmedaille. (Bild: Darko Bandic)
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Der junge Engelberger feiert seine Goldmedaille. (Bild: Darko Bandic)
Der australische Silbermedaillen-Gewinner Russel Henshaw, Goldmedaillen-Gewinner Fabian Bösch aus Engelberg und der Bronzemedaillen-Gewinner Noah Wallace aus den USA feiern ihre Erfolge am Mittwoch in Kreischberg, Österreich. (Bild: BARBARA GINDL)
Der junge Engelberger feiert seine Goldmedaille. (Bild: BARBARA GINDL)
Der junge Engelberger feiert seine Goldmedaille. (Bild: Darko Bandic)
Der australische Silbermedaillen-Gewinner Russel Henshaw, Goldmedaillen-Gewinner Fabian Bösch aus Engelberg und der Bronzemedaillen-Gewinner Noah Wallace aus den USA feiern ihre Erfolge am Mittwoch in Kreischberg, Österreich. (Bild: BARBARA GINDL)
Freestyle Ski and Snowboard World Championships 2015 in Kreischberg (Bild: BARBARA GINDL)
Freestyle Ski and Snowboard World Championships 2015 in Kreischberg (Bild: BARBARA GINDL)
Freestyle Ski and Snowboard World Championships 2015 in Kreischberg (Bild: BARBARA GINDL)
Fabian Bösch in Action. (Bild: BARBARA GINDL)
Freestyle Ski and Snowboard World Championships 2015 in Kreischberg (Bild: BARBARA GINDL)
Fabian Boesch (Bild: Darko Bandic)
Fabian Bösch während des Wettkampfs. (Bild: Darko Bandic)
Fabian Boesch (Bild: Darko Bandic)
Bild: Keystone
Fabian Bösch während eines Wettkampfs vor einem Jahr zur Qualifikation für Olympia. (Bild: Keystone)
Fabian Bösch während eines Wettkampfs vor einem Jahr zur Qualifikation für Olympia. (Bild: Keystone)
Die Familie des Slopestyle-Weltmeisters Fabian Bösch (links). (Bild: PD / Familie Bösch)

Der junge Engelberger feiert seine Goldmedaille. (Bild: Darko Bandic)

Claudio Zanini

Fabian Bösch traute seinen Augen nicht, als er am späten Mittwochabend nach seinem Weltmeistertitel auf sein Handy schaute: Über 190 neue Whats-App-Nachrichten, unzählige unbeantwortete Anrufe und SMS. «Das ist sehr schön, und ich werde auch versuchen, möglichst viele davon zu beantworten», so der 17-jährige Engelberger am Tag nach dem Gewinn der Goldmedaille im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Rummel um seine Person ist gross. «Ich renne zurzeit von Termin zu Termin», sagt Bösch. Mit den Teamkollegen des Schweizer Freestyle-Teams habe man den Erfolg gebührend gefeiert. Ausufernd war die Party dann aber doch nicht, mussten doch vier Freestyle-­Athleten am Folgetag den Final in der Halfpipe in Kreischberg/Murau (Ö) bestreiten (siehe Seite 30).

Fabian Bösch liess den Slopestyle-Final noch einmal Revue passieren. «Ich habe nach dem verpatzten ersten Lauf schon ein wenig gezweifelt, ob ich die Geschwindigkeiten richtig einschätzen kann.» Von der Unsicherheit liess er sich im zweiten Lauf aber nicht beirren. «Ab dem Start habe ich nicht mehr daran gedacht und war voll fokussiert.» Das Ergebnis seines Nicht-daran-Denkens ist bekannt: Bestmarke von 92,60 Punkten und die Goldmedaille schon vor seinem dritten Lauf auf sicher.

Vom Slalom zum Freestyle

Als Junior hatte Böschs Karriere bereits viel versprechend angefangen jedoch im alpinen Skifahren. 2011 wurde er als 14-jähriger Schweizer Juniorenmeister im Slalom. Im selben Jahr klassierte er sich an den inoffiziellen Schüler-Weltmeisterschaften in Italien, den so genannten Topolino-Rennen, auf dem zweiten Rang im Riesenslalom. 2011 war aber auch das Jahr, in dem er die Sportart wechselte und Freestyle-Skifahrer wurde. «Ich glaube, Ski alpin ist mir zu strikt in eine Richtung geregelt», erklärt Bösch seine Entscheidung. «Im Training wird dir genau gesagt, was du zu tun hast.» So hatte Bösch schon nach seinen Slalom-Trainings hie und da Schanzen neben der Piste gebaut, um darüberzuspringen.

Die fehlende Kreativität fand er dann im Freestyle-Sport. «Viel mehr Freiheiten» habe er beispielsweise, was die Gestaltung der Übungseinheiten betreffe. «Im Freestyle kann man selbst bestimmen, welche Tricks man übt. Und es gibt eigentlich kein Training, in dem du nicht etwas Neues ausprobierst.» Hinzu kommt das Trampolin-Springen, welches ein wichtiger Bestandteil der Übungseinheiten ist. «Ich hatte schon immer riesigen Spass an den Trampolins», sagt Bösch und schmunzelt. Dennoch würde es ihn manchmal wieder reizen, wenn er den Skirennfahrern zuschaue. «Es ist schon auch cool, aber es war mit Sicherheit ein richtiger Entscheid zu wechseln.» Seine Sturheit zahlte sich aus: Dass er in der Sportart, die er erst seit vier Jahren ausübt WM-Gold gewinnt, verblüfft ihn selbst. «Ich bin eigentlich sehr überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut klappt», sagt Bösch. Ausserdem sei die Medaille auch eine Genugtuung nach dem frühzeitigen Olympia-Out in Sotschi. «Dieses Ausscheiden hat mich insofern genervt, da Sotschi eine grosse Bühne war. Wir Freestyler wollten uns dort von unserer besten Seite präsentieren.» Und dafür betreibt der Engelberger Sportgymnasiast enormen Trainingsaufwand. Nebst dem Stundenplan widmet Bösch auch einen grossen Teil seiner Freizeit dem Sport. Am liebsten geht er biken oder fährt Skateboard. «Das sind Hobbys, die mir auch enorm viel für das Skifahren bringen.» Ausserdem hört er viel Musik, grösstenteils amerikanischen Rap und Reggae.

Empfang geplant

Grosse Freude über die Goldmedaille herrschte auch in Engelberg. «Es ist immer schön, wenn einer unserer Athleten sein gestecktes Ziel erreicht», sagt Eskil Läubli, Geschäftsführer der Sportmittelschule Engelberg. Solche Erfolge würden sich positiv auf andere Sportschüler auswirken. «Bei Athleten, die noch nicht so weit oder verletzt sind, können diese Erfolge Energie freisetzen.»

Vor knapp einem Jahr wurde eine andere Engelbergerin mit Vergangenheit an der Sportmittelschule geehrt: Dominique Gisin kehrte mit Abfahrts-Olympiagold von Sotschi nach Hause. Gemeindepräsident Martin Odermatt kommt ins Schwärmen: «Es ist etwas Einmaliges, wenn man Weltmeister und Olympiasieger im Dorf hat.» Die Obwaldner sind daran, einen Empfang zu planen definitiv war bis gestern Abend aber noch nichts. Gemeinde und Skiclub würden etwas für «Fäbu», wie Fabian Bösch im Dorf genannt wird, auf die Beine zu stellen. Der Rummel um den Weltmeister wird vorerst eher nicht abnehmen. Schon gar nicht, wenn er heute im Verlauf des späteren Nachmittags in Engelberg erwartet wird.

Hinweis

Mehr zur Freestyle-WM auf Seite 30.

Als 13-jähriger Slalomfahrer gewann Bösch den Grand-Prix-Migros. (Bild: Archiv Neue LZ)

Als 13-jähriger Slalomfahrer gewann Bösch den Grand-Prix-Migros. (Bild: Archiv Neue LZ)

Nur die Schnittwunde im Gesicht erinnert an den misslungenen ersten Lauf: Fabian Bösch zeigt strahlend seine WM-Goldmedaille. (Bild: freshfocus)

Nur die Schnittwunde im Gesicht erinnert an den misslungenen ersten Lauf: Fabian Bösch zeigt strahlend seine WM-Goldmedaille. (Bild: freshfocus)