SKI NORDISCH: «Eine coole Schanze für weite Sprünge»

Pascal Kälin aus Einsiedeln hat den «First Jump» auf der neuen Engelberger Schanze unter Flutlicht gemacht. Die Premiere eine Woche vor den beiden Weltcup-Skispringen ist gelungen.

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Eindrücklich: Pascal Kälin saust am Samstagabend die renovierte Engelberger Sprungschanze hinunter.Bilder: Philipp Schmidli (Engelberg, 10. Dezember 2016)

Eindrücklich: Pascal Kälin saust am Samstagabend die renovierte Engelberger Sprungschanze hinunter.Bilder: Philipp Schmidli (Engelberg, 10. Dezember 2016)

Für Pascal Kälin war es gemäss eigener Aussage eine «riesige Ehre», als erster Athlet von der umgebauten Skischanze in Engelberg zu springen. Allerdings musste der eben diplomierte Primarlehrer zugeben, «dass ich schon recht nervös gewesen bin».

Oben auf der Startposition liess sich der 23-Jährige ziemlich viel Zeit, bis er losfuhr. Der Rückenwind war der Grund. «Ich entschied mich darum, einen längeren Anlauf zu nehmen», sagte Kälin. Von der höheren Position aus startete er dann und fuhr über den steilsten Anlauf des Weltcups in Richtung Schanzentisch.

Ein Steigerungslauf in drei Sprüngen

Er habe sich enorm gefreut, den «First Jump» zu machen. Vor lauter Aufregung dürfte dem Athleten, der in Engelberg vor drei Jahren seinen ersten Weltcup-Punkt gewann, das Empfinden kurzzeitig abhandengekommen sein. Auf alle Fälle wusste Pascal Kälin später nicht mehr, wie sich der erste Absprung anfühlte. «Der Moment ist verloren gegangen», meinte er. Doch es ging alles gut, als er gestern Abend um Punkt 17.04 Uhr absprang und nach acht Sekunden in der Luft souverän landete.

Allerdings hätte sich Kälin einen weiteren Sprung als jenen über knapp 90 Meter gewünscht. Der Schwyzer steigerte sich aber bei den zusätzlichen zwei Versuchen deutlich; 110 Meter und schliesslich beachtliche 125 Meter weit flog er den Aufsprunghang hinunter. Kälin hätte sich gleich beim ersten Start einen solchen Satz gewünscht. Trotzdem nimmt er von dieser einzigartigen Premiere «eine grosse Motivation» mit für die beiden Weltcup-Springen vom nächsten Samstag und Sonntag (siehe Kasten). «Als Erster hier zu springen, gibt mir definitiv viel positive Energie.»

Besonders der Anlauf hat Kälin sehr gefallen. Der Radius sei länger und dadurch «viel rhythmischer als bei der alten Anlage. Das macht es auch einfacher, das Timing beim Absprung zu finden. Das war bisher deutlich schwieriger hier, zumindest für mich.» Speziell an der neuen Titlis-Schanze sei, dass sie ein Stück höher sei von der Flugkurve her. «Das ist cool und bietet die Möglichkeit, weit zu springen.» Wie weit kann es bei den weltbesten Athleten nun in Engelberg gehen? Kälin: «Wenn einer wie Kamil Stoch in Lillehammer einen Supersprung macht, dann sind hier 145 Meter möglich.»

Der Engelberger OK-Präsident Ernst von Holzen erwartet sogar noch längere Sätze in den Kunstschnee: «Schön, dass es uns gelungen ist, den besonderen Charakter der Naturschanze zu erhalten. Durch den leicht geänderten Anlauf und die angepasste Geometrie beim Aufsprung sind aller Voraussicht nach weitere Sprünge und sanftere Landungen möglich. Wir sind alle gespannt, ob es auf die 150 Meter zu gehen wird.» Für von Holzen und die gesamte Organisation des grössten Wintersportanlasses der Zentralschweiz ist auch von Bedeutung, «dass wir den Neubau der Schanze unter 3 Millionen Franken abschliessen können». Das war die Budgetobergrenze für dieses aufwendige Projekt.

Die Anlaufspur wird nächsten Samstag leuchten

Für die TV-Direktübertragung vom ersten Weltcup-Nachtspringen aus Engelberg musste die Flutlichtanlage aufgerüstet werden. Fast alles klappte gestern bei der Einweihung. Die neue visuelle Attraktion, die beleuchtete Anlaufspur, funktionierte noch nicht. Medienchef Peter Schmidli beruhigte: «Mit dem Weltcup-Tross kommt nächste Woche der slowenische Spezialist nach Engelberg. Er drückt drei Knöpfe, dann wird die Spur in den gewünschten Farben leuchten.»

Fazit: Die Hauptprobe mit dem Einweihungssprung ist gelungen. Die Weltcup-Stars können auf der neuen Titlis-Schanze springen.

Daniel Wyrsch

Albin Amstutz (kniend), der Chef der Engelberger Titlis-Schanze, erklärt Besuchern die Umbauarbeiten, die ausgeführt wurden.

Albin Amstutz (kniend), der Chef der Engelberger Titlis-Schanze, erklärt Besuchern die Umbauarbeiten, die ausgeführt wurden.