SKIUNFALL AM TITLIS: «Mehr als absperren kann man nicht!»

Hätte der Tod des Freeriders im Titlisgebiet verhindert werden können? Nein, sagt ein Experte. Wer Signalisa­tionen missachte, sei im Unrecht.

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Heinz-Walter Mathys: «Wer abseits der Pisten unterwegs ist, geht bewusst Risiken ein.» (Bild pd)

Heinz-Walter Mathys: «Wer abseits der Pisten unterwegs ist, geht bewusst Risiken ein.» (Bild pd)

Ein 30-jähriger Snowboarder aus Italien ist am vergangenen Donnerstag am Titlis tödlich verunglückt. Er war abseits der Piste im Gebiet Steinberg in eine Gletscherspalte gestürzt. Der Berner Staatsanwalt Heinz-Walter Mathys, Präsident der Schweizerischen Kommission für Unfallverhütung auf Schneesportabfahrten (SKUS), unterstreicht, dass jeder, der die Pisten verlässt, die Verantwortung für sein Tun selber trägt.

Die Piste auf Gletscher am Titlis ist auf der ganzen Länge durch ein Seil mit schwarz-gelber Markierung begrenzt. Haben die Titlisbahnen genügend unternommen, um Unfälle wie jenen vom Donnerstag zu verhindern?

Heinz-Walter Mathys: Ja, denn mehr als mit einem Seil dem Skifahrer die Grenze der Piste aufzeigen kann man nicht. Gemäss den SKUS-Richtlinien sind auf Gletschern alle Abfahrten seitlich zu begrenzen.

Das Gebiet Steinberg scheint heikel zu sein, ist doch bereits vor einem Jahr ein schwedischer Snowboarder gestorben.

Mathys: Wer die Piste beim Klein Titlis verlässt und über das Gebiet Steinberg abfährt, weiss: Ich befinde mich in hochalpinem Gelände auf dem Gletscher mit entsprechenden Gefahren. Und mit den Absperrungen zeigen die Titlisbahnen, dass, wer die Piste verlässt, die Verantwortung alleine auf sich nimmt.

Wäre es nicht angebracht, angesichts der beiden tödlichen Unfälle mit einer Abschrankung wie einem Netz oder einem Zaun gar nicht erst zu ermöglichen, die Piste zu verlassen?

Mathys: Das wäre weder verhältnismässig noch zuzmutbar. Wir wollen nicht, dass die Skipisten zu Autobahnen werden. Zudem ist der Einsatz von Netzen oder Zäunen im hochalpinen Gelände nicht unproblematisch. Sie können beispielsweise durch Stürme umgeweht oder zerstört werden und Verletzungen verursachen.

Eine Abschrankung drängt sich auch nicht auf, wenn weiter unten Absturzgefahr besteht? Der Schwede ist ja über einen Eisabbruch gestürzt.

Mathys: Nein. Wer abseits der Piste auf einem Gletscher unterwegs ist, geht eigenverantwortlich und bewusst Risiken durch Gletscherspalten oder Gletscherabbrüche ein.

Interview von Geri Wyss

Das ausführliche Interview lesen Sie in der Neuen Obwaldner Zeitung vom Mittwoch.