Kolumne

Sofa statt See

Franziska Herger schreibt in ihrem «Blitzlicht» über die Gefahren des schönen Wetters.

Franziska Herger
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Uns droht ein sonniges Wochenende. Der April schert sich keinen Deut darum, dass wir eine Pandemie durchleben, und lockt mit lauen Temperaturen nach draussen. Und wir dürfen nicht, oder genauer, nur mit Vorsicht. Spaziergänge sind ja bekanntlich erlaubt. Aber was, wenn hundert Personen rein zufällig am gleichen Seeufer entlang spazieren wollen? Wenn da jeder zwei Meter Abstand vom anderen halten will, ist der Spiessrutenlauf programmiert.

Die Behörden überschlagen sich derweil mit Warnungen, sich doch bitte weiter an die Massnahmen zu halten. Mit Recht – die Krise dauert an – und wohl auch mit berechtigter Sorge, dass Herr und Frau Schweizer bald nicht mehr zuhören könnten. Corona zeigt, wie Menschen ganz verschieden auf Weisungen reagieren. So traf ich auf einem kürzlichen Spaziergang am See drei verschiedene Gruppen von Teenagern, die wohl noch nie von Social Distancing gehört hatten. Und einen Mann mittleren Alters, der alle ankeifte, die zu zweit unterwegs waren, obwohl sie vielleicht unter demselben Dach leben.

Fairerweise: Die Balance zwischen Panik und dringend nötiger Vorsicht ist in Zeiten täglich neuer Informationen nicht einfach zu finden. Und als eingefleischte Pessimistin finde ich Appelle an den gesunden Menschenverstand etwas ... optimistisch. Aber ich appelliere jetzt trotzdem: Wenn Sie dieses Wochenende unbedingt raus wollen – der Wald ist auch schön, je einsamer, desto besser. Und das Sofa ist auch nicht ohne. Dahin habe ich mich dann auch verzogen.