Pro & Contra

Soll das Schwimmbad Sonnenberg in Engelberg verlegt werden?

Am 27. September entscheidet Engelberg, ob das Schwimmbad beim Sonnenberg bleiben oder beim Sporting Park neu gebaut werden soll. Der Engelberger Statthalter und Finanzchef Seppi Hainbuchner argumentiert gegen Hansjörg Bucher von der IG Pro Sonnenberg.

Drucken
Teilen

Pro: «Den nächsten Generationen kein finanzielles Loch hinterlassen»

Sepp Hainbuchner

Sepp Hainbuchner

PD

Wir stehen kurz vor der Abstimmung, ob das Schwimmbad am jetzigen Standort verbleiben oder an den Standort Sporting Park verlegt werden soll.

Wohl hat eine Volksabstimmung im Jahre 2012 dem Gemeinderat den Auftrag erteilt, die Schwimmbadanlage vom bisherigen Standort Sonnenberg in den bestehenden Sporting Park zu verlegen. 2014 wurde ein Projekt und vier Jahre später ein Projektierungswettbewerb abgelehnt. Zudem wurden eine Einzelinitiative sowie eine Petition eingereicht, die verlangten, dass die Badeanlagen am bisherigen Standort verbleiben soll. Vor diesem Hintergrund hat sich der Gemeinderat entschlossen, eine erneute Abstimmung durchzuführen, an welcher ausschliesslich die Standortfrage ein für alle Mal geklärt werden soll.

Im Rahmen der weiteren Planung und den Reaktionen aus der Bevölkerung ist der Gemeinderat von der Idee abgekommen, den «Sonnenberg» zu veräussern, wie dies 2012 noch in Aussicht gestellt worden war. Vielmehr soll dereinst auf dem idyllischen Areal eine attraktive Freizeitanlage für Familien und Feriengäste entstehen.

Um dieses Schwimmbad geht es: Sonnenberg in Engelberg.

Um dieses Schwimmbad geht es: Sonnenberg in Engelberg.

PD

Bisher haben sich vor allem Befürworter des aktuellen Standortes zu Wort gemeldet. Ihre Argumente betonen nostalgische Aspekte und den Standort des Schwimmbades. Was in der aktuellen Diskussion ganz eindeutig zu kurz kommt, sind die finanziellen Aspekte.

Aus finanziellen Überlegungen muss der Verlegung des Schwimmbades in den Sporting Park klar der Vorzug gegeben werden. Die höheren Erträge, welche zu erwarten sind, betragen 210'000 Franken pro Jahr. Die personellen und weiteren Ressourcen, welche beim Standort Sporting Park genutzt und somit eingespart werden können, betragen nochmals 240'000 Franken jährlich. Dazu kommt noch die hohe Reduktion der Heizkosten für das Hallenbad, da die Abwärme der Eishalle im Sporting Park genutzt werden könnte. Somit schneidet der Standort Sporting Park finanziell jedes Jahr um rund 450'000 Franken besser ab als der Sonnenberg. Und dies bei gleichem Schwimmbadangebot, das an beiden Standorten entstehen soll.

Auch vor dem Hintergrund der Coronakrise müssen wir davon ausgehen, dass die bisherigen Gewinne in der Gemeinderechnung aus heutiger Sicht so bald nicht mehr möglich sein werden. Aus all diesen Überlegungen ist der Einwohnergemeinderat Engelberg zum Schluss gekommen, dass er den nächsten Generationen nicht einen Betrieb hinterlassen darf, der ihnen erwiesenermassen ein beträchtliches finanzielles Loch bescheren wird.

Contra: «Keinen kulturlandfressenden Neubau»

Hansjörg Bucher, IG Pro Sonnenberg

Hansjörg Bucher, IG Pro Sonnenberg

PD

Die IG Pro Sonnenberg setzt sich für den Erhalt der Badeanlage am Sonnenberg ein und ist gegen die Verlegung der Schwimm- und Freizeitanlage in den Sporting Park. Die Badeanlage wurde im Jahr 1929 als «erstes beheizbares Freiluftbad in der Schweiz» erbaut und galt als touristische wie auch technische Innovation. Schon damals war den Erbauern bewusst, dass es nur wenige Standorte in Engelberg gibt, die genügend windstill und sonnig für ein Freibad sind.

Der Standort Sonnenberg bietet vielfältige Vorteile: Die Anlage befindet sich auf einer weitläufigen Parzelle, die bereits der Gemeinde Engelberg gehört. Die bestehende Anlage kann nachhaltig saniert und aufgewertet werden. Im Gegensatz dazu müsste, um das Bad im Sporting Park realisieren zu können, wertvolles Kulturland aufgegeben werden. So schrieb ein Engelberger treffend: «Wir sind es, die bestimmen, ob und wofür wir die Schönheit und die landwirtschaftlichen wie die touristischen Qualitäten unseres Tals opfern wollen. Für die Zerstörung einer ideal gelegenen Badeanstalt zu Gunsten eines kulturlandfressenden Neubaus in zugiger Ebene sicher nicht!»

Der Gemeinderat von Engelberg möchte die Badeanlage aus finanziellen Überlegungen in den Sporting Park integrieren. Die IG Sonnenberg zweifelt stark an den vorgelegten Zahlen. Es gibt keinen Grund, weshalb ein Bad im Sporting Park mehr Besucher anlocken sollte als ein Bad im Sonnenberg. Im September 2018 war ein Wettbewerbskredit zur Projektierung und Sanierung des Sporting Park von den Stimmbürgern abgelehnt worden. Dies deshalb, weil viele die Badeanlage im Sonnenberg erhalten wollten und nicht an die Realisierung des Projekts Sporting Park mit Hallenbad glaubten.

Das Gesamtprojekt birgt Unsicherheiten: Das jetzige Bad bietet ein 25-Meter-Innenbecken, ein 50-Meter-Aussenbecken, Sprungtürme und vielfältige Spiel- und Freizeitmöglichkeiten. Wie das Bad bei einer Verlegung in den Sporting Park aussehen würde, ist hingegen weitgehend unklar.

Fakt ist: Die räumlichen Verhältnisse sind beschränkt. Die angestrebte Verlegung des Schwimmbades verhindert nicht nur sinnvolle Ausbauschritte im Bereich des Wassersportes, sondern ebenso bei den bestehenden Anlagen im Sporting Park. In noch viel höheren Masse verhindert sie eine langfristige Unterhalts- und Ausbauplanung sämtlicher Sport- und Freizeitanlagen.

Mehr zum Thema