Soni ist erklärter Liebling der Sachsler Familie Gasser

Es gab eine Zeit in Samira Gassers Leben, da tat sie aus Angst vor Hunden keinen Schritt allein aus dem Haus. Kuriert hat sie ein Bolonka Zwetna namens Soni.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen

Hund Soni liegt auf der Terrasse im Schatten auf der Seite und rührt sich nicht. Offensichtlich ist auch ihm heiss. Nicht lange hält sein teilnahmsloser Zustand an. «Herrchen» Roly Gasser kehrt von der Arbeit nach Hause zurück. In den Bolonka Zwetna kommt urplötzlich Leben, mit heftigem Schwanzwedeln zeigt er seine unbändige Freude übers Wiedersehen, so, als liege das schon ewig zurück. Auch Herrchens Begrüssung fällt entsprechend herzlich aus.

Soni, ein Bolonka Zwetna, wurde zum Therapiehund für Samira Gasser (Zweite von rechts), hier mit Vater Roly, Schwester Sheila und Mutter Ruth.

Soni, ein Bolonka Zwetna, wurde zum Therapiehund für Samira Gasser (Zweite von rechts), hier mit Vater Roly, Schwester Sheila und Mutter Ruth.

Bild: Marion Wannemacher
(Sachseln, 15. August 2020)

«Soni ist nicht nur einfach ein Haustier, er ist Teil unserer Familie, unser fünftes Familienmitglied», hält Sheila, die jüngere Tochter der Gassers aus Sachseln, fest. Die 17-Jährige hat mit dem Hund, als er vor fünf Jahren ins Haus kam, die Hundeschule absolviert und ihn trainiert.

Hunde lösten bei Tochter Samira schwere Panikattacken aus

Soni (Bolonka Zwetna) wurde zum Therapiehund für Samira Gasser (schwarzes T-Shirt), hier mit Schwester Sheila.

Soni (Bolonka Zwetna) wurde zum Therapiehund für Samira Gasser (schwarzes T-Shirt), hier mit Schwester Sheila.

Bild: Marion Wannemacher
(Sachseln, 15. August 2020)

«Eigentlich ist er unser Therapiehund», findet ihr Vater. Mutter Ruth Gasser-Gehriger nickt zustimmend. Es gab eine Zeit, als die ältere Tochter Samira unter Panikattacken litt, sobald sie einen Hund zu Gesicht bekam. «Eigentlich erinnere ich mich daran gar nicht mehr so gut, vieles weiss ich vom Erzählen der anderen», sagt die 18-Jährige. «Was ich aber noch weiss, ist, dass ich mich nicht mal allein zu einer Kollegin getraut hab, wenn ich abgemacht hatte.» Die Mutter musste mitkommen, kein Zustand für ein selbstständiges Mädchen. «Was genau diese Panik bei ihr ausgelöst hat, wissen wir eigentlich gar nicht», sagt Ruth Gasser.

Die Eltern erinnern sich allerdings noch gut an eine Begebenheit, als die Tochter auf dem Heimweg von der Schule eine für sie unheilvolle Begegnung mit einem Hund hatte. «Sie warf das Velo in der Nachbarschaft beim ehemaligen Hotel Belvoir in den Garten und rannte heim. Später erkundigte sich der besorgte Nachbar bei uns, ob mit ihr alles in Ordnung sei», erzählt Roly Gasser.

Beinahe-Unfall brachte das Fass zum Überlaufen

Doch nicht dieses Erlebnis sei ausschlaggebend gewesen dafür, etwas gegen die Angstzustände der Tochter zu unternehmen. «Einmal sprang Samira vor lauter Panik wegen eines Hundes vor ein Auto», berichtet Ruth Gasser. Glücklicherweise habe die Autolenkerin das Steuer geistesgegenwärtig herumreissen können, sodass das Mädchen unverletzt davonkam.

Die Eltern beschlossen, ihre Tochter mit einem wohlerzogenen Blindenhund zu konfrontieren, um ihr die Angst zu nehmen. Die Begegnung war für sie in Ordnung, «ansonsten ging es so weiter», erzählt Samira. Man beschloss, einen eigenen Hund anzuschaffen. Ein Border Collie sollte es sein. «Der war anfänglich ganz lieb und herzig», erinnert sich Samira. Doch schon bald habe er Eigenarten entwickelt, mit denen sie nicht zurechtgekommen sei. «Er sprang auf mich zu, sprang auf mein Bett und fing an zu schnappen, ich fing an, mich vor ihm zu verstecken.»

Soni wurde zum Therapiehund für Samira Gasser.

Soni wurde zum Therapiehund für Samira Gasser.

Bild: Marion Wannemacher
(Sachseln, 15. August 2020)

Die Eltern besprachen mit dem Züchter ihr Problem. Dieser nahm den Hund anstandslos zurück. Ein Ferienhund, der für eine Woche gehütet werden sollte, brachte Samira auf die Barrikaden. Die Eltern blieben hart. «Keine Stunde später lagen die beiden mit dem Hund am Boden und spielten begeistert mit ihm», erzählt die Mutter von ihren Töchtern.

Soni eroberte sofort die Herzen aller im Sturm

Dass auch Samira den Ferienhund schliesslich vermisste, machte den Eltern Mut, doch noch einen Hund anzuschaffen. Auch Sheila, die in der Zwischenzeit diverse Kurse an einer Hundeschule mit den Chihuahuas einer Bekannten absolviert hatte, wünschte sich ein eigenes Tier. Mutter Ruth sah in deren Nagelstudio in Sachseln ein Bild von Soni an der Wand. «Sonis ursprüngliche Besitzerin aus der Ostschweiz hatte sich ein Schosshündchen gewünscht, was er ganz und gar nicht ist», erzählt Ruth Gasser schmunzelnd. In der Sachsler Familie eroberte das Jungtier dagegen die Herzen im Sturm.

Erziehung stand nun auf Sonis Stundenplan. Die blieb vor allem an der Familienfrau hängen. «Eigentlich hätte ich mir alles andere vorstellen können, nur nicht das», erzählt sie. Eine Knacknuss sei vor allem gewesen, aus Soni einen leinenführigen Hund zu machen. «Das hiess vor allem, immer wieder stehen zu bleiben und Richtungswechsel vorzunehmen. Ich weiss nicht ... Wenn mich damals jemand beobachtet hat, der hat sich sicher auch gefragt, was macht die da?», erzählt sie lachend. Geholfen habe ihr der Hund im Gegenzug, die Schmerzdepression nach einer schweren Schulteroperation zu überwinden. Das tägliche Laufen und Sonis Art taten ihr gut.

Die konsequente Erziehung auch in allen anderen Bereichen hat sich bezahlt gemacht: Soni lässt sich heute gut abrufen und hört (allermeistens) aufs Wort. Roly Gasser begleitet er bei Bergläufen und allgemein beim Joggen. Ruth Gasser geht morgens und abends mit ihm Gassi.

Und wie geht es Tochter Samira heute? «Vor Hunden habe ich immer noch Respekt», erzählt sie, «aber keine Panik mehr.» Was ist Soni für sie persönlich? «Mein Knuddelbär, ich hab ihn einfach gern.»

Mehr zum Thema