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Melchtal: Das Sportcamp soll endlich schuldenfrei werden

Eine Entschuldungsaktion soll das Sportcamp im Melchtal finanziell entlasten. Die Korporation will dazu aber erst das Volk befragen: Ende Monat findet eine Konsultativabstimmung statt, um später nicht ein Nein zur Rechnung zu riskieren.
Markus von Rotz
Das Sportcamp im Melchtal hat sich finanziell zuletzt gut entwickelt. Im Bild Lagerteilnehmer beim Ballspiel im Sportcamp. (Bild: PD)

Das Sportcamp im Melchtal hat sich finanziell zuletzt gut entwickelt. Im Bild Lagerteilnehmer beim Ballspiel im Sportcamp. (Bild: PD)

«In Frage kommt die ganze Bandbreite über (Teil-)Vermietung, (Teil-)Auslagerung bis hin zu einer (Teil-)Stilllegung.» Das schrieb unsere Zeitung 2006 zur Situation des Sportcamps im Melchtal. 2004 hatte die Korporation Kerns, die auch die Sportbahnen auf Melchsee-Frutt betreibt, das frühere Truppenlager der Armee für 220000 Franken abgekauft. Nach dem ersten Jahr mit einer Viertelmillion Franken Verlust bei 12000 Übernachtungen zog sie die Notbremse, reduzierte die Anzahl Betten und zog einen Touristikexperten hinzu.

Zwölf Jahre und 3,8 Millionen Franken an Investitionen später ist das Sportcamp heute zwar noch nicht über den Berg, aber die Ausgangslage ist um einiges besser. Davon zeugen aktuell um die 37000 Logiernächte pro Jahr und ein Gesamtertrag von jährlich 1,5 Millionen Franken. Längst für mehr als nur für Sportliches wird das Barackendorf zwischen dem Melchtal und der Stöckalp jahraus, jahrein bevölkert: Guuggenmusig-Anlässe, Hochzeiten, Vereins- und Firmenanlässe, Sportevents, Schullager und anderes mehr.

Jährliche Zinslast soll wegfallen

Und trotzdem: In den vergan­genen zehn Jahren schrieb das Sportcamp regelmässig zwischen 80000 und 200000 Franken Verlust. Nun will die Korporation einen Schnitt machen. Der Vorschlag des Korporationsrats lautet: Zum einen soll ein internes Darlehen des korporationseigenen Kleinkraftwerks von 4 Millionen Franken erlassen werden. Zum andern will man auf der Campinfrastruktur einmalig 3,2 Millionen Franken abschreiben. «Mit diesen zwei Massnahmen befreien wir das Camp von der Zins- und Abschreibungslast und bringen den Jahresverlust weg», sagt Korporationspräsident Markus Ettlin. Der Verlust war schon 2017 nur mehr halb so gross wie in den Vorjahren, weil die Korporation interne Darlehen nur mehr zu einem halben Prozent verzinsen lässt. Ettlin sieht darin kein Problem: «Auf der Bank müssten wir für dieses Geld Zins zahlen, und würde das Sportcamp selber extern Geld aufnehmen, müsste es einen höheren Zins zahlen als bei uns.» Mit andern Worten: Die Korporation kommt intern zu Einnahmen, die sie sonst nicht hätte. «In der Gesamtrechnung ist das dann allerdings ein Nullsummenspiel», sagt Ettlin.

Noch sind dies erst Vorschläge. Der Korporationsrat will an der Gemeindeversammlung vom 27. November eine Konsultativabstimmung durchführen. Warum dieser Umweg? Ettlin begründet das so: «Wir möchten, bevor wir diesen Abschluss machen, die Meinung der Besitzer erfahren. Sollte es eine grosse Opposition geben, würde sonst später allenfalls die Rechnung nicht genehmigt.» Das wolle man nicht riskieren, auch wolle man transparent informieren.

«Das Sportcamp hat sich als Betrieb der Korporation fest integriert und ist nicht mehr wegzudenken», schreibt der Korporationsrat in seinen Unterlagen. Die aktuell rund 37000 Logiernächte pro Jahr seien «ein guter Wert», sagt Ettlin, aber es gebe Potenzial nach oben. Um das auszuschöpfen, habe man im Frühling ein Strategiepapier für die nächsten fünf Jahre verabschiedet. «Dieses sieht ein Wachstum vor, allerdings ein moderates.» Teil der Strategie ist auch die Absicht, das Camp weiter auszubauen. «Doch spruchreife Pläne dafür gibt es nicht», betont Ettlin.

Das Zauberwort dafür ist eine noch bessere Auslastung der 600 Betten. Denn finanziell arbeitet man heute definitiv besser als in den Anfangszeiten. Die Personalkosten für die zehn Vollstellen (24 Personen, inklusive Personen auf Abruf) belaufen sich – abhängig von der Auslastung – auf 600000 bis 650000 Franken pro Jahr oder jährlich um die 40 Prozent des Gesamtertrags. Der Ertrag pro Logiernacht liegt bei 22 Franken. «Wir haben die Preise dieses und letztes Jahr leicht angehoben und überprüfen sie laufend», sagt Ettlin. Allerdings sei das insbesondere bei Grossgruppen schwierig wegen vieler Mitbewerber. Chancen sieht er bei Tiefpreisangeboten im Zusatzgeschäft: «Immer mehr Leute wollen nicht mehr selber kochen und insbesondere das Frühstück serviert erhalten.» Verblieb zwischen 2008 und 2011 nach Abzug des Personalaufwands noch rund eine halbe Million Franken als Ertrag, stieg diese Summe in den vergangenen Jahren auf um die 900000 Franken an. «Das Personalmanagement ist besser geworden», sagt Ettlin. Und nicht zuletzt sei man dank einem sehr guten Geschäftsführer und topmotivierten Mitarbeitern mit viel Herzblut auf einem guten Weg.

Auch ein Motor für die Sportbahnen

Jährlich würden im Sportcamp Billette der Frutt-Bahnen im Wert von 200000 bis 250000 Franken verkauft, betont Markus Ettlin. Das Camp sei damit auch ein wichtiger Motor für die Sportbahnen, im Sommer und im Winter. «Die Gäste kämen wohl nicht auf die Frutt, wenn sie nicht hier übernachten würden.» Zudem konsumierten sie auf der Frutt sicher auch etwas. Liegt da nicht die Frage auf der Hand, ob die Sportbahnen das Sportcamp übernehmen sollten? Ettlin reagiert überrascht. «Das wurde noch nie andiskutiert.» Schliesslich seien die Bahnen als Transportunternehmen und das Camp als Beherbergungs- und Gastrobetrieb zwei grundverschiedene Betriebe.

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