Ständerat Erich Ettlin: «Ich habe viel Verständnis erhalten»

CVP-Ständerat Erich Ettlin will nicht Bundesrat werden. Im Interview erzählt er, wie er zu seiner Entscheidung gekommen ist.

Interview: Martin Uebelhart
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 Erich Ettlin.

 Erich Ettlin.

Der Obwaldner CVP-Ständerat Erich Ettlin hat gestern bekannt gegeben, auf eine Bundesratskandidatur für die Nachfolge von Doris Leuthard zu verzichten. Er sei nach wie vor sehr motiviert, den Kanton Obwalden auch in Zukunft im Ständerat zu vertreten und wolle sich im kommenden Jahr zur Wiederwahl stellen, schreibt der 56-jährige Steuerexperte in einer Medienmitteilung. Wir haben uns mit Erich Ettlin über seine Entscheidung und die Gründe dafür unterhalten.

Erich Ettlin, Sie sind im Vorfeld Ihrer Entscheidung unter anderem als Mitfavorit und Geheimtrumpf gehandelt worden. Vergeben Sie sich mit Blick auf die Ausgangslage innerhalb Ihrer Partei und die Regionen nicht eine einmalige Chance?

Wenn man unbedingt Bundesrat werden will, dann vergibt man sich bestimmt eine Chance. Ich habe nach einer sorgfältigen Abwägung entschieden, dass ich gerne weiterhin als Obwaldner Ständerat und in meinem Beruf tätig sein möchte.

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Entscheidung?

Ich habe viel Verständnis erhalten, auch von jenen Personen, die mich in den vergangenen Wochen motiviert und unterstützt haben.

Mit wem haben Sie vor Ihrer Entscheidung gesprochen?

Ich habe natürlich mit meiner Familie, mit Freunden und mit Parteikollegen gesprochen.

Wie hat ihre Familie reagiert?

Verständnisvoll. Mit meiner Frau und meinen beiden Kindern hätte ich ja insbesondere dann intensiv sprechen müssen, wenn ich eine Kandidatur angestrebt hätte. Man muss sich ja auch bewusst sein, dass eine Wahl in den Bundesrat ein wahnsinniger Einschnitt ist. Es gibt ein Leben vor der Wahl und es gibt ein Leben nach der Wahl. Das ist nicht das Gleiche.

Wie sehr stellt man sich die Frage, ob man dem Bundesratsamt auch gewachsen wäre?

Das fragt man sich sofort. Und da muss man auch eine gewisse Demut an den Tag legen. Ich habe das Gespräch gesucht mit Leuten, die eine Eignung abschätzen können, und habe da auch die ehrliche Antwort erhalten, dass man mir das zutrauen würde. Zudem misst man sich auch an seinen eigenen Anforderungen, wie man ein solches Amt ausüben möchte.

Haben Sie einen gewissen Druck verspürt, für den Bundesrat zu kandidieren?

Ich habe keinen grossen Druck gespürt. In den vergangenen Tagen ist er wohl etwas gestiegen und es ist eine gewisse Dynamik entstanden, weil sich das Feld der CVP-Kandidaten immer mehr lichtete und ich gerade auch aus dem eidgenössischen Parlament viele Rückmeldungen erhalten habe, die mich zu einer Kandidatur ermunterten.

Haben Sie in den Tagen vor der Entscheidung gut geschlafen?

Ich konnte schon schlafen, aber bin etwas früher erwacht als sonst und etwas später eingeschlafen. So eine Entscheidung trifft man einmal im Leben. Das ist eine aussergewöhnliche Situation und diese beschäftigt einen schon.