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STALDEN: Alptheater ist «cheibä scheen»

Die Premiere des Alptheaters war ein voller Erfolg. Im «Feissen Rössl am Schwandersee» lachte das Publikum Tränen und liess sich berühren.
Mit Inbrunst wird auf dem Schönenböldli im Alpentheater von Beppi Baggenstos und Stefan Wieland gesungen. (Bild Marion Wannemacher)

Mit Inbrunst wird auf dem Schönenböldli im Alpentheater von Beppi Baggenstos und Stefan Wieland gesungen. (Bild Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

«Es ist manchmal bitterbös – aber sehr unterhaltsam», sagt Edith Ettlin aus Kerns. Sie gehört zu den Stammgästen bei Beppi Baggenstos. Vom «Feissen Rössl am Schwandersee» hat sie sich schon in der Pause eine Meinung gebildet: «Es ist witzig!»

Liebesgeschichte ist geblieben

Diese Meinung teilen wohl die meisten: Im Publikum wird herzhaft gelacht, bei den mitreissenden Liedern des Singstücks mitgeklatscht, und in sentimentalen Szenen lässt sich gar ein verstohlenes Naseschneuzen vernehmen. «Wir haben bewusst den Kern des Musicals, die Liebesgeschichte, behalten», sagt Beppi Baggenstos. Die Emotionen kommen trotz überhöhter Klischees und parodistischer Elemente an. Die Zuschauerseele darf mitleiden und sich über ein glückliches Ende freuen.

Bewusst lässt Baggenstos die Wand der Bühne zum Tal zunächst offen. Die bunte mit dem Traktor angekarrte Schauspielertruppe hängt rechteckige Elemente ein. So entsteht die Front des Wirtshauses. Die Seiten der Bühne bleiben offen. Im Spiel wird die Landschaft mit einbezogen: Die «Touristen» lustwandeln in der echten Natur.

Wirtin Josy (überzeugend Annemarie Wieland) erwartet ihren Lieblingsgast, den Zürcher Rechtsanwalt Dr. Siedler (hervorragend Hannes Büeler). Dem Meisterknecht Poldi (Peter Loup geht völlig in seiner Rolle auf) ist ihre Schwärmerei für diesen ein Dorn im Auge. Denn er ist selbst schon lange in die Wirtin verliebt. Ausgerechnet der Gegenspieler von Siedlers Mandant, der Walliser Lampenfabrikant Abgottsporn (Lukas Walpen mit grosser Spielfreude und echtem Walliserdeutsch), logiert ebenfalls mit Frau (Margrit Walpen) und der schönen Tochter Ottili (Rosmarie Strahberger) im Gasthaus. Abgottsporn schliesst mit Siedler einen vermeintlichen Pakt, um seine Tochter Ottili an den Sohn des Gegenspielers Sigismund Schutzheimer (Pit Bucher, zum Schreien komisch) zu verheiraten. Doch Siedler, der es selbst auf Ottili abgesehen hat, erobert deren Herz im Sturm. Sigismund findet sein Glück in der Tochter des Naturforschers Bandwurm (Glois Blättler), Klärli (Svenja Läubli), und Josy kann ihr Herz am Ende doch noch für Meisterknecht Poldi erwärmen.

Gespickt mit lokalen Anspielungen

Beschwingt, leicht und unterhaltsam kommt sie daher, die «Obwaldnerette» von Beppi Baggenstos und Stefan Wieland, gespickt mit allerlei lokalen Anspielungen. Allein ein halbes Jahr hat Wieland investiert, um die Musik des – so Wieland – «ersten modernen Musicals» für die «Obwaldner Huismuisig» umzuschreiben. Herausgekommen sind charmante Lieder in Abwandlung der bekannten Evergreens à la Wiener Blut. Peter Berchtold am Akkordeon, Norbert Kiser an der Trompete, Erwin Läubli an der Tuba sowie Violonistin Larissa Bohner setzen sie gekonnt um.

Eine Meisterleistung ist, was Wieland mit Stimmbildung aus den Laienstimmen der Schauspieler herausholt: Auch wenn keine extremen Höhen oder Tiefen zu erwarten sind, gesungen wird mit Inbrunst. Das gilt auch für die schauspielerische Leistung. Beides berührt. Massenauftritte bei den Liedern setzen Akzente im Geschehen, machen Tempo und geben dem Stück Struktur. Zuweilen kommt bei allem Klamauk eine Besinnlichkeit auf, die unter die Haut geht: «Wenn der Herrgott nid will, de nitzts gar niid», singen die Schauspieler, als Knecht Poldi aus verschmähter Liebe den Gasthof verlassen will. «Mach kei Krach, nimm diä Sach, wiä sie daliid.»

Baggenstos, wie man ihn kennt

Das «Feisse Rössl am Schwandersee» ist ein Baggenstos, wie man ihn kennt: da «fliegt» ein Rega-Heli über die Kulisse, ein Kart rollt auf die Bühne. Auch die abgenutzten Klischees reizen noch zum Lachen: Ein gar so herziges männliches Liebespaar in bunten Lederhosen (köstlich gespielt von Tobias Aufdermauer und Christian Eberli), der Walliser Gast, der sofort nach Fondue verlangt, der Stotterer Sigismund, der als Schatz eine Freundin mit Sprachfehler findet. Und da sie ja durchaus positiv dargestellt werden, bleibt auch kein bitterer Nachgeschmack.

An einem Sommerabend auf einer Alp mit derartiger Aussicht: Da kann sich jeder amüsieren. «Im Unterwaldnerland gahd allerhand, cheibä scheen!» Für drei Jahre wollen Baggenstos und Wieland hier oben auf dem Schönenböldli ihr Alptheater geben. Viele Fronstunden vieler Hände stecken hinter dem Projekt. Dem Zuschauer unter dem massiven Zeltdach ists wohl, Gutes aus der Region gibt es in der Alpbeiz.

Warum nicht wiederkommen im nächsten Jahr? Eine Idee gibt es schon: «Der Giger auf dem Miststock – nach dem Musical Anatevka», verrät Baggen­stos.

Hinweis

Alle 26 Aufführungen sind ausverkauft. Wenige Restplätze hat es noch auf telefonische Anfrage. Mehr Infos unter www.alptheater.ch

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