STALDEN: Das weisse wird zum feissen Rössel

Im Alpentheater von Beppi Baggenstos gehts hoch her. Sänger und Musiker mästen ihr extra «Feisses Rössel am Schwandersee» nach Noten.

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Beppi Baggenstos (vorne Mitte) und Stefan Wieland (vorne rechts) im Kreis der Theatertruppe. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Beppi Baggenstos (vorne Mitte) und Stefan Wieland (vorne rechts) im Kreis der Theatertruppe. (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

«Wenn es hier mal richtig regnet, ja dann regnet es sich ein.» Wer kennt es nicht, dieses tropfenrhythmische Lied als Finale im ersten Akt der weltberühmten Operette «Im Weissen Rössel am Wolfgangsee». Beppi Baggenstos und seine Crew hatten dieser Tage – hoch ob dem Weiler Stalden in ihrem «Alpentheater» – keine Mühe, den richtigen Rhythmus für den Gassenhauer zu finden. Auch hier regnete es bei unserem Besuch seit Tagen. Bindfäden! Und in Mundart tönt das dann so: «Wenn äs hiä so richtig schiffed, ja de schiffäd äs sich ii.» In der Tat: Die Truppe um Regisseur Beppi Baggenstos und Musiker Thomas Wieland plant diesen Sommer einen Grossangriff auf das traditionelle «Weisse Rössel am Wolfgangsee».

Auf dem Schönenbödeli wird das Nobelrestaurant zur Alpbeiz, wird Wirtin Josepha Vogelhuber zur Beizerin Josy und Oberkellner Leopold zum Meisterknecht Poldi. Nur den See, den gibt es dort oben zwischen hohen Wettertannen wohl nicht? «Abwarten», sagt Regisseur Beppi Baggenstos, «auch da lasse ich mir etwas einfallen, ganz in der Manier, wie ich mit Dingen, die scheinbar unlösbar sind, umgehe!» Noch will er aber sein Geheimnis keinesfalls verraten.

Die Evergreens aus dem «Weissen Rössel» tönen in der Mundart von Beppi Baggenstos vielleicht etwas urchiger. Dabei sind sie aber mindestens ebenso eingängig wie im Original (siehe Kasten). Baggenstos verspricht: «Auch wenn das Salzkammergut definitiv zum ‹Unterwaldnerland› wird, die einzigartige Musik entfaltet ihre Wirkung hier wie dort.» Schlichtweg ein kleines Kabinettstücklein ist es, wie Musiker Stefan Wieland das im Original vorgesehene Sinfonieorchester ersetzt. «Das Arrangement für die ‹Obwaldner Huismuisig› mit vier Instrumenten war eine Herausforderung, aber ich glaube, dass wir eine gute und interessante Lösung gefunden haben», verrät er.

Aufspielen werden Peter Berchtold (Akkordeon), Norbert Kiser (Trompete), Larjssa Bohner (Violine) und Erwin Läubli (Tuba). Eine weitere Challenge: «Für die 13 Laiensolisten durften die Lieder weder zu hoch noch zu tief sein.» Auch dieses Problem sei inzwischen gelöst. Und weil bereits leidenschaftlich geprobt wird, tönt es nun zwischen Ziegen und Kühen wie im Herzen Österreichs zur kaiserlich-königlichen Zeit. Alle singen sie: Die bekannten Solos von Sigismund oder Klärli gibt es. Oder die Duette mit Josy und Poldi. Und im Chor singen einfach alle rund 20 Mitwirkenden mit.

Wer dabei ist, ist auch begeistert

«Die Stimmung ist hier himmelblau trotz grauem Himmel», schmunzelt Baggenstos. Annemarie Wieland (Bäuerin Josy) schränkt ein: «Einzig dass ich so garstig sein muss zu Poldi, tut mir im Herzen weh!» Und Peter Loup als Knecht Poldi sagt: «Seit Jahren spiele ich Theater, und nun wird mein Wunsch, in einem Stück zu singen, endlich erfüllt.» Natürlich könne er punkto Figur mit Peter Alexander nicht konkurrieren, aber ein Charmeur sei er auch. «In meinen Adern fliesst Österreicher Blut, deshalb freue ich mich ganz besonders», schwärmt Rosmarie Strahberger, die die Tochter des Unternehmers aus dem Wallis spielt. Dass ihr Lieblingslied «ä Walzer sii muäss», geht für sie voll auf.

Es soll ein grünes Theater werden

«Mit meinem Alp-Sommertheater lege ich grössten Wert auf ökologische Nachhaltigkeit», betont Theatermacher Beppi Baggenstos. Wie sich das auswirkt? Zuerst heisst das, dass die ganze Infrastruktur von den Mitwirkenden in Fronarbeit selber aufgebaut wird. Dazu gehören Tribüne und Zelt, so konzipiert, dass Zuschauer und Spieler bei jedem Wetter am Trockenen sind. Wichtig ist Baggenstos, dass pro Aufführung weniger als 100 Zuschauer da sind. Niemand fährt im eigenen Auto auf die Alp. Ab Stalden verkehrt ein Shuttlebus. «Auch was in der gemütlichen Alpbeiz gegessen und getrunken wird, darf nicht weiter als 25 Kilometer herreisen», fordert Baggenstos. «Damit wollen wir das einheimische Gewerbe unterstützen, welches unserem Projekt seinerseits mit grossem Wohlwollen begegnet.»

Romano Cuonz