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STALDEN: Ehepaar saniert Haus und macht erstaunliche Entdeckung

Paul und Mathilde Burch investieren lieber in ihr Haus als ins Altersheim. Zum Glück. Ohne sie wäre ein Stück Dorfgeschichte im Verborgenen geblieben.
Christoph Riebli
Sie bewohnen ein Objekt von regionaler Bedeutung: Paul (92) und Mathilde Burch (84) in ihrer Stube im Haus Stalden (Jahrgang 1760). (Bilder Corinne Glanzmann)

Sie bewohnen ein Objekt von regionaler Bedeutung: Paul (92) und Mathilde Burch (84) in ihrer Stube im Haus Stalden (Jahrgang 1760). (Bilder Corinne Glanzmann)

«Ich sehe es noch genau vor mir», sagt Paul Burch. Er zeigt mit seinem Laufstock auf einen beschrifteten runden Stein aus Griechenland, der von Tassen aus Syrien, einer chinesischen Vase, einem Saiteninstrument aus Kathmandu und mindestens hundert ähnlichen Objekten umgeben ist. Ganz nebenbei erklärt er, weshalb Griechenland heute aus so vielen Inseln besteht – es geht dabei um Tektonik. Dann beschreibt er den Raum, in dem er den Stein gekauft hat. Höchstens einige Tage alt scheinen diese Erinnerungen an Kreta zu sein. Tatsächlich sind seither schon viele Jahre vergangen. «Er erlebt es immer wieder, wenn er davon erzählen kann», sagt seine Frau Mathilde. Ihr Mann kenne noch sämtliche ihrer Reiserouten, welche die beiden bis vor etwa zehn Jahren regelmässig um die halbe Welt führten.

Namensgeber für Weiler Stalden

Sie ist inzwischen 84 Jahre alt, er 92. Beide leben sie noch selbstständig in ihrem über 250-jährigen Haus nahe der Pfarrkirche von Stalden. Das denkmalgeschützte Objekt von regionaler Bedeutung erstrahlt seit kurzem wie neu: frische Schindeln, ein frischer Anstrich, neue Fenster. Das prachtvolle Obwaldner Haus ist nicht weniger aussergewöhnlich als seine Bewohner mit den vielen Reisesouvenirs im Erdgeschoss und rund 40 Sorten Rosen im perfekt gepflegten Garten. Das Haus ist nämlich Namensgeber für den gesamten Weiler, der zum Kantonshauptort Sarnen gehört: «Stalden hat den Namen höchstwahrscheinlich von diesem Heimwesen übernommen», sagt Lokalhistoriker Walter Zünd aus Giswil. Für den fundierten Kenner der Materie ist das eine Überraschung.

Zünd, von Beruf Malermeister, hat die jüngsten Renovationsarbeiten organisiert. Seine Leidenschaft für alte Häuser und ihre Geschichten sowie seine Recherchearbeit haben schliesslich zu dieser Erkenntnis geführt. «Das Heimwesen nannten die Vorbesitzer Sonnenberg. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Liegenschaft jedoch den Namen Stalden», so Zünd weiter. Auf einer alten Gülte war er fündig und zugleich stutzig geworden. Denn ein Heimwesen Stalden kannte keiner seiner Historikerkollegen, selbst im Verzeichnis der Sarner Flurnamen tauchte ein solches nicht auf.

Ein Dutzend «Stalden» in Obwalden

Wer im Winter das Schneesportgebiet Langis besucht oder über den Glaubenberg ins Entlebuch fährt, kann nicht anders, als auch durch Stalden zu fahren. Der höchste der drei Sarner Weiler liegt auf einer kleinen Talebene oberhalb des Hauptortes. Gleich beim Dorfeingang steht auch das Stalden-Haus: «Die Lage des Heimwesens deckt sich so mit der Bedeutung des Wortes», sagt Walter Zünd. «Stalden» bezeichne eine ansteigende Stelle im Gelände. Obwalden kenne rund ein Dutzend solcher «Stalden». Ihre Gemeinsamkeit ist ein steiler Weg, der sich von einer Ebene anhebt oder in eine solche ausmündet. Letzteres ist in Stalden der Fall. Ausgangspunkt dafür ist entweder Sarnen oder Wilen.

In tadellosem Zustand überlassen

Zurück zum Haus und seinen Bewohnern: «Super» findet Paul Burch das neue Erscheinungsbild. Seine Frau erfreut sich besonders an den neuen, lichtdurchlässigeren Fenstern. Doch wie kommt man mit 92 Jahren auf die Idee, das Haus, das man seit 50 Jahren bewohnt, nochmals herrichten zu wollen? «Schon vor einigen Jahren haben wir uns mit dem Thema Altersheim auseinandergesetzt», sagt Paul Burch. Gesundheitlich habe in den letzten Jahren alles gepasst, eine Wohnung im Altersheim war nicht notwendig. «Was wir damit eingespart haben, haben wir jetzt einfach wieder investiert.» Wichtig ist für das kinderlose Ehepaar, dass es mit dem Haus weitergeht – und zwar innerhalb der Familie. Eine Grossnichte soll das Haus dereinst in tadellosem Zustand übernehmen können.

Nur schwer vorzustellen ist es, was der ehemalige Sigrist und Gärtner sowie die begeisterte Töpferin und Malerin alles vermissen würden, dereinst im Altersheim: Jede Wand ihres Hauses ist voller Erinnerungsstücke aus ihrem Leben. «Wir nehmen das Leben ‹vorzue›. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig», sagt Mathilde Burch.

Übrigens: Das grosse Reisefieber packte die beiden erst im Pensionsalter. «Davor sind wir zur Erholung meist nach Graubünden oder ins Wallis in eine Ferienwohnung gefahren», sagt Mathilde Burch. Später haben sie das Muster umgekehrt: Zwischen ihren Reisen sind sie zur Erholung wieder nach Hause gekommen. «Eine Weltreise am Stück, wie man es heute macht, war das nicht», betont sie. Und ohne Mathilde hätte Paul Burch Jordanien, Israel, Nepal, Kuba oder Südafrika bestimmt nie bereist: «Ich kann keine einzige Fremdsprache, meine Frau hatte Englisch gelernt. Darum konnten wir überhaupt erst reisen gehen.»

Christoph Riebli

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