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STALDEN: Eine ganze Familie spielt Alptheater

Im Alpen-Musical «Stei uberem Dorf» tritt Lex Friedrich mit seiner ganzen Familie auf. Ein Natur- und Musiktheater, das begeistert.
Romano Cuonz
Milchbauer Teddy (Lex Friedrich, Mitte) singt und spielt im Alptheater vor prächtiger Bergkulisse mit seiner ganzen theatralischen und auch wirklichen Familie. (Bild Romano Cuonz)

Milchbauer Teddy (Lex Friedrich, Mitte) singt und spielt im Alptheater vor prächtiger Bergkulisse mit seiner ganzen theatralischen und auch wirklichen Familie. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Den Begriff «Obwaldnerette» findet sich weder im Theaterlexikon noch im Duden. Und dennoch: Hätte ihn der Theatermacher Beppi Baggenstos nicht erfunden, irgendwer müsste ihn wohl noch erfinden. Was sich unter diesem Begriff zurzeit mit dem Stück «Stei uberem Dorf» an einem wunderschönen Platz, hoch über Stalden, schon zum zweiten Mal abspielt, ist eine Erfolgsstory ohnegleichen.

Im Grunde genommen ist das Rezept, nach dem Beppi Baggenstos diese Art Spektakel kreiert, ganz einfach: Man nehme ein global erfolgreiches Musiktheaterstück. Heuer ist es «Anatevka» von Jerry Bock und Joseph Stein. Man hole es, frei interpretiert, in die als neue Kulisse fantastisch geeignete Obwaldner Bergwelt. Der «Fiddler on the Roof» sitzt auf einer Heutriste. Einen Pogrom an Juden in einem osteuropäischen «Schtetl» gibt es nicht, stattdessen einen drohenden Bergsturz, der die Leute aus einem Bergdorf zu vertreiben droht. Der berühmte Milchmann Tevye heisst Teddy und ist nicht ein gottesfürchtiger Jude, sondern ein gläubiger Christ. Sein weltberühmtes Lied «If I Were A Rich Man» – bei dem das Broadway-Publikum jeweils schon nach den paar ersten Takten applaudierte – berührt, wenn Lex Friedrich es mit tiefem, sonorem Bass auf «Obwaldner Tyytsch» singt, kein bisschen weniger. Kurzum: Tevye wird zum Obwaldner Teddy, und wenn der redet oder singt, tönt das halt auch einmal «währschaft» und «grediuisä».

Musikalisch erstaunlich

Ein Musical – schon gar ein so berühmtes, das der «Tradition» wortwörtlich verpflichtet ist – lebt zuerst einmal von den Melodien. Von der wundervollen Musik eben! Und da legt denn Beppi Baggenstos in seinem Innerschweizer Alptheater auch den Grundstein zum Erfolg: Der Theatermann überträgt die musikalische Leitung dem bestens ausgewiesenen und im Umgang mit Laien äusserst feinfühligen Fachmann Stefan Wieland. Als Musiker lässt er bei Wind und Wetter nur theatererfahrene Profis aufspielen: Peter Berchtold, Larissa Bohner, Norbert Kiser und Erwin Läubli. All dies führt dazu, dass die musikalische und gesangliche Darbietung der adaptierten «Anatevka» einfach nur erstaunt. Nicht allein die Protagonisten in den grossen Rollen überzeugen. Stefan Wieland hat es fertiggebracht, dass die Lieder von den einzelnen Soli bis hin zu den grossen Chorgesängen unter die Haut gehen. Ja sie hallen – als wahre Ohrwürmer, die sie ja fast alle sind – noch wohltuend nach, wenn man schon wieder im Shuttle-Bus sitzt und talwärts fährt.

Wenn Vater mit Frau und Töchtern ...

Ein wohl landesweites Unikum dürfte die Besetzung des Milchbauern Teddy und seiner Familie sein: Lex Friedrich (ein wunderbar neuer und doch wieder wohl bekannt cholerischer Brummbär) tritt im Theater wie im wirklichen Leben mit seiner ganzen Familie auf. Als Gundi agiert theatralisch überaus gekonnt seine Frau Marianne, als wunderschön unterschiedlich gezeichnete Töchter ernten seine leiblichen Töchter Lina, Julia, Mona und gar die kleine Diana viel Applaus. Und alle haben sie wundervolle Stimmen. Übrigens: Neben dem Musikalischen kommt auch das Theatralische nie zu kurz. Beppi Baggenstos weiss die Landschaft, das ganze Drum und Dran seines romantischen «Bergheimets», von Szene zu Szene, von Gag zu Gag auszunutzen. Ob nun Annemarie Wieland als «Hiratsvermittleri Jänzi» oder Margrith Walpen als Hutmacherin mit echt Baggenstos’schen Kreationen auf dem Kopf das Publikum lachen lassen, ob Carsten Becker (auf Schwäbisch), Dani Britschgi, Raphael Windlin oder Tobi Aufdermauer als Freier der Töchter herumdrucksen: Das ganze Ensemble bietet da teils bodenständiges, teils schräges, überraschendes, herzliches, aber vom ersten bis zum letzten Takt musikalisches Alpentheater. Eine «Obwaldnerette» eben.

HINWEIS

Innerschweizer Alpentheater: «Stei uberem Dorf» von Beppi Baggenstos, frei nach dem Broadway-Erfolg «Anatevka». Alle Vorstellungen ausverkauft, Zusatzplätze vorhanden unter Tel. 079 378 72 10.

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