STALDEN: Und am Ende siegt die Liebe doch

Das Schwander Theater unterhielt am Samstag mit einem Bauernschwank. Überraschung fürs Publikum: Im «Dr Chratzli-Buir» wird auch gesungen.

Marion.wannemacher
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Da staunen der Chratzli-Buir Sepp (Martin Kathriner) und sein «Schnuggi» aus Japan (Tamara Gisler). Ihr Erscheinen hat eine umwerfende Wirkung auf Sepps Schwestern (links Nadja von Rotz, rechts Anni Kathriner). (Bild: Marion Wannemacher (Stalden, 14. Januar 2017))

Da staunen der Chratzli-Buir Sepp (Martin Kathriner) und sein «Schnuggi» aus Japan (Tamara Gisler). Ihr Erscheinen hat eine umwerfende Wirkung auf Sepps Schwestern (links Nadja von Rotz, rechts Anni Kathriner). (Bild: Marion Wannemacher (Stalden, 14. Januar 2017))

Marion.Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

«Das Stück ist sehr amüsant, es hat Lustiges, Emotionales und Herzliches und passt in die Schwendi», sagt Ursi Burch, Chefin der Stückwahlkommission beim Schwander Theater, über den Chratzli-Buir von Josef Brun. Am Samstag war Premiere. Bereits die Nachmittagsvorstellung löste Begeisterung aus. Das Premierenpublikum am Abend feierte sein Schwander Theater mit einigen Vorhängen und anhaltendem Applaus.

Der Bauernschwank bot Gags und witzige Szenen à discrétion und überraschte mit Gesangseinlagen des Ensembles. Mit seiner Idee, die Spieler in dieser Produktion singen zu lassen, sei er zunächst gar nicht auf Gegenliebe gestossen, erzählt Regisseur Fredy Duss offen. «Kurz vor der Premiere waren sie dann total begeistert.»

Grosses Finale mit «Das cha nur Liäbi sy»

Der Funke springt aufs Publikum über. «Feyr vo dr Sehnsucht», einfühlsam vom Liebespaar Fritz (Pascal Durrer) und Anneli (Laura Rutz) gesungen, berührt bereits. Das Jodellied «Das cha nur Liäbi sy» vom ganzen Ensemble gerät zum grossen Finale. Musikalisch überzeugen Kevin Kaufmann (Schwyzerörgeli) und Laura Spichtig (Violine).

Fredy Duss inszeniert seit über 30 Jahren im Theater Littau-Reussbühl. Zum ersten Mal ist er vom Schwander Theater engagiert und lobt den Zusammenhalt: «Es ist echt toll, mit ihnen zu arbeiten.» Duss spart nicht mit Effekten: Pöstler Schang alias Bruno Hartmann fährt etliche Male mutig und mit Karacho am Publikum entlang durch den Zuschauerraum eine Rampe hinauf auf die Bühne. Eine Horde Statisten fällt über das Publikum her und beschwatzt es empört.

Im Stück geht es um den ledigen Chratzli-Sepp (Martin Kathriner), der zusehends in Bedrängnis kommt. Seine Schwestern Berta (Anni Kathriner) und Klementine (Nadja von Rotz) wollen ihn möglichst schnell beerben. Seine mit Anneli (Laura Rutz) vorgetäuschte Liebelei, um deren Freund Fritz (Pascal Durrer) eifersüchtig zu machen, gerät ihm ausser Kontrolle. Das junge Mädchen stört sich nicht einmal an seinem Alter und begehrt lieber einen mit einem Beruf als mit einem Hobby. Denn Fritz ist Maler und zieht sich auch sehr seltsam an. Fritz geht seiner Wege, und Sepp wählt als Ausweg die Flucht nach Japan. Zuvor macht er sein Testament.

Totgesagte leben länger – so auch Chratzli-Sepp

Dieses fällt ganz und gar nicht so aus, wie es sich seine habgierigen Schwestern wünschen, sie sollen ausser dem Gerümpel auf dem Estrich leer ausgehen. Sepp ist dran gelegen, dass Fritz und Anneli wieder zusammenfinden. Sie sollen sich Bett und Tisch teilen, um an Haus, Hof und Land zu kommen, so ist die Bedingung. Doch Totgesagte leben länger, und so kommt es am Schluss zur grossen Überraschung: Sepp kehrt aus Japan zurück – in Begleitung. Ein Happy End gibt es also nicht nur für Fritz und Anneli, mehr wird aber nicht verraten.

Vielleicht würde der Handlung im ersten Teil vor der Pause eine Straffung guttun. Der Zuschauer nimmts jedoch nicht krumm und goutiert die Scherze und Possen, das Geplänkel zwischen dem unzuverlässigen Pöstler Schang und seiner verflossenen Liebe Rosalia, der Haushälterin Sepps (Heidi Wehrli), um 400 Franken. Alle Darsteller fühlen sich mit Spielfreude in ihre Figuren, im zweiten Teil bringt eine turbulente Handlung Action auf die mit Liebe zum Detail gestaltete Bühne, der Hof vom Chratzli-Buir mit echtem, aber geruchlosem Misthaufen und lebendigen Hühnern. Viele Szenen sind ein Augenschmaus. Und am Schluss behält die Liebe das letzte Wort.

Hinweis

Weitere Aufführungen: 20./21. Januar, 27./28. Januar, jeweils 20 Uhr, 22. Januar 14 Uhr, 29. Januar 17 Uhr. 3./4./10. und 11. Februar jeweils 20 Uhr.

www.schwander-theater.ch