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STANS / SARNEN: Das ist aus den Besten geworden

Kürzlich haben wieder die Maturafeiern stattgefunden. Wir wollten wissen, was aus zwei Bestrangierten der vergangenen Jahre geworden ist. Claudio Fölmli erinnert sich noch gut an die Sprüche seiner Kollegen, macht sich aber heute aus dem Ruhmestitel nicht mehr viel. Alexandra Tabord lernt als Assistenzärztin die Praxis kennen und wird heute im Laden mit Frau Doktor angesprochen.
Auch heute ist er erfolgreich: Claudio Fölmli arbeitet nun als Elektroingenieur in Dierikon. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Auch heute ist er erfolgreich: Claudio Fölmli arbeitet nun als Elektroingenieur in Dierikon. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Er fühlte sich als akademischer Praktiker

Auch heute ist er erfolgreich: Claudio Fölmli arbeitet nun als Elektroingenieur in Dierikon. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Auch heute ist er erfolgreich: Claudio Fölmli arbeitet nun als Elektroingenieur in Dierikon. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

«Meine Eltern freuten sich sehr mit mir darüber, von den Kollegen musste ich mir allerdings den einen oder anderen scherzhaften Spruch anhören», erinnert sich Claudio Fölmli (33) an den 18. Juni 2002. Damals durfte der Oberdorfer zusammen mit 58 weiteren Kandidaten nach sieben Kollegi-Jahren in Stans sein Maturazeugnis entgegennehmen. Allerdings nicht ohne spezielle Erwähnung: Mit der Note 5,53 schloss er die beste Matura seines Jahrgangs ab.

«Ich war schon etwas überrascht über den guten Abschluss, speziell darauf hingearbeitet hatte ich nicht», gibt er sich bescheiden. Dank der guten Noten im Vorfeld habe er allerdings geahnt, dass er nicht allzu schlecht abschneiden würde. «Lernen fiel mir schon immer relativ leicht, und ich interessierte mich für viele Fächer.»

Älterer Bruder spielte Rolle

So habe er bereits in der Primarschule gewusst, dass er ans Kollegi wollte. Dabei spielte auch der ältere Bruder eine wesentliche Rolle, der ebenfalls den gymnasialen Weg einschlug und der ihm das Kollegium St. Fidelis schmackhaft machte. «Von ihm erfuhr ich, wie es im Kollegi so läuft, dass es mehr bietet als nur Schule – etwa Musikensembles, Sportgruppen und verschiedene Anlässe.»

Er sollte nicht enttäuscht werden. Die Kollegi-Jahre – damals waren es noch sieben – waren ein Erfolg. Claudio Fölmli brillierte nicht nur in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie und Physik, sondern auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern und in den Sprachen. Tatsächlich hätte er sich auch für ein Studium in Geschichte oder Wirtschaft begeistern können.

Die Wahl fiel schliesslich auf ein Elektrotechnik-Studium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. «Es war ein Bauchentscheid. Das Ingenieurwesen faszinierte mich schon immer, die technische Begeisterung und der Spieltrieb, der einem Entwickler gegeben ist, zogen mich in diese Richtung», begründet er seinen Weg. «Im klassischen Ingenieurberuf gehören Ausprobieren und Testen zum täglichen Brot, das reizte mich.»

Die Maturanoten waren fürs Studium zweitrangig. Der solide Rucksack kam ihm aber zweifellos zugute. «Das Stanser Kollegi bereitet seine Maturanden besser auf ein Ingenieurstudium vor als andere Gymnasien, wie ich erfreut feststellen konnte.» Die Anforderungen waren hoch. «Ich musste mich wie auch in der Gymi-Zeit anstrengen für ein befriedigendes Resultat.» Der Einsatz lohnte sich auch hier. Zwar war er nicht mehr ganz an der Spitze – «es hatte ganz andere Kaliber, aber die Noten waren für mich okay». Als Akademiker fühlte er sich nie im klassischen Sinne – eher als akademischer Praktiker. So schlug er ein Angebot aus, nach dem ETH-Studium zu doktorieren. Es zog ihn vom Vorlesungssaal weg in die praktische Arbeitswelt.

Begeisterung für die Technik

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet er als Elektroingenieur bei der Komax AG in Dierikon. Das weltweit tätige Unternehmen ist spezialisiert auf Kabelverarbeitungen und Automatisierungen. Claudio Fölmli schätzt die vielfältige Arbeit. Er programmiert Software und entwickelt Elektronik für neue Maschinen, lötet Elektronikbauteile zusammen, führt Messungen an Maschinen durch oder schreibt Dokumentationen. «Hier kann ich meine Begeisterung für die Technik voll ausleben», meint er.
Zweifel seien ihm ob seiner Berufswahl bisher nie gekommen. «Solange ich etwas Spannendes leisten kann und Neues dabei lerne, gehe ich jeden Tag gerne zur Arbeit.»

Mit Nidwalden verbunden

Obwohl er wegen des Arbeitsortes nach Luzern gezügelt ist, pflegt der Oberdorfer – heute mit einer Stanserin verheiratet und Vater einer einjährigen Tochter – noch immer Beziehungen zu seiner Heimat, sei es zu seinen Eltern oder ehemaligen Schulkollegen. Er spielt bei der Fidelis-Big-Band, der Hausband des Kollegiums, mit und ist Mitglied des Vereins Freunde des Kollegiums.
Und die Zukunft? «Die Frage wird mir oft gestellt. Im Moment bin ich sehr glücklich in meinem aktuellen Beruf und habe Spass daran. Aber vielleicht kommt mit dem Alter der Wunsch nach neuen Herausforderungen.»

Die Nachtschicht ist ihr nächster Schritt

Auch heute ist sie erfolgreich: Alexandra Tabord ist als Assistenzärztin im Regionalspital Surselva in Ilanz GR tätig. (Bild: pd)

Auch heute ist sie erfolgreich: Alexandra Tabord ist als Assistenzärztin im Regionalspital Surselva in Ilanz GR tätig. (Bild: pd)

Der 23. Juni 2007 bleibt für Alexandra Tabord wohl für immer in Erinnerung. Es war der Tag, an dem die junge Frau an der Kanti Obwalden ihr begehrtes Maturazeugnis entgegennehmen durfte. Dass sie unter den 46 Maturanden in unserer Zeitung damals speziell erwähnt wurde, kam nicht von ungefähr. Zusammen mit Christina Hammerich machte Alexandra Tabord mit der Note 5,44 den besten Maturaabschluss ihres Jahrgangs. «Ein bisschen Stolz schwang schon mit. Es war ein schönes Gefühl, so gut abzuschliessen, als Lohn für die viele Zeit, die ich investiert hatte», erinnert sich Alexandra Tabord. «Allerdings hatte ich schon immer den Anspruch, gut abzuschliessen. Zudem fiel mir das Lernen leicht.»

Zugutegekommen sei ihr andererseits auch, dass sie in Stalden bei Sarnen zweisprachig aufwuchs, da ihr Vater aus der Westschweiz komme. «Die Zweisprachigkeit und meine Begeisterung für Sprachen kamen mir in der Kanti entgegen, da Sprachen an der Matura einen grossen Stellenwert einnahmen.»

Sie schätzt die Arbeitswelt

Wie half ihr dieser Abschluss auf ihrem späteren Lebensweg? «In den Lebenslauf schreibe ich diesen ‹Titel› nicht», gibt sie sich bescheiden. Doch die guten Maturanoten hätten ihr schon geholfen für ihr Medizinstudium, das mit dem Numerus clausus Zulassungsbeschränkungen kenne.

Ihre Faszination für den menschlichen Körper als sehr komplexes Gebilde und ihr Interesse für die Naturwissenschaft gaben schliesslich den Ausschlag für ein Medizinstudium, das sie im vergangenen Herbst abschloss. So leicht wie an der Kanti ging es nicht mehr von der Hand. «Ich musste feststellen, dass die anderen Studenten einen grösseren Rucksack in Naturwissenschaft mitbrachen als ich, da wir an der Kantonsschule Obwalden weniger Lektionen hatten als andere. Ich musste einigen Stoff aufarbeiten.» Doch es klappte. «Ich habe nicht gerne schlechte Noten und war nie unter einer Fünf dank guter Vorbereitung.»

Den Anspruch, zu den Besten zu gehören, erhebe sie nicht. Trotzdem: Beim Abschluss ihres Staatsexamens in Medizin im vergangenen Jahr gehörte sie zum besten Viertel unter den 180 Studienabgängern.

Lange Arbeitstage

Seit März arbeitet sie als Assistenzärztin im Regionalspital Surselva in Ilanz GR. «Ich schätze es, dass ich nach sechs Jahren, in denen ich die Medizin vor allem nur aus Büchern und vereinzelten Praktika kannte, nun am Menschen anwenden kann.» Auch wenn sie sich zuerst auf das neue Leben im Spitalalltag einstellen musste – mit den langen Arbeitstagen und Einsätzen am Wochenende und viel Verantwortung. «Man muss flexibel sein, um Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen.» Trotzdem habe sie am eingeschlagenen Weg nie gezweifelt. Als Stationsärztin auf der Inneren Medizin betreut sie Patienten, kontrolliert Blutwerte und verabreicht Medikamente oder wird auch auf der Notfallstation eingesetzt.

Ins Bündnerland verschlug es sie aus praktischen Gründen. «In einem grösseren Spital wie dem Kantonsspital Luzern ist man als neue Assistenzärztin etwas verloren und geht in der grossen Masse unter. Ich hätte mir Stans oder Sarnen vorstellen können, leider war dort gerade keine Stelle als Assistenzärztin frei.»

«Frau Doktor»

Kommen in der Stadt die Leute eher einmal zu oft auf die Notfallstation des Spitals statt zum Hausarzt, erlebe sie hier eher das Gegenteil. Was sie ebenfalls überraschte, ist der hohe soziale Status ihres Berufsstandes. «Die Leute sprechen mich beim Einkaufen mit ‹Frau Doktor› an.» Dass man ihre Diagnose kritisch hinterfrage, käme hingegen auch vor. «Vor allem Feriengäste aus der Stadt konfrontieren mich oft mit selbst erstellten Diagnosen aus dem Internet, während Einheimische weniger hinterfragen.»

Bald steht der nächste Schritt bevor: ihre erste Nachtschicht. Das bedeutet, dass sie alleine die Verantwortung für die Patienten trägt. «In einem Notfall kann ich zwar den Oberarzt anrufen. Das überlegt man sich aber zweimal, ihn nachts um drei Uhr aus dem Bett zu holen.» Ihr nächstes Etappenziel: Fachärztin für Innere Medizin. Gut möglich, dass sie nach einiger Zeit wieder in die Zentralschweiz zurückkehre, diese sei und bleibe ihre Heimat.

Matthias Piazza

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