Stanser Kloster wird definitiv zum Kulinarikzentrum

Die Rückbauarbeiten sind abgeschlossen. Gestern startete mit einem symbolischen Spatenstich offiziell der Umbau des ehemaligen Kapuzinerklosters im Nidwaldner Hauptort. Das Kompetenzzentrum der Regionalkulinarik nimmt Formen an.

Matthias Piazza
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Trafen sich beim Spatenstich (von links): Othmar Filliger, Daniel Niederberger, Johne Eisenhut, Tis Prager und Dominik Flammer. (Bilder Matthias Piazza, Stans, 3. Mai 2019)

Trafen sich beim Spatenstich (von links): Othmar Filliger, Daniel Niederberger, Johne Eisenhut, Tis Prager und Dominik Flammer. (Bilder Matthias Piazza, Stans, 3. Mai 2019)

«Wenn man beim Bahnhof Stans ankommt, gelangt man über die Gassen zum schönsten Dorfplatz der Schweiz, kommt vor traumhafter Kulisse zum ehemaligen Kapuzinerkloster, wo man im Kulinarium der Alpen seine Ruhe findet – in einem Dorf mit sehr viel Leben», beschrieb am gestrigen Spatenstich Projektleiter Dominik Flammer bildhaft, was in diesem ehrwürdigen Gebäude, dass zurzeit eine Grossbaustelle ist, dereinst entstehen soll. «Es ist ein Traum, der sich langsam verwirklicht. Auf der Zielgeraden taucht ein kleines Lichtlein am Ende des Tunnels auf.»

Für die Senn Values AG, die mit dem Kanton Nidwalden im Oktober 2015 einen Baurechtsvertrag über 60 Jahre für das ehemalige Kloster unterzeichnet hat, plant der gebürtige St. Galler mit der Stiftung Kulinarisches Erbe der Alpen (Keda) ein kulinarisches Kompetenzzentrum für den Alpenraum – unter dem Namen «Culinarium Alpinum».

Der Charakter des Gebäudes bleibt erhalten

Die Keda will sich mit rund drei Millionen Franken an dem Aufbau dieses Zentrums beteiligen. Auch Kanton und Bund haben sich beteiligt. Der Standort an der Mürg sei ideal. Dominik Flammer schwärmte vom berühmten Nidwaldner Migi-Moscht oder von der Vorzeigekräuterbäuerin Trix Bissig-Odermatt aus Grafenort, die sensationelle Produkte mache. Auch sei man im Gespräch mit zahlreichen Institutionen aus dem Bereich der Kulinarik, Gastronomie und Landwirtschaft. «Wir hoffen, dass wir dem ehemaligen Kloster wieder Leben einhauchen können.» Bis allerdings Einheimische und Gäste aus der Schweiz und dem Ausland in das wieder zu entdeckende kulinarische Erbe der Klöster und Generationen von Produzenten und Köchen eintauchen können, dürfte es etwa bis Sommer 2020 dauern.

Vor rund zwei Wochen wurde der Rückbau abgeschlossen, wobei auch Asbest entfernt werden musste. Nun laufen die eigentlichen Innenausbauarbeiten, wie Bauleiter Daniel Niederberger die zahlreich erschienenen Involvierten und Gäste aus der Politik informierte. Der Charakter des Gebäudes bleibe grundsätzlich erhalten. «Wir bauen nichts an, stocken nichts auf, wir sanieren bloss», hielt Daniel Niederberger fest.

Im Innern wird am Umbau gearbeitet.

Im Innern wird am Umbau gearbeitet.

Grundausbau soll Ende November fertig sein

Das Herzstück bildet der sanierte Gastraum, dem eine durch eine grosse Verglasung einsehbare Küche angegliedert wird. Auch ein Festsaal, ein Gartenzimmer, eine Gartenbeiz und ein Degustationskeller entstehen, wo die Gäste sich mit verschiedensten heimischen Spezialitäten verköstigen können.

Die Herbergszimmer bieten 19 Schlafplätze. Die Zimmer werden alle mit Dusche und WC ausgestattet. Ein rollstuhlgängiger Lift, Kurs-, Tagungs- und Besprechungszimmer und Büros sind ebenso geplant. Als grosse Herausforderung bezeichnete Daniel Niederberger den Ersatz der völlig veralteten Haustechnik. Bis Ende November soll der Grundausbau abgeschlossen sein und der Mieterausbau beginnen. 8 Millionen Franken investiert die Senn Values AG in diesen Umbau. Etwa 40 Prozent der Arbeiten seien bereits vergeben, dabei kämen vor allem einheimische Unternehmer zum Zug.

Der Nidwaldner Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger sprach von einem sehr wichtigen Areal, seien doch hier an der Mürg die Kapuziner während mehr als vier Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil Nidwaldens gewesen, hätten hier segenreich gewirkt und die Bevölkerung geprägt.

«Als die Kapuziner dem Kanton das Areal samt Gebäude im Jahre 2004 übergaben, war es deren Wunsch, es wieder einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.» Umso erfreulicher sei es, dass der Kanton mit der Senn Values AG vor vier Jahren einen Baurechtsvertrag habe abschliessen können. «Von den Dienstleistungen des Kompetenzzentrums profitieren sollen die Gastronomie und die Landwirtschaft. Und, dies ist mir als Volkswirtschaftsdirektor ebenfalls ein Anliegen, profitieren sollen auch die heimischen Unternehmen.»

Noch ist es menschenleer in den alten Räumen.

Noch ist es menschenleer in den alten Räumen.

Die bewegte Geschichte des Klosters

(map) Die Geschichte des Kapuzinerklosters in Stans beginnt 1584, als die Mönche den beinahe vollendeten Konventbau in Stans beziehen. Die Brüder wirken vor allem auf dem Gebiet der Seelsorge und übernehmen Aushilfsdienste, wo immer diese benötigt werden. Im Verlaufe ihrer mehr als 400 Jahre dauernden Tätigkeit in Stans erwerben die Kapuziner viel Respekt und Wohlwollen, wie man im Buch «Geschichte des Kantons Nidwalden» erfährt. Seit der frühen Neuzeit ist es vor allem ihr Einsatz auf dem Gebiet der schulischen Bildung – von der Führung der Lateinschule im 18. Jahrhundert bis zur Führung des Kollegiums St. Fidelis.

Am 17. März 2004 genehmigt der Nidwaldner Landrat den Kaufvertrag zwischen der Schweizer Kapuzinerprovinz und dem Kanton. Der 23. August 2004 markiert das Ende eines über 400-jährigen Wirkens. Mehr als 1200 Nidwaldner verabschieden auf dem Stanser Dorfplatz die Kapuziner feierlich.

Im Dezember 2005 bewilligt der Landrat 100'000 Franken für die Machbarkeitsstudie für eine «Akademie der Weisen». Die Idee: Pensionierte geben ihr Fachwissen an Jüngere weiter, und in den Pausen bedienen Personen mit einer Beeinträchtigung die fachsimpelnden Dozenten und Kursteilnehmer im hauseigenen Café. Die Initianten können aber die geforderte Finanzierung nicht garantieren. Das Projekt scheitert 2007.

Am 23. Januar 2008 gibt der Landrat grünes Licht für den Einzug von Mondobiotech ins ehemalige Kloster.Im Juni 2014 verlässt die Firma, die im Bereich der seltenen Krankheiten forscht und nun Therametrics heisst, das Kloster. Am 8. Oktober 2015 unterzeichnet der Kanton mit der Senn Values AG einen Baurechtsvertrag über 60 Jahre, der am 1. Januar 2016 in Kraft tritt.