STANSERHORN / BÜRGENSTOCK: Obwaldner Pioniergeist lebt in Lugano weiter

Die Obwaldner Pioniere Bucher und Durrer bauten vor 132 Jahren die Standseilbahn vom Zentrum zum Bahnhof in Lugano. Beim kürzlich eingeweihten Neubau setzt man wieder auf ihre Technik.

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Die neue Standseilbahn in Lugano. (Bild: PD)

Die neue Standseilbahn in Lugano. (Bild: PD)

Beat Christen

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Die Fussabdrücke, welche Franz Josef Bucher-Durrer und sein Kompagnon Josef Durrer um die vorletzte Jahrhundertwende hinterlassen haben, sind auch im heutigen Zeitalter noch immer sehr gross. Jüngstes Beispiel ist die Standseilbahn, die das Stadtzentrum von Lugano mit dem Bahnhof verbindet. Obwohl nur etwas mehr als 200 Meter lang, gehört diese Bahn mit jährlich weit über 2 Millionen Passagieren zu den meistfrequentierten Bahnanlagen der Schweiz.

Die beiden Obwaldner Seilbahnpioniere erkannten schon früh das Potenzial dieser Verbindung. Gehört heute die Realisierung von Seilbahnen in urbanen Gebieten zum Alltag der Seilbahnbauer, hatten die beiden genialen Obwaldner bereits im vorletzten Jahrhundert in Lugano das Potenzial einer innerstädtischen Bahnverbindung erkannt. Bucher und Durrer erhielten 1884 nicht nur die Konzession für diese Standseilbahn, sie bauten sie auch gleich selber. Seit 1886 verkehrt die Bahn zwischen der Altstadt von Lugano und dem Bahnhof.

Sie sind ihrer Zeit voraus gewesen

Franz Josef Bucher-Durrer und Josef Durrer verstanden es offenbar, für die Umsetzung ihrer Projekte immer wieder auch die richtigen Personen mit ins Boot zu holen. Die beiden Obwaldner waren damals derart von der von Roman Abt entwickelten Ausweiche mit einem doppelten Spurkranz bei den äusseren Rädern und einer flachen Walze bei den inneren Rädern überzeugt, dass sie diese gleich einsetzten. Auch bei den späteren von Bucher und Durrer realisierten Standseilbahnen – wie jene von Kehrsiten auf den Bürgenstock (eröffnet 1888) oder die drei Sektionen umfassende und 1893 in Betrieb genommenen Standseilbahnen am Stanserhorn – kam die sogenannte Abt’sche Ausweiche zum Einsatz.

Gleiche Linienführung wie vor 132 Jahren

Wie weit die beiden Obwaldner Seilbahnpioniere ihrer Zeit voraus waren, zeigt die Tatsache, dass das damals von ihnen erstmals angewandte Ausweichsystem heute beim Bau von Standseilbahnen zum Standard geworden ist. So auch beim jüngsten von der Garaventa vorgenommenen Umbau der Standseilbahn in Lugano. Für die Seilbahntechniker aus Goldau war dies jedoch keine einfache Aufgabe. Da war immer noch das von Bucher und Durrer angelegte Trassee, an das im Laufe der vergangenen 132 Jahre die Häuser immer näher herangebaut worden sind. Im Gegensatz zu den beiden Seilbahnpionieren aus Obwalden liessen die engen Platzverhältnisse heute weit weniger Spielraum zu, als dies zu Zeiten des Bahnbaus noch der Fall war. Dies führte dazu, dass es sich bei den beiden neuen Fahrzeugen um eine Massanfertigung handelt. Auch deshalb, weil die Fahrzeugkapazität von 75 auf neu 100 Personen pro Fahrzeug erhöht wurde. Wie eh und je befindet sich der Antrieb in der «Bergstation» im Bahnhof Lugano direkt auf der Ebene der Gleisunterführung. Trotz Modernisierung geblieben ist die wichtige Funktion sowohl als urbanes wie auch touristisches Transportmittel.