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STANSSTAD/ENGELBERG: Er kreierte die Übungsblätter noch selber

Nach vierzig Jahren als Heilpädagoge geht Klaus Imfeld heute in Pension. Dass er diesen für die damalige Zeit pionierhaften Beruf ergriff, hat auch familiäre Gründe.
Klaus Imfeld hat heute seinen letzten Arbeitstag als Heilpädagoge. (Bild: Matthias Piazza (Engelberg, 27. Juni 2017))

Klaus Imfeld hat heute seinen letzten Arbeitstag als Heilpädagoge. (Bild: Matthias Piazza (Engelberg, 27. Juni 2017))

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Heute endet für Klaus Imfeld nicht nur ein Schuljahr, sondern ein ganzer Lebensabschnitt. Der 65-Jährige geht in Pension. Er blickt zurück auf eine besondere 40-jährige Pädagogenkarriere. Er war nicht einfach Lehrer, sondern 14 Jahre Logopäde und 26 Jahre schulischer Heilpädagoge – in den vergangenen vier Jahren in Engelberg, davor in Ennetbürgen und Stansstad, wo er auch wohnt. Er unterstützte Kinder, die Schwierigkeiten mit der schulischen Leistung oder in ihrem Verhalten hatten, aber auch Kinder mit überdurchschnittlicher Begabung. In Engelberg war er für die fünfte und sechste Klasse zuständig. Sechs Lektionen pro Woche und Klasse standen Klaus Imfeld zur Verfügung, um die Schüler individuell zu fördern. Er macht ein Beispiel: «Während die Klasse sich in der Mathematik im Millionenbereich bewegte, übte ich mit einem Schüler mit Zahlen im Tausenderraum.»

In seiner langjährigen Karriere ist ihm eine Veränderung besonders aufgefallen. «Als ich 1990 als schulischer Heilpädagoge anfing, hiess es noch heilpädagogische Schülerhilfe, die Förderung der Kinder erfolgte separiert von der Klasse. Heute sind sie im Engelberger Schulmodell im altersdurchmischten Lernen in der regulären Klasse integriert. Das schätze ich sehr.» Allen kritischen Stimmen zum Trotz ist Klaus Imfeld von der Integration überzeugt. «Mit Teamteaching, wie ich das in Engelberg erleben durfte, habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.» Überhaupt spricht er von einer beispiellosen Entwicklung: «Zu Beginn meiner Tätigkeit entwickelte ich die Übungsblätter für Kinder mit einer Schreib-/Leseschwäche noch selber. Heute gibt es dafür pädagogische Lehrmittel.»

Eltern stellen Forderungen an Pädagogen

Andere Entwicklungen forderten ihn besonders. «Heutzutage hinterfragen die Eltern die Arbeit der Schule viel kritischer als früher. Darauf sind vor allem die heutigen Junglehrer zu wenig vorbereitet. Eltern stellen Forderungen an Pädagogen, die man früher nicht kannte. Ein Vater von einem meiner Schüler zweifelte meine Standortbestimmung an. Im Gespräch mit ihm konnten wir das Problem dann klären.» Wie die Gesellschaft veränderten sich seiner Wahrnehmung nach auch die Kinder. «Sie getrauen sich, ihre Meinung kundzutun.» Dies sei zwar grundsätzlich gut. Trotzdem würde er mehr Autorität schätzen. «Kinder müssen eine gewisse Autorität spüren.» Als ebenso wichtig erachtet er, dass die Eltern ihre Kinder in ihrer Eigenart akzeptieren. «Mein Ziel war es, dass die Schüler ihrer Begabung entsprechend Lernfortschritte machen. Und das gelingt am besten, wenn es dem Kind beim Lernen wohl ist. Mit zu viel Druck erreicht man das nicht.» Allen antiautoritären und autoritären Strömungen zum Trotz – seinen Job habe er immer als dankbar empfunden. «Ich zählte nicht die Tage bis zur Pensionierung.»

Schulrat wollte das Diplom gar nicht sehen

Dass der gebürtige Lungerer die Karriere des damals noch jungen Berufszweiges der Heilpädagogik einschlug, hat familiäre Gründe. «Meine Schwester ist geistig behindert. So kam ich mit dem Thema in Kontakt.» Der Start 1976 in Stans gestaltete sich einfach. «Der Schulrat lud mich in einem Restaurant zu einem Bewerbungsgespräch ein. Ich bekam spontan die Jobzusage, ohne das Diplom zeigen zu müssen», erinnert er sich.

Bis 1990 arbeitete er als Logopäde in allen Nidwaldner Gemeinden im Engelberger Tal. «Ich wurde jeweils zu so vielen Schulabschlussessen eingeladen, dass sich die Termine manchmal gar überschnitten», lacht er. Stolz erzählt er von Kindern, die im Alter von vier Jahren unverständlich sprachen und zu ihm in die Therapie kamen. Sie lernten bis zum Eintritt in den Kindergarten, sich verständlich mitzuteilen. Nun beginnt für den Ehemann und Vater dreier erwachsener Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Langweilig dürfte es ihm nicht werden. «Ich träume vom Meer, von der Wüste, von hohen Bergen.»

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