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Stationäre Therapie statt Gefängnis für jungen Obwaldner

Ein junger Obwaldner ist in Sportgebäude, Einfamilienhäuser sowie einen Kiosk eingebrochen. Auch konsumierte er illegale Drogen. Trotz der Fülle von Straftaten gibt ihm das Gericht eine Chance.
Robert Hess
Ein junger Obwaldner entgeht einer Gefängnisstrafe. Stattdessen hat das Kantonsgericht eine stationäre Therapie angeordnet. (Archivbild: Bild Pius Amrein)

Ein junger Obwaldner entgeht einer Gefängnisstrafe. Stattdessen hat das Kantonsgericht eine stationäre Therapie angeordnet. (Archivbild: Bild Pius Amrein)

Ein heute 23-jähriger Angeklagter hat es selber in der Hand, seinem mit Einbrüchen, Diebstählen, Sachbeschädigungen und Drogendelikten «gepflasterten» Lebensweg eine Wende zu geben. Das Kantonsgericht Obwalden hat ihm zwar eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten aufgebrummt, doch davon ist die Hälfte mit einer Probezeit von vier Jahren bedingt ausgesprochen. Die restlichen 18 Monate Freiheitsstrafe, abzüglich 57 Tage Untersuchungshaft und vorzeitiger Massnahmenvollzug, müssen laut Urteil abgesessen werden.

Der junge Mann muss jedoch nicht ins Gefängnis, denn das Gericht hat diesen Teil der Strafe zu Gunsten einer stationären Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben. Dazu kommt eine unbedingte Busse von 500 Franken.

Seit September 2016 in der Ostschweiz

Der Angeklagte befindet sich nach einem psychiatrischen Gutachten bereits seit September 2016 in einem Massnahmenzentrum in der Ostschweiz und ist auch von dort an die Gerichtsverhandlung in Sarnen gereist. «Nach anfänglichen Problemen, weil man dort nicht mehr machen kann, was man will, habe ich mich gut eingelebt», sagte er vor Gericht. Er habe neue Kollegen, einen guten Chef, auch wieder regelmässig Kontakt mit seiner Familie und habe eine Lehre als Koch angefangen, «die ich unbedingt abschliessen will.» Er nehme keine Drogen mehr und plane, in der Ostschweiz zu bleiben.

In seiner Beurteilung musste das Gericht berücksichtigen, dass der Beschuldigte ungeachtet früherer Verurteilungen ab 2009 wieder regelmässig straffällig geworden ist, was sich straferhöhend auswirkte. Frühere ambulante Therapien seien alle gescheitert, erklärte der Gutachter. Das Gericht geht in seinem Urteil denn auch «von einer hohen Rückfallgefahr aus.» Eine Strafe allein erscheint aber «als nicht ausreichend, dieser Rückfallgefahr zu begegnen.» Für eine erfolgreiche Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung sei eine stationäre Massnahme Voraussetzung. In einer Einrichtung für junge Erwachsene (unter 25 Jahren) könne der Beschuldigte neben der Therapie auch eine Berufsausbildung absolvieren. Das Gericht ist deshalb dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt. Der Aufenthalt des Beschuldigten im Massnahmenzentrum wird fortgesetzt.

Beschuldigter hat 14000 Franken erbeutet

Laut Urteil des Kantonsgerichtes hat sich der mehrheitlich geständige Beschuldigte des bandenmässigen Diebstahls in sechs Fällen, des versuchten bandenmässigen Diebstahls in zwei Fällen sowie des einfachen Diebstahls in einem Fall schuldig gemacht. Weiter wird er der mehrfachen Sachbeschädigung sowie des Hausfriedensbruches schuldig gesprochen. Bei den meisten Einbrüchen – sie gehen auf die Jahre 2014/2015 zurück – war ein heute 28-jähriger Kollege dabei, der sich Ende März für seine Straftaten vor Kantonsgericht verantworten musste (wir berichteten). Zielobjekte waren neben Einfamilienhäusern in verschiedenen Gemeinden vor allem der Kiosk sowie die Sportanlagen im Sarner Seefeld. Insgesamt wurden rund 14000 Franken erbeutet und Sachschaden in praktisch gleicher Höhe verursacht.

Verurteilt wird der Beschuldigte ferner für mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch unbefugtes Herstellen, Veräussern, Besitzen, Erwerben und vorsätzlichen Konsum von Kokain, Marihuana und Haschisch. Und schliesslich wird er auch der qualifizierten einfachen Körperverletzung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Einsatz eines Schlagrings) schuldig gesprochen.

Der Beschuldigte hat laut Urteil Verfahrenskosten von insgesamt 34300 Franken zu bezahlen. Ausserdem muss er die Kosten der amtlichen Verteidigung von total 14800 Franken dem Kanton zurückzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Ferner wird der Beschuldigte verpflichtet, verschiedenen Zivilklägern insgesamt rund 22000 Franken – zum Teil in solidarischer Haftbarkeit mit dem bereits rechtskräftig verurteilten Mittäter – zu bezahlen.

Hinweis: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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