Statt Skistöcke schwingt Michelle Gisin in Engelberg den Kochlöffel

Sechs Spitzenathleten aus dem Klosterdorf messen sich für einmal nicht im Schnee, sondern am Herd. Michelle Gisin ist zuversichtlich, trotz hoher Startnummer ganz oben auf dem Podest zu landen.

Philipp Unterschütz
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Michelle Gisin ist eine von sechs prominenten Engelberger Sportlern in der Küche der Ski Lodge Engelberg. Koch Christian Brangenfeldt aus Schweden steht ihr zur Seite. (Bild: Philipp Unterschütz (7. März 2019))

Michelle Gisin ist eine von sechs prominenten Engelberger Sportlern in der Küche der Ski Lodge Engelberg. Koch Christian Brangenfeldt aus Schweden steht ihr zur Seite. (Bild: Philipp Unterschütz (7. März 2019))

Michelle Gisin lacht. «Ich weiss, dass die erste Frage sicher die ist, wie Burger bei Spitzensportlern in den Ernährungsplan passen.» Die Olympiasiegerin von 2018 in der Alpinen Kombination ist eine von sechs prominenten Engelberger Sportlerinnen und Sportlern, die am Burger-Wettbewerb der Ski Lodge mitmachen. «Glücklicherweise hat Skisport ja viel mit Gravitation zu tun, es geht immer abwärts», scherzt Michelle Gisin.

Tatsächlich sei es aber so, dass es mit einer gesunden Einstellung schon funktioniere, dass man sich auch mal was gönnen könne. Aus der Ernährung könne sie aber energetisch sehr viel herausholen, die Auswahl sei entscheidend. «Ich nehme eher Salat, brauche viel Proteine, aber wenig Kohlehydrate. Je farbiger ein Teller, desto besser.»

Gisins Probleme mit Gluten

Am Wettbewerb der Ski Lodge Engelberg für den besten Burger im Dorf hat sie spontan und mit Freude zugesagt. «Es ist cool, dabei zu sein und die innovative Idee zu unterstützen. Sie brauchen hier so viel regionale oder mindestens Schweizer Produkte wie möglich.» Und Burger habe sie immer gern gegessen. In letzter Zeit aber nicht mehr, wegen Probleme mit Gluten. Naheliegend, dass der Burger von Michelle Gisin mit glutenfreien Brötchen zubereitet wird. Rindshackfleisch, Specktranchen, saure Gurken und Ketchup gehören ebenfalls dazu. Und dann verrät Gisin doch noch eine zentrale Zutat:

«Ganz wichtig ist der Alpkäse vom Sälmi Töngi von der Gerschnialp»

Das genaue Rezept bleibt aber geheim. Vielleicht gebe es dann irgendwann mal ein Kochbuch mit den Promiburgern, meint Sanne Mona von der Ski Lodge.

Für einmal könnte es Michelle Gisin zugutekommen, dass sie mit der zweitletzten Startnummer ins Rennen um den besten Burger steigt. Nach ihr kommt nur noch Lena Häcki, vor ihr waren bereits Denise Feierabend, Dominique Gisin, Johan Johnsson und Daniel Friedel am Start. Jeder Burger war/ist jeweils zwei Wochen im Angebot der Ski Lodge. «Ich will schon gewinnen», sagt sie mit sportlichem Ehrgeiz und lacht. «Mein Rezept ist schliesslich das Beste. Genau so stelle ich mir einen richtig perfekten Burger vor.»

Die Chancen für einen Spitzenplatz sind gut

Tatsächlich räumen ihr auch Mona und der schwedische Koch Christian Brangenfeldt, der normalerweise die Burger in der Küche zubereitet, beste Chancen auf einen Spitzenplatz ein. «Wir haben denselben Geschmack, ich hätte die gleichen Zutaten verwendet. Entscheiden werden aber die Gäste, welcher Burger am meisten verkauft wird», verrät Brangenfeldt. Der Michelle-Burger komme sehr gut an, meint auch Mona, «weil er sehr nahe beim klassischen Burger mit Rindfleisch ist». Der Burger Wettbewerb sei ein grosser Erfolg. Viele Gäste kämen, die alle Promiburger probieren wollten, erzählt Sanne. «Man kann ja schliesslich nicht alle Tage sagen, man habe einen Burger nach den Geheimrezepten von Dominique oder Michelle Gisin gegessen.» Als Belohnung gibt es einen Pokal und viel Ruhm und Ehre für die Sieger.

«Ich zähle die Tage, bis ich Krücken weglegen darf»

Nach der Zubereitung und dem Test in der Küche ist Michelle Gisin zufrieden. «Kochen ist sonst nicht so mein Ding, ich bin besser im Backen. Wenn ich Burger möchte, gehe ich lieber dorthin, wo sie gut zubereitet werden.» Obwohl sie Ende Januar die Saison wegen einer Knieverletzung mit Knorpelschäden und Kreuzbandzerrung abbrechen musste, hat sie nicht allzu viel Zeit, um sich im Ausgang kulinarischen Genüssen hinzugeben. Nach der Operation vor vier Wochen steht Rehabilitation im Fokus. «Es geht mir bereits wieder sehr gut, ich zähle aber die Tage, bis ich die Krücken weglegen darf.» Es sind noch zehn. Sie fahre viel Velo und trainiere im Kraftraum, allerdings noch mit einer maximalen Belastung von 15 Kilo. «Ich hoffe, dass ich im Mai, vielleicht sogar schon früher, wieder auf den Skis stehe.» Dass sie lange Zeit zur Verfügung habe für Kraft und Ausdauer sei aber auch ein Vorteil für die nächste Saison. «Beim Saisonstart bin ich auf jeden Fall wieder voll da.» Dass sie die WM in Åre vor dem Fernseher mitverfolgen musste, habe weh getan. «Aber eine Teilnahme hätte keinen Sinn gemacht, da hätte ich meinem Knie zu viel angetan. Darum konnte ich es einfacher akzeptieren.» Die Erfolge von Corinne, Wendy und im Teamwettbewerb seien aber super gewesen und hätten viel Freude gemacht.

www.skilodgeengelberg.com