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Kolumne

Stau – Bewegung

Otto Leuenberger macht sich in seinem «Ich meinti» Gedanken zum Drang nach Bewegung im Frühling.
Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Sehnsucht ist da, dass es endlich so richtig «frühlingt». Aber das Wetter zeigte sich gerade garstig. Der Blick nach draussen versprach nichts Einladendes. Die Gedanken hatten dafür Spielraum. Zeit zum Rumhängen, Sinnieren und im Alltagsphilosophieren ergehen. Was machen bloss die (zu) früh zugeflogenen Stare, die «Bluescht» am Kirschenbaum, die erwachten Bienen, Hummeln? Wird es erneut so heikel, wie vor zwei Jahren Anfang Mai, mit Schnee und Frost?

Schon ist es wieder soweit. Kurz vor Ostern, wie zur «Saisoneröffnung» ein jährlich wiederkehrendes Phänomen: erste grosse Staumeldung am Gotthard. Darauf ist Verlass. Diese Staus gehören einfach dazu. Ja, man würde diese fast vermissen, es hat was Vertrautes. Gar die täglichen Staumeldungen am Radio fallen nicht mal mehr sonderlich auf. Allerdings gleichen sie zunehmend einer anschwellenden Litanei. Übrigens, es soll gar so was wie Staubekanntschaften geben! Die als Abhilfe gedachten Strassenausbaupläne, gesteigert bis fast ins Unendliche, muten hilflos an. Irgendwie beisst sich da die Katz immer wieder in den eigenen Schwanz.

Gerade jetzt, besonders im Frühling, treibt es uns um. Wie aus einem inneren Zwang, raus ins Freie, auf die Strassen der grossen Freiheit. Alles bewegt sich. Wenn auch manchmal nur bis zur nächsten Stossstange, da wo das Leben dann scheinbar still steht. Wenn die grosse Freiheit vornehmlich auf drehenden Rädern erfahren wird, ja dann wird es eng und unbequem. Stau der Mobilität, gleich Ende der grossen Freiheit?

Ein Ausweg bietet sich unseren gefiederten Freunden. Man sollte wie diese abheben können. Einfach kurz plustern, Arme schwingen und aus dem Stand ab in die Lüfte. «Uf und dervo». Aufbrechen und alles hinter sich lassen. Als Individuum, wie bei den Staren Schwarmwolken bilden, ob zum eigenen Schutz oder zum Vergnügen. Na ja so ganz ohne Widerspruch scheint mir das dann doch nicht. Allerdings, wer weiss schon, welch genetische Anpassungen bei uns Menschen noch möglich werden. Red Bull verleiht bekanntlich Flügel. Blöd nur, dass neuerdings eine Scham beim Fliegen quer in der Flugbahn liegt.

Wir sind Wesen mit Körper, mit Armen, Beinen – und mit Rädern. Wir lechzen nach (Fort-)Bewegung, und die ist ja ganz gesund, körperlich und seelisch. Bewegung, Unrast sind denn auch ein menschliches Urmerkmal und Urbedürfnis. Ob sich dahinter Sinnsuche verbirgt, oder Flucht vor dem «Irgendetwas»? Na ja, es muss nicht immer alles sinnvoll und vernünftig sein, auch das ist ein Menschenrecht. Es scheint da ein Zusammenhang von Fahrtbewegung und «Freiheit» zu bestehen. Ja, die Freiheit, ein rätselhaftes, sonderbares, flüchtiges, aber heiliges Ding. Sie kommt mir wie ein weiteres körpereigenes Organ vor, aber nicht fassbar und zu verorten.

Die Freiheit und Bewegung im Kopf. Das sinnstiftende Erleben, auch ohne Fahrtwind, hier vor Ort. Genau, zum Beispiel so etwas wie das, was ich gerade tue: sitzend mit minimal bewegten Fingerspitzen Tasten klicken lassen. Sich bewegen ganz ohne «Landgewinn», quasi in CO2-neutraler Bewegung an Ort und Stelle. Sehr belebend und dringend auszuprobieren.

Otto Leuenberger, ehem. Leiter Freizeitzentrum Obwalden und «Jungpensionär», aus Giswil äussert sich abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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