STEUERVERWALTUNG SARNEN: Hier wird Technikmuffeln geholfen

Über 1000 Mal hat das Telefon im Sarner Kundencenter der Steuerverwaltung schon geklingelt, seitdem die webbasierte Steuererklärung eingeführt wurde. Wichtig sei, die Leute ernst zu nehmen, sagt der Leiter.

Franziska Herger
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Peter Fanger aus Sarnen lässt sich im Kundencenter der Steuerverwaltung von der Lernenden Barsha Karki in Sachen E-Tax beraten. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 4. April 2018))

Peter Fanger aus Sarnen lässt sich im Kundencenter der Steuerverwaltung von der Lernenden Barsha Karki in Sachen E-Tax beraten. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 4. April 2018))

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Stimmengewirr, Telefonklingeln und alle paar Minuten geht die Türe auf und der nächste Bürger möchte wissen, wie das genau geht mit der elektronischen Steuererklärung. Die Mitarbeiter des E-Tax-Kundencenters der Obwaldner Steuerverwaltung haben alle Hände voll zu tun. Praktikant Fabian Amschwand hilft einem jungen Mann, dessen «Daten alle wieder verschwunden sind». Peter Fanger aus Sarnen lässt sich von der Lernenden Barsha Karki auf dem Tablet das Einfüllen einiger Daten zeigen. Ein älteres Ehepaar scheiterte am Benutzerkonto. «Wir können uns nicht einloggen», meint die Frau etwas aufgebracht. Benno Arn, der Leiter des Centers, erklärt geduldig, dass sie die Anmeldung noch durch einen Klick im Bestätigungsmail abschliessen müssen. «Ein häufiges Problem», so Benno Arn.

Knapp die Hälfte aller Kunden wenden sich wegen des Benutzerkontos an das Center. «Anfangs gab es lange Wartezeiten, weil nach dem Versand der Zugangsdaten viele Personen gleichzeitig versuchten, sich anzumelden», erklärt Reto Achermann, Leiter Support und IT bei der Steuerverwaltung. Man überlege sich deshalb, diese nächstes Jahr nach Gemeinden gestaffelt zu versenden.

«Einfach die Büroklammer anklicken»

Die webbasierte Steuererklärung – ohne Software und ganz ohne Papier, eine schweizweite Premiere – gibt es seit dem 1. März. Seither hat das Telefon im Kundencenter über 1000 Mal geklingelt, 46 Anrufe pro Tag. Dazu kommen E-Mails und im Schnitt 25 Kunden täglich am Schalter. Bei der Beratung geht es um Praktisches, etwa das Einfügen der Belege. «Einfach die Büroklammer anklicken», erklärt Barsha Karki am Telefon. «Nein, die Bankbelege müssen sie nicht mehr einreichen.»

Dass viel weniger Unterlagen als noch vor einem Jahr nötig sind, führe ab und an zu Verwirrung, sagt Reto Achermann. «Wir setzen künftig mehr auf Stichproben.» Seit gestern ist zudem die App Snapshare, mit der Belege fotografiert und eingefügt werden können, für alle Smartphones erhältlich. «Ich habe Mühe damit, ist das dann auf dem Handy?», fragt eine ältere Frau. Sie könne ihre Belege auch wie bisher einscannen, beruhigt Karki.

Nicht alle lassen sich bekehren

Benno Arn hat sich derweil mit dem Ehepaar, das sich nicht einloggen konnte, an einen Tisch gesetzt und erklärt die ersten Schritte der Steuererklärung. Die Wirkung ist unmittelbar. «Das ist super», findet die Frau. Es sei wichtig, die Leute ernst zu nehmen, meint Arn. «So konnten wir schon einige von E-Tax überzeugen. Viele finden am Ende, das sei doch eigentlich ganz einfach.»

Schmunzelnd erinnert er sich an einen Herrn, der sich lautstark über die neue Steuererklärung beschwerte. «Wir sind das System Schritt für Schritt durchgegangen. Danach hat er uns eine Flasche Sekt geschickt.» Auch Reto Achermann erzählt von einem 93-Jährigen, der noch nie mit dem Computer gearbeitet hatte. «Am Tag nach dem ‹Crashkurs› hier war die elektronische Steuererklärung da, mit allen Belegen.» Es hätten aber nicht nur ältere Leute Fragen zum Webportal, betont Benno Arn. «Auch jüngere Leute kommen vorbei und sorgen sich etwa um die Sicherheit ihrer Daten.» Ohne Grund, sagt Arn. «Es ist so sicher wie E-Banking.»

Doch alle Obwaldner lassen sich nicht bekehren. 700 Personen haben bisher die Steuererklärung im Kundencenter in Papierform abgeholt. «Einige sind wirklich überfordert, andere kommen mit einer negativen Einstellung und lassen sich nicht auf ein Gespräch ein», meint Benno Arn. Reto Achermann zieht trotzdem ein positives Fazit. «Die Zahl der elektronischen Steuererklärungen ist gegenüber 2017 von 78 auf ganze 90 Prozent gestiegen. Das übersteigt unsere Erwartungen bei Weitem.» Informationsveranstaltungen und das Kundencenter hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt. So wird das Center, das Ende April schliessen sollte, bis am 11. Mai weiterbetrieben. Zudem wird eine Weiterführung nächstes Jahr geprüft.

Peter Fanger jedenfalls scheint zufrieden mit den Antworten, die er erhalten hat, und macht sich auf den Weg. «Wenn Sie noch Fragen haben, rufen Sie einfach wieder an», schickt ihm Barsha Karki nach.

Hinweis

Öffnungszeiten und weitere Infos unter www.etaxinfo.ow.ch