SwissSkills
Die Berufs-WM lockt: Schreinerlernende aus Unterwalden beweisen ihr Talent

Die Aufgabe war für alle dieselbe. Am besten geschlagen haben sich die Lernenden Clément Demaurex und Joel Odermatt. Sie stehen nun in der zweiten Runde der SwissSkills.

Ruedi Wechsler
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Die Teilnehmer an der Arbeit im Werkraum im Berufs- und Weiterbildungszentrums in Sarnen.

Die Teilnehmer an der Arbeit im Werkraum im Berufs- und Weiterbildungszentrums in Sarnen.

Bild: Ruedi Wechsler (Sarnen, 13. November 2021)

Um 6 Uhr besammelten sich am Samstag, 13. November, 18 Teilnehmer zur Sektionsmeisterschaft 2021 im Berufs- und Weiterbildungszentrum (WBZ) Sarnen. Gross waren die Anspannung, die Ungewissheit und die Nervosität unter den Schreinerlernenden Unterwalden vor der WM-Ausscheidung Stufe eins. Am Nachmittag flossen die ersten Tränen, weil Tina Abächerli – eine von sieben Damen – den Wettkampf wegen einer Fussverletzung und Schmerzen aufgeben musste. Momentan ist sie arbeitsunfähig und humpelte an Stöcken durch die Innenräume. Trotzdem stellte sich Tina dieser Herausforderung und ergänzte:

«Ich nehme die heutige Erfahrung, unter grossem Zeitdruck arbeiten zu müssen, mit auf den weiteren Weg. Wie für alle, ist es eine wichtige Vorbereitung für die anstehende Teilprüfung.»

Am BWZ werden 76 Unterwaldner Schreinerlernende in vier Klassen ausgebildet. 16 Lehrlinge im 3. und 2 im 4. Lehrjahr stellten sich der Aufgabe, ein Massivholz-Tablet in Eschenholz anzufertigen. Dabei musste der Bodenrahmen auf Gehrung zugeschnitten, mehrere Schwalbenschwänze eingelegt, oder im aufklappbaren Rahmen Messingklappscharniere eingelassen werden. Da wurde mit dem Oberfräser hantiert, mit dem Stechbeitel Feinarbeiten ausgeführt oder mit der Schleifmaschine das Finish angebracht. Klassenlehrer Ueli Schälin zeigte sich erfreut und beeindruckt vom grossen Zusammenhalt der Klasse und er sagte: «Es ist spannend zu sehen, wie die Lernenden mit dem Leistungsdruck umgehen. Ich stelle auch einen gewissen Niveauunterschied fest und habe da zwei bis drei Favoriten.»

Gespanntes Warten auf die Bewertung

Beim Rundgang durch den Werkraum fiel die Nummer 4 schon bald auf. Tatsächlich konnte man sich von seinem fortgeschrittenen Werk persönlich überzeugen, welch perfekte Gehrungen dieser junge Mann verleimt hat. Auch die fein säuberlich eingelegten Doppelschwalbenschwänze lässt jedes Holzliebhaber-Herz höherschlagen. Um 16 Uhr zog sich die mehrköpfige Jury - darunter Reto Ettlin, der Vizeweltmeister von 2015 in Sao Paolo - mit den «Kunstwerken» zurück und die Spannung stieg ins unermessliche. Draussen trafen Familienangehörige und Freunde ein, und sie konnten die Siegerehrung kaum erwarten. Die Bronzemedaille konnte sich Brian Sonderer vom Lehrbetrieb Klosterschreinerei Engelberg umhängen. Brian ist im vierten Lehrjahr und er fertigt sehr gerne Fragmente an. Zudem schätzte er die Teilnahme am heutigen Wettkampf und ergänzte: «Traditionelle Holzverbindungen mit Massivholz in Handarbeit liegen mir gut. Ich ziehe kleinere Arbeiten Grossaufträgen vor und das sorgt für viel Abwechslung.»

Die drei Bestklassierten (von links): Joel Odermatt (2. Rang), Clément Demaurex (1. Rang) und Brian Sonderer (3. Rang).

Die drei Bestklassierten (von links): Joel Odermatt (2. Rang), Clément Demaurex (1. Rang) und Brian Sonderer (3. Rang).

Bild: Ruedi Wechsler (Sarnen, 13. November 2021)

Silber ging an Joel Odermatt vom Schreinerhof Buochs. Ich startete morgens mit einem mulmigen Gefühl ins Abenteuer. «Das Einlegen der Schwalbenschwänze von Hand war für mich die grösste Herausforderung und ich rechnete überhaupt nicht mit diesem Erfolg», so Joel Odermatt. Das exakte Arbeiten bezeichnet er als seine Stärke. Konzentration, sich nicht zu sehr stressen lassen und nicht auf die andern schauen, hatte für den Sieger Clément Demaurex am heutigen Tag oberste Priorität. Er ist im dritten Lehrjahr und die Ausbildung absolviert Clément bei der Blättler Schreinerei AG in Hergiswil. Gleichwohl sei er bei Leimarbeiten etwas ins Schleudern geraten: «Alle praktischen Arbeiten, sei es mit der Japansäge oder dem Stechbeitel führe ich sehr gerne aus. Der heutige Anlass war eine gute Hauptprobe für die Teilprüfung.» Der Erfolg gebe ihm viel Motivation für den nächsten Höhepunkt.

Zusammen mit Joel Odermatt ist er nun an den überregionalen Meisterschaften startberechtigt. Die drei Landesregionen mit je 30 Teilnehmern erküren die drei Besten und nur sie kommen in die Nationalmannschaft. An der Schweizer Meisterschaft kämpft das Neunerteam der Rotjacken um die zwei begehrten Plätze, wo es in Lyon 2024 um die WM-Krone geht. Es ist also noch ein weiter Weg für die vielversprechenden Talente.

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