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Tag des Denkmals in Obwalden: So wird ein Wohnhaus restauriert

Im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals hat am Sonntag eine Führung durch das 1586 erbaute Wohnhaus Widen stattgefunden. Der Anlass sorgte für viel Interesse.
Carina Odermatt
Peter Omachen, Denkmalpfleger des Kantons Obwalden, erzählt über die Restaurationen des Wohnhaus Widen, welches ab November wieder bewohnbar sein wird. (Bild: Carina Odermatt (Stalden 9. September 2018))

Peter Omachen, Denkmalpfleger des Kantons Obwalden, erzählt über die Restaurationen des Wohnhaus Widen, welches ab November wieder bewohnbar sein wird. (Bild: Carina Odermatt (Stalden 9. September 2018))

«Das Wohnhaus Widen wieder bewohnbar zu machen, ist ein Lebenstraum von mir», erzählt Erich Leu. Seine Eltern haben das Grundstück 1980 gekauft, auf dem das 1586 erbaute Wohnhaus steht. Es stand lange leer und sollte abgerissen werden, konnte dann jedoch unter Schutz gestellt werden.

«Indem wir das Haus restaurieren, zeigen wir Respekt für das, was die Menschen vor uns erbaut haben», fährt Leu fort. Er ist der Bauherr des Wohnhauses Widen und wird ab November mit seiner Partnerin dort einziehen.

Das Haus ist ein Glücksfall

Peter Omachen, Denkmalpfleger des Kantons Obwalden, leitet die Führung ein, die im Rahmen der zum 25. Mal durchgeführten Europäischen Tage des Denkmals stattfindet. Zu diesem Anlass konnten letzte Woche verschiedene Baudenkmäler besucht werden, wobei der Fokus dieses Jahr auf der Architektur der Nachkriegszeit lag. Das Wohnhaus Widen bildet die Ausnahme dieser Veranstaltungsreihe und es stösst auf grosses Interesse. Die Führung ist so gut besucht, dass der Hauptteil davon auf der Wiese stattfindet, weil nicht alle Anwesenden gleichzeitig im Haus Platz finden.

Peter Omachen freut sich: «Das Wohnhaus Widen ist ein Glücksfall. Es war Jahrzehnte unbewohnt und ist deshalb sehr authentisch geblieben.» Die Restauration von derart wertvollen Gebäuden brauche Zeit und müsse reifen. Es sei eine Gratwanderung zwischen der Erhaltung des kulturellen Wertes und den nötigen Restaurationen, damit es wieder bewohnbar werde, erklärt Omachen.

Die Restaurationen, welche im Januar begonnen haben, werden angeleitet vom Architekten Hanspeter Odermatt aus Stans. Er hat sich auf die Restauration alter Gebäude spezialisiert und erklärt die verschiedenen Renovationsverfahren. Denn es gibt einiges zu tun: Das typische Tätschdachhaus verfügte bisher über keinen Wasseranschluss, war lediglich mit einem Plumpsklo ausgestattet und hatte eine Rauchküche mit offener Feuerstelle. Der Rauch aus der Küche verteilte sich beim Kochen früher durch das ganze Haus, sodass die Wände mit einer dicken Pechschicht bedeckt waren.

Alte Gegenstände gefunden

Ein Gast betrachtet die Gegenstände, die man unter dem Holzboden gefunden hat. (Bild: Carina Odermatt (Stalden, 9. September 2018))

Ein Gast betrachtet die Gegenstände, die man unter dem Holzboden gefunden hat. (Bild: Carina Odermatt (Stalden, 9. September 2018))

Erich Leu, der sich einige Monate unbezahlten Urlaub nahm, um an der Restauration seines Hauses dabei zu sein, hat rund 20 Kilogramm kristallisiertes Pech von den Wänden abgeschabt. Die geschwärzte Oberfläche bleibt erhalten, sie bildet mit dem Holz eine schöne dunkelbraune Struktur, die dem Haus besonderen Charme verleiht. Die Türrahmen sind teilweise nur 1,40 Meter hoch und auch in den Räumen berühren gross gewachsene Leute beinahe die Decke.

In der Rauchküche, welche als einziger Raum im Untergeschoss nicht unterkellert ist, musste ein Bretterboden entfernt werden, der einmal nachträglich eingebaut wurde. Darunter fand Erich Leu haufenweise Müll, den die Menschen damals einfach unter den Boden gekehrt haben. Doch was für sie nach Müll aussah, hat heute Museumswert. Leu hat die gefundenen Gegenstände auf einem Tisch angerichtet, denn sie erzählen Geschichten der Vergangenheit. Unter den Objekten befinden sich viele alte Werkzeuge, ein antiker Schuh, eine Kette, Scherben von sorgfältig bemalten Tellern und anderes Geschirr.

Erich Leu erzählt: «Die Leute fragen mich oft, ob wir beim Bauen wohl einen Goldschatz gefunden hätten. Das habe ich mich am Anfang auf gefragt, aber dann habe ich gemerkt: Das Haus selber ist ein Schatz.»

An den Wänden, von denen 20 Kilogramm Pech abgeschabt werden mussten, stehen die ursprünglichen Türen des Hauses. Einige Türrahmen sind nur 1,4 Meter hoch. (Bild: Carina Odermatt (Stalden, 9. September 2018))

An den Wänden, von denen 20 Kilogramm Pech abgeschabt werden mussten, stehen die ursprünglichen Türen des Hauses. Einige Türrahmen sind nur 1,4 Meter hoch. (Bild: Carina Odermatt (Stalden, 9. September 2018))

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