TALMUSEUM ENGELBERG: Er hat Engelberg in 1200 Stunden nachgebaut

Engelberg erhält sein Relief. In 1200 Stunden ist die Region nachgebildet worden. Naturgetreu zu erkennen sind sogar Kirchen, Herbstwälder und Gletscherspalten.

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Reliefbauer Toni Mair arbeitet am Engelberger Relief. (Bild Urs Rüttimann/Neue NZ)

Reliefbauer Toni Mair arbeitet am Engelberger Relief. (Bild Urs Rüttimann/Neue NZ)

«Der Landschaft muss Leben eingehaucht werden», sagt Toni Mair, der an der Universität und ETH Zürich Geografie und Geologie studiert hat. Vor ihm steht das 3,75 Quadratmeter grosse Relief der Region Engelberg, ein Werk, an dem er im Auftrag der Fritz-Carl-Wilhelm-Stiftung während der vergangenen Monate 1200 Stunden gearbeitet hat.

Obschon heute die Schweiz auf den Meter genau vermessen und mit dem Computer zu so genannten Geoinformationssystemen (GIS) digitalisiert worden ist, hat das Relief bis heute in Fach- und Liebhaberkreisen seine Anhänger behalten.

«Der Unterschied liegt im Detail»
Eckpunkte des 300 Kilogramm schweren Reliefs im Massab 1:10 000 sind Gitschenen (Nordost), Krönten (Südost), Flüeli-Ranft (Nordwest) und Melchsee-Frutt (Südwest). Die Landschaft ist in Herbstfarben eingetaucht: Braungrüne Alpwiesen sind durchzogen von bunten Laub- und blaugrünen Tannenwäldern. Auf den Dreitausendern liegt weisser Schnee.

«Der Unterschied zwischen Pfusch und seriöser Arbeit liegt im Detail», führt Mair aus, dessen Handwerk an in- und ausländischen Universitäten und Museen grosses Ansehen geniesst. «Jedenfalls sollte jeder Engelberger sein Haus finden, wenn es bei der Endreinigung nicht zufällig mit dem Staubsauger weggesaugt worden ist», meint der Reliefbauer verschmitzt.

Kontakt mit dem Grossmeister des Reliefbaus
Sein Erstlingswerk hat Mair während des Geografiestudiums angefertigt, weil er sich eine Landschaft anhand einer Karte nicht vorstellen konnte. Bereits damals fand er an dieser Arbeit Gefallen.

Telefonisch nahm er Kontakt mit Eduard Imhof auf, dem 1987 verstorbene Grossmeister des Reliefbaus. Der damals über 80-jährige Reliefbauer, der sich mit seinen Werken in zahlreichen Museen und Universitäten verewigt hat, hat Mair das methodische Rüstzeug geliefert. «Doch erst nach 15 Jahren Lehrzeit erreichte ich dessen Präzision in der Darstellung.»

Seine ersten Aufträge führte Mair neben seiner Arbeit als Geografielehrer aus. Nach der Pensionierung gründete der heute 68-jährige gebürtige Innsbrucker, der in Unterägeri wohnt, seine Firma. Seither arbeitet er 100 Prozent für seine Geomodelia Reliefbau Atelier GmbH.

Landeskarten und Stereo-Luftbilder als Vorlage
Exaktes Beobachten ist für Mairs Arbeit zentral. «Ich muss die Landschaft dreidimensional nachempfinden. Dazu braucht es ein verlässliches Gedächtnis.» Als Vorlage dienen ihm die Landeskarten 1:25000. Doch weit wichtiger sind für ihn Fotografien der Landschaft und Stereo-Luftbilder, die er vielfach selber aus dem Helikopter systematisch anfertigt.

Daheim im Atelier wird zuerst eine Grobfassung des Reliefs erstellt. Dazu wird jede Höhenkurve der Landeskarte auf Sperrholzplatte übertragen und ausgesägt. Danach wird ein Negativabguss aus Silikonkautschuk hergestellt. Von diesem Negativ wiederum wird ein homogenes Gipsmodell gegossen. Dieses kann dann exakt geschnitzt und bei Bedarf mit Spachtelmasse nachmodelliert werden. Die Landschaft wird mit Acrylfarbe, eingefärbtem Sand und weiteren Matrialien naturgetreu gestaltet.

Urs Rüttimann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Obwaldner Zeitung.