Kapo Obwalden klärt Senioren über Taschendiebe und Cyber-Kriminalität auf

Was hilft älteren Menschen gegen Cybercrime, Taschendiebstähle und Co? Die Kantonspolizei Obwalden klärte Senioren auf.

Marion Wannemacher
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Miriam Schriber (rechts) mit Tamara Bösch und Ueli Nietlispach von der Kantonspolizei.

Miriam Schriber (rechts) mit Tamara Bösch und Ueli Nietlispach von der Kantonspolizei.

Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 27. November 2019)

Aufmerksam sein und auf das eigene Bauchgefühl hören, lautete der wichtigste Rat beim Präventionsvortrag von Pro Senectute Obwalden in Sachseln für Menschen ab 55 Jahren. «Geben Sie Taschendieben keine Chance» hiess der Titel. Daniel Diem, Geschäftsleiter von Pro Senectute, wartete gleich zur Begrüssung mit einem Fall auf, der sich in Obwalden so abgespielt hat. Eine ältere Obwaldnerin war von den Angestellten ihrer Bank daran gehindert worden, sich mehrere tausend Franken für einen Ratenkauf auszahlen zu lassen. Ihrer Einschätzung nach stimmte da etwas nicht.

Bücher für 10'000 Franken an der Haustür gekauft

Der Hintergrund: «Die Frau hatte an der Haustür Bücher von minderem Wert für 10'000 Franken erworben, aber gar nicht gewusst, was sie da unterschrieben hatte», erzählte Diem. Die Bücher wurden auch tatsächlich an ihre Adresse geliefert. Für die erste Rate hatte die Kundin bereits 3300 Franken überwiesen.

Jährlich entsteht in der Schweiz bei 55-Jährigen und Älteren hochgerechnet ein Schaden von über 400 Millionen Franken durch finanziellen Missbrauch. Diese Zahl nannte Rebekka Hartmann von Pro Senectute Schweiz als Ergebnis einer Studie vom Institut für Wirtschaftskriminalität an der Hochschule für Wirtschaft in Lausanne. Die meisten Opfer sind entweder zwischen 55 und 64 Jahre alt oder über 85 Jahre. Männer werden häufiger Opfer als Frauen. Westschweizer sind in der Schweiz am meisten betroffen, Tessiner am seltensten.

Auf Platz eins der häufigsten Verbrechen liegt der Diebstahl an einem öffentlichen Ort, am zweithäufigsten der Diebstahl beim Geldabheben am Bankomaten, gefolgt von den Enkeltrickbetrügern. Aus Scham verschweigen 61 Prozent der Opfer, was ihnen widerfahren ist.

Wie clever die Täter teilweise vorgehen, zeigte ein von einer Überwachungskamera aufgenommener Film, den Tamara Bösch, Fachverantwortliche Kriminalprävention bei der Kantonspolizei Obwalden, mitgebracht hatte. Man sieht eine ältere Frau in der Migros Gemüseabteilung, an deren Handtasche am Wagen sich der Täter zu schaffen macht, während sie ihre Ware abwiegt. «Wie viel Täter gibt es auf der Aufnahme?», fragt Tamara Bösch. Ihre Antwort verblüffte die Besucher des Vortrags: «Vier Täter sind im Team unterwegs.» Jeder, der wie ein gewöhnlicher Kunde daher komme, habe hier seine Funktion: die Situation rundum unter Kontrolle behalten, die Frau von ihrem Wagen abzuschirmen und das Portemonnaie an sich zu nehmen.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr in Obwalden elf Taschendiebstähle und drei Trickdiebstähle. Der Rat der Fachfrau lautet: In der Handtasche am Einkaufswagen keine Wertsachen lassen, die Handtasche im Restaurant nie an eine Stuhllehne hängen, so wenig Bargeld wie möglich bei sich tragen, das Geld am Bankautomaten schnell versorgen, nie das eigene Portemonnaie aus der Hand zu geben und nicht Fremde ins Portemonnaie schauen zu lassen.

Eindrückliche Beispiele aus der Internetkriminalität zeigte Ueli Nietlispach, der Fachverantwortliche IT-Ermittlungen bei der Kantonspolizei. Er zeigte ein mit UBS-Logo versehenes E-Mail, dessen Urheber unter Vorwand versuchte, an die persönlichen Kontodaten des Adressaten zu kommen. «Es gibt kein Unternehmen, dem man online solche Angaben zum persönlichen Konto bestätigen muss», betonte Nietlispach.

Er klärte auf, dass Spam-E-Mails mit Viren und Trojanern gespickt seien und warnte davor, auf Links oder Anhänge zu klicken. Auch hielt er fest, dass beispielsweise Microsoft Mitarbeiter sicher nicht Kunden wegen deren angeblicher Computerprobleme anriefen. Die Betrüger versuchten, auf den Computer zuzugreifen. «Diese Telefonate sollten sie umgehend beenden», sagte er.

Es gebe immer neue Versuche, um an Geld zu kommen. Nietlispach berichtete, dass sich besorgte Obwaldner nach Erpresser-E-Mails erkundigt hatten. In denen heisse es, man sei vor dem Computer von einer Kamera beim Konsumieren eines Pornofilms aufgenommen worden und müsse nun Bitcoins überweisen. Sie seien nicht Ernst zu nehmen, hielt er fest.